Läufer sind schon ein komischer Schlag Mensch. Während die Mehrheit der Bevölkerung den schönen Pfingstsonntag mit der Familie oder in der freien Natur genossen hat, starteten wir heute beim Skyrun in Berlins Mitte – im Hotel Park Inn direkt am Alexanderplatz. Angemeldet hatte ich uns schon Anfang des Jahres, nach meiner Premiere beim Towerrun in Berlin-Neukölln. Paul, der auf seinen ersten Marathon im September hinarbeitet, war fest eingeplant, das unschlagbare Duo der Running Twins zu ergänzen. Leider war er aufgrund von Krankheit arg im Trainingsrückstand und verzichtete auf seinen Start. Zum Glück fanden wir einen grandiosen Ersatz: Danny erklärte sich am Freitag Abend spontan bereit, mit uns an diesem verrückten Event teilzunehmen. Gesagt und getan: Punkt 11 standen wir mit 9 anderen Dreier-Teams am Start auf dem Alex. Mit etwas Verzögerung wurden wir als 5. um ca. 11.20 Uhr auf die “Strecke” geschickt. Wir ließen es ruhig angehen, Danny lief vorneweg, Henrik als 2. und ich als 3. ins Treppenshaus rein. Und Danny machte ordentlich Tempo: schon auf Etage 6 kassierten wir das erste Team. Waren wir zu schnell losgelaufen? Etage 10: wir ziehen auch an den Grashüpfern vorbei. Was ist denn hier los? In Etage 20 geht es quer durch das Gebäude (auf wackeligen Beinen…) ins andere Treppenhaus. Die Cheerleader feuern uns an. Noch 19 Etagen. Nochmal überholen wir in Etage 28, es waren wohl die Jungs der Pfannkuchen. Nun heißt es auf die Zähne beißen. Die Beine werden sauer, der Puls rast in die Höhe und verbleibt konstant in den oberen Regionen. Henrik gibt nochmal Gas, ich habe Mühe ihm zu folgen. Hinter mir kommen die BerlinSharks angesaust. Überholen können sie uns aber nicht mehr. Noch 5 Etagen, 4, 3, 2, “eine noch” und dann ist das Ziel oben auf der Dachterasse erreicht. Handgestoppte 05:55 min haben wir gebraucht. Und hier sind die Videos von heute, aufgenommen von meiner Actioncam auf der Stirn. Viel Spaß!
Die Jungs vom Runners Point haben Wort gehalten und den poppigen Laufschuh aus dem Hause Brooks rangeschafft. Der Green Silence ist nicht grün, jedenfalls nicht farblich. Vielmehr ist er grün hinsichtlich Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Sogar “Reste aus zerfallenen Studentensofas” sollen zum Einsatz kommen. Ob der Hersteller hier zwecks Imagepflege übertreibt? Egal, mit dem Schuh läuft es sich auf jeden Fall gewissenhafter. Meine grottige CO2-Bilanz wird das sicher nicht ausgleichen. Ich habe den Schuh ja auch gekauft, um einen schönen Wettkampfschuh im Schrank zu haben. “Bis zu 15 Kilometer” könne man damit absolvieren, sagt der Experte. Das werde ich bei der nächsten Gelegenheit testen und euch berichten. Ob das zum SkyRun am Sonntag in Berlin sein wird, bin ich noch nicht sicher. Ich nehme ihn morgen mit nach Frankfurt. Dorthin fährt die grüne Bahn.
An der Küste ist es bekanntlich frisch und windig. Aber dass heute nicht mal die Sonne wenigstens aufblitzte, war schon enttäuschend. Und so trat ich bei gefühlten 5 Grad den HM in Rostock an. 7,5 Runden durch die City. Wer das ohne Drehwurm übersteht, hat die halbe Miete eingefahren. Auf der “Gegengerade” blies ein so heftiger Wind, dass ich jede Runde wieder Angst hatte, dort einzubiegen. In der ersten Runde flogen so einigen Läufern die Mützen weg. Ich lief trotzdem erstaunlich flott und konstant so um die 4:35 auf den Kilometer. Da ich im Team E.ON antrat, war bei jeder Runde vor dem Kundenzentrum richtig Stimmung. Der Moderator rief immer wieder meinen Namen. Immerhin eine gelungene Motivation. Viel war nicht los auf der nassen Strecke, vielleicht 200 Mutige hatten sich auf die halbe Distanz begeben. Ein recht einsamer Lauf also, der mich zunehmend demotivierte, vor allem auf der brutalen Gegengeraden. Hätte ich auf den letzten 3 Kilometern nicht endgültig die Lust verloren, wäre sogar die Bestzeit drin gewesen. Die Beine waren noch schwer nach den 25 Km vor einer Woche. So lief ich gemütlich zu Ende und erlaubte mir noch 2 Trinkpausen. Richtig freuen hätte ich mich eh nicht können: in der ersten Runde fehlte der Streckenposten und die Läufer rannten einfach geradeaus statt nach rechts – Einsparung ca. 300 Meter. Die gelaufene Strecke war also auch noch zu kurz. Aber das war mir herzlich egal. Platz 61 mit 1:37:44 liest sich richtig gut, wenn man die widrigen bis irregulären Bedingungen sieht und die schlampige Organisation. Ich habe sogar einen Zielsprung hingelegt in der Hoffnung, dass es wieder Finisherclips gibt. Noch bin ich in Rostock, aber am Abend trete ich ganz zufrieden die Rückreise nach München an. Im nächsten Jahr bitte nicht ohne Sonnenschein.
Der Bürotag wollte gestern nicht enden. Da entdeckte ich auf der Facebook-Seite des Fitnessclubs meines Vertrauens, dass am Abend der Runners Point am Marienplatz für Mitglieder sonderöffnet. Ab 20:15 Uhr gab es Laufanalyse und -beratung und on top noch 20% Rabatt auf alles. Da wurde ich sofort schwach. Ich bekam noch den späten Termin um 21:45 Uhr, aber bis dahin war ich sowieso im Büro. Die Kirchenjünger belagerten den Marienplatz, aber ich schubste mich durch und startete so mit Marco eine Laufanalyse. Bisher hatte ich fast nur Neutralschuhe, aber ich wollte sichergehen, dass sich nichts verändert hat. Die Videoanalyse zeigt schnell, dass ich keinen Stützschuh brauche. Marco hat mir dann die Adidas Supernova Glide 2M empfohlen. Ich hatte noch nie Adidas-Schuhe an -so schnell wurden die das Image nicht los, dass sie die Entwicklung verschlafen hatten-, aber die fühlten sich sehr stabil an und passten perfekt. Mit 336g keine leichten Treter. Fast wie eine Socke fühlten sich die Brooks Green Silence an. Zum Ausmustern meiner abgelatschten Nike Lunar Trainer wollte ich gerne noch einen leichten Racing-Schuh haben. Ein echter ??ko-Schuh mit lächerlichen 196g Gewicht. Und links sieht nicht wie rechts aus. Leider hatte Marco den nicht mehr in meiner Größe, aber er kümmert sich morgen darum. Allein der Look dieser Schuhe ist ein Wagnis. Die Adidas habe ich gleich am späten Abend noch ein bißchen eingelaufen im Rahmen eines kleinen Regenerationslaufs. Und so war das ein richtig schöner Belohnungskauf nach dem strapaziösen Wochenende.
Die 25 Km bei den BIG 25 am gestrigen Tag boten einfach alles. Vor allem viel Emotionen. Wir haben die Zeit vom letzten Jahr geschlagen und sind mit 1:57:12 durch das Ziel im Berliner Olympiastadion gelaufen. Marek hat sein Kamerahandy mit auf die Strecke genommen und so einige schöne Schnappschüsse gemacht. Das Wetter war perfekt: keine Sonne, trocken, um die 11 Grad. Wir fühlten uns gut und gingen das Rennen flott an. Bis zum Brandenburger Tor hielten wir locker einen Schnitt von 4’30” auf den Km. Ein traumhafter Lauf bis dahin, das einzige, was fehlte, waren Zuschauer an der Strecke. Meine Hoffnung, einfach schön durchzulaufen und “im Vorbeigehen” die HM-Bestzeit zu knacken, erfüllte sich leider nicht. Ab Km 16-17 ging es rapide bergab, leider mit mir, nicht mit der Strecke. Letztere führte ab Ku’damm sogar leicht bergauf. Hier hätte Marek längst davonlaufen können. Aber er tat es nicht, weil wir unbedingt zusammen in’s Ziel laufen wollten. Die Rollen vom letzten Jahr tauschten wir, denn da ging es mir auf den letzten Kilometern besser und ich konnte Marek in’s Ziel ziehen. Die HM-Marke wurde gemessen, und da liefen wir an meiner Bestzeit vom März um lächerliche 8 Sekunden vorbei. Doch das war mir schon ziemlich egal, brannten doch die Füße und die “Mauer” in Körper und Kopf wurde immer höher. Klar, wir hatten fast 4 Minuten auf die Zeit vom letzten Jahr rausgelaufen, aber was hilft das, wenn es gefühlt eigentlich gar nicht mehr geht? Mir wurde zunehmend schwindlig und ich musste Gehpausen einlegen. Marek blieb bei mir und die die letzten drei Kilometer kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Noch nie habe ich mich so gefreut, über die Ziellinie zu laufen, wirklich bewusst habe ich das aber mehr aufgenommen. Ich habe es nicht mal geschafft, die Zeit auf dem Forerunner zu stoppen. Das war ein Sieg des Willens und des Teams. Marek wäre sicher schneller gewesen, aber ob ich dann das Ziel erreicht hätte: eher nicht. Die Zeit war gestern also gar nicht so interessant. Ich bin ziemlich stolz auf uns beide.
Kilometerschild 23 vor dem Start
Olympiastadion
Im Startblock
Henrik skeptisch im Startblock
Unmittelbar vor dem Startschuss
Henrik zeigt Daumen hoch bei Km 5
Blick auf die Siegessäule bei Km 6
Henrik zeigt nach vorn bei Km 8
Kurz vor Durchlauf Brandenburger Tor bei Km 9
Leipziger Str. nach dem Wendepunkt bei Km 13
Mareks Beine bei Km 13
Anlauf auf den Potsdamer Platz
Ku’damm bei Km 15
Letzter Verpflegungspunkt bei Km 20
Kurz vor Halbmarathonmarke in der City West
Einlauf in das Olympiastadion Km 25
Zieleinlauf 1
Zieleinlauf 2
Ziellinie im Olympiastadion
Henrik sitzt völlig breit im Zielbereich
Stolze Running Twins
Blick von oben auf den Zielbereich im Olympiastadion
Nachdem ich die letzten Einheiten in schnellerem Tempo absolviert habe, sollte die letzte vor den BIG25 am Sonntag ein langsamer, dafür aber langer Lauf werden. Die Strecke hatte ich mir schon vorher zusammengestellt. Der Upload auf den Forerunner scheiterte aber aufgrund technischer Probleme. Egal. Ausgehend von der Altstadt Köpenick ging es entlang der Regattastrecke in Grünau durch Schmöckwitz (noch Berlin) vorbei am Ufer des Seddinsees (teilweise schon Brandenburg) über Gosen (Brandenburg), dann am Müggelsee entlang zurück zur Altstadt. Den ersten und letzten Teil der Route kannte ich bereits sehr gut, nur der Mittelteil führte durch unbekannte Gegenden (@Hannes: zählt aber nicht für die Tour über den Tellerrand?) . Und es hat sich wirklich gelohnt:
Ich habe den einzigen sonnigen Tag dieser Woche erwischt. Morgens war es aber echt noch a****kalt. Handschuhe wären gut gewesen, aber zum Glück hatte ich mich wenigstens für das lange Shirt entschieden. Das Tempo war sehr moderat, ich bin sogar den zweiten Teil schneller unterwegs gewesen. Probleme hatte ich überhaupt nicht. Einzig die letzten beiden Kilometer waren dann anstrengend. Meinen Herzfrequenzmesser hatte ich auch mal wieder am Start und 169 BPM im Schnitt ist für meine Verhältnisse super. Fazit: mein bisher längster Ausflug überhaupt (3:37 netto), ich habe es genossen und werde jetzt bis Sonntag die Beine hochlegen.
Am Sonntag folgt ein Laufhighlight im Jahr 2010: die BIG 25 von Berlin. Im letzten Jahr sind wir erstmals mitgelaufen und hatten ein unvergessliches Lauferlebnis. Nicht nur die magischen zwei Stunden wurden geknackt. Wir sind zum ersten Mal eine komplette Distanz im Team gelaufen. Das schreit nach Wiederholung am kommenden Sonntag. Die Vorbereitungen daraufhin laufen, aber in sehr entspanntem Rahmen. Marek ist sowieso in Granatenform (zuletzt beim Köpenicker Altstadtlauf eindrucksvoll nachgewiesen) und ich werde halt wieder kämpfen und alles rausholen müssen. Das hat beim Berliner Halbmarathon exzellent funktioniert. Die Voraussetzungen sind gut: das Wetter soll noch die ganze Woche schön kühl und verregnet bleiben. Nichts würde uns mehr bremsen als die 10 Kilometer bis zum Brandenburger Tor in der knalligen Mittagssonne zu laufen. Und das Ziel ist gesteckt: die 2h-Marke soll wieder fallen. Aber bis dahin kann eine Menge passieren. Zumindest der Forerunner hat schon die Sollzeiten programmiert bekommen. Zudem hat uns vom Veranstalter heute die nette Nachricht ereilt, dass wir kostenlos teilnehmen können. Es gab ein Gewinnspiel auf Facebook, das dazu aufforderte, die Winner-Schuhe zu fotografieren und einzusenden. Da mich die Schuhe schon im Vorjahr in’s Ziel getragen haben, vertraue ich diesen natürlich wieder. Einen längeren und einen kurzen Lauf werden wir bis Sonntag noch einlegen. Und dann heißt es wieder: Auf in’s Olympiastadion!