Von Henrik · 04. Februar 2013 · 6 Kommentare · Kategorien: Grundsätzliches, Trainingstagebuch

MotivationSchnödes Trainingsprogramm – so lautete die Devise für die vergangene Woche. Da gibt es wahrlich nichts Spannendes zu berichten. Ja, es waren zwei harte Einheiten dabei. Am Mittwoch und Freitag habe ich mich jeweils kurz vor Mitternacht nach draußen geschoben und im Münchner Dauerregen den Trainingsplan abgespult. Solche Einheiten sind allein gelaufen völlig spaßbefreit, mögen mir Motivationsspezialisten erzählen, was sie wollen. Da laufe ich um 1 Uhr morgens unter Ausschluss der Öffentlichkeit 7x um die Theresienwiese und stelle mir gefühlte 10 Mal die Frage

WAS TREIBT UNS AN?

Diese Frage wird von der allgemeinen Verständnislosigkeit für das Trainingsprogramm noch angefacht. Da bekomme ich oft zu hören, dass ich doch meine Gesundheit ruiniere bzw. zu dieser Zeit schlafen müsse. Und dass ich abgenommen hätte wegen der ganzen Lauferei. Wobei Bemerkungen solcher Art noch in die nettere Urteilskategorie fallen. Inzwischen geht das ins eine Ohr rein und direkt aus dem anderen wieder raus. Wobei es ja absolut unstrittig ist, dass Bett und Couch attraktive Alternativen zum Wintertraining sind. Wo kommt sie also her, die Motivation?

Zum einen ist da natürlich das große Frühjahrsziel in Form des Transgrancanarias am 2. März. Ohne dieses sähe es jetzt wohl anders aus. Genau an Weihnachten 2012 habe ich etwas Torschlusspanik bekommen (“nur noch 10 Wochen bis Anfang März!”) und das Training hochgefahren. Dahinter steht einzig und allein der Gedanke, in den Bergen der Insel nicht einzugehen und das Rennen abseits der unvermeidbaren Quälerei zumindest abschnittsweise genießen zu können. Mit einem großen Fragezeichen hinter dem Trainingszustand an der Startlinie eines Marathons zu stehen, ist erfahrungsgemäß gar kein gutes Gefühl. Also bildet sich der Antrieb vor allem aus dem Wunsch, dass der Wettkampf belohnt für die Trainingsanstrengungen und nicht das Leiden noch verlängert. Doch es muss viel mehr als das sein.

Machen wir uns nichts vor, das Ego wird schon gelegentlich gestreichelt von Menschen in der “peer group”, die zumindest Respekt gegenüber der sportlichen Leistung zeigen. Der Motivationsklopfomat liefert mehr oder weniger sinnreiche Aussprüche von Menschen ab, die Laufen nicht nur als Hobby, sondern als eine Ausprägung ihrer Lebenseinstellung und Mittel zur Selbstfindung betrachten. Eine Nebenbeschäftigung in der Freizeit ist das Laufen schon lange nicht mehr. Wer einmal einen Marathontrainingsplan durchgezogen hat, weiß, dass mind. 12 Wochen eine Beschäftigung Priorität eins hat. Es ist auch eine emotionale Beschäftigung mit sich selbst. Man hat auf den endlosen Runden im “Flow” ganz viel Zeit zum Nachdenken, bekommt ständig Gedankenanstöße einfach nur dadurch, dass man etwas auf der Strecke sieht. Und wenn nicht gerade das Todes-Tempointervall auf der Uhr angepiept wird, vollzieht das Hirn wahre Gedankensprünge. Es ist erwiesen, dass Ausdauersport die geistige Aktivtät anregt. Aber auch der physische Verfall wird durch regelmäßiges Laufen nachweislich gebremst. “Fit bleiben” klingt als höhere Motivation wenig konkret. Wenn ich aber schneller die U-Bahn-Treppen hochlaufe als die Rolltreppenbenutzer fahren, macht sich das Plus an Lebensqualität auch im Alltag bemerkbar. Allein das ist ein täglicher innerer Vorbeimarsch.

“Wenn du laufen willst, lauf eine Meile. Wenn du ein neues Leben kennenlernen willst, dann lauf Marathon.”

Wie der große Emil das gemeint haben könnte, muss wohl jeder selbst erfahren, der auf einen Marathon (oder gar einen Ultra) hintrainiert. Der Weg zum Marathon hält so viele schöne Momente bereit, die ohne das Laufen schwer vorstellbar sind. Da ist das Erkunden der Umgebung. Als überzeugter Innenstadtbewohner habe ich so die Umgebung von München step-by-step erlaufen und berauschende Strecken und Plätze gefunden. Da sind die Menschen, die ich auf dem Weg kennengelernt habe. Es sind nicht unbedingt Freundschaften für’s Leben, die da entstehen. Ob im Training oder bei Wettkämpfen, ich freue mich immer wieder über das Fachsimpeln, das gemeinsame Training und das gegenseitige Anspornen. Niemand aus dem Kreise macht das professionell, und doch ist Laufen für die meisten ebenso mehr als ein Hobby. Laufen verbindet. Und bringt uns dazu, auch mal verrückte Dinge zu tun. Und daran denke ich auch, wenn mir zum x-ten Mal auf der langen Wiesnrunde die Frage nach dem Warum aufkommt.

(c) Foto: TimekillerGestern gab es auch wieder so eine schöne Belohnung. Mit den Olympiabergziegen Lars-Peter, Timekiller Heimo, Hans-Martin und Steffen (beide erstmals dabei) ging es zum dritten Mal auf die Strecke Starnberg-München. Und obwohl das immerhin 30 Km sind, der Schneefall noch nicht aufgehört hatte, das Thermometer knapp über 0° anzeigte, wollte ich zu keinem Zeitpunkt auf der Couch oder im Bett sein. Am Ziel auf dem S-Bahnhof Starnberg Nord baten wir einen älteren Herrn, von uns ein Foto zu schießen. So ganz glauben konnte er nicht, dass wir aus München gelaufen sind. Nicht für jeden muss man die große Frage beantworten, was uns antreibt.

WAS TREIBT EUCH AN?

Von Henrik · 10. April 2012 · 5 Kommentare · Kategorien: Strecken, Trainingstagebuch

Im Dezember 2010 hatte ich schon mal einen Versuch gewagt und bin im Training einen Marathon gelaufen. Damals bin ich im Tiefschnee von Grünwald zum Flughafen gestapft, ein abenteuerliches Unterfangen. Gestern habe ich mich eher spontan aufgemacht und wollte einfach probieren, wie weit es geht. Über die Sinnhaftigkeit eines derart langen Laufs und den Erkenntnisgewinn daraus kann man sich streiten. Eigentlich habe ich im Sommer eher Kurzstrecken vor und für die sind 42,2 Kilometer im Wohlfühltempo eher kontraproduktiv. Das große Ziel im Herbst heißt aber wieder Berlin. Und für die Vorbereitung nehme ich vom gestrigen Lauf einiges mit:

  • Die richtige Energiezufuhr entscheidet mit über den Erfolg. Gestern hatte ich 3 Gels und ca. 750 ml Wasser im Trinkgürtel, was sich als viel zu wenig herausstellte. Nach 30 Km war die Verpflegung aufgebraucht und um überhaupt den Lauf zu schaffen, musste das Tempo runter und die eine oder andere Gehpause eingelegt werden.
  • Es ist eine wertvolle Erfahrung zu wissen, wie sich die Beine nach 40 Km anfühlen. Man muss sicher nicht die volle Distanz trainieren, um einen Marathon zu finishen. Vor Berlin im letzten Jahr habe ich es gerade mal auf einen 27 Km-Lauf gebracht. Aber spannend ist es, wenn der Körper langsam aber sicher in den Streik tritt und man vor allem mental dagegen ankämpfen muss.
  • Das Schuhwerk spielt eine wichtige Rolle und nach 30 Km fühlt sich so ziemlich jeder Schuh nicht mehr so an wie noch beim Loslaufen. Der Langzeitbelastungseffekt liefert Erkenntnis, welcher Typ von Schuh eher für den Wettkampf infrage kommt. Ich habe gestern die Kombination aus dem (neutralen) K-Swiss Kwicky Blade Run und supinierend wirkenden Einlagen probiert. Das hat richtig gut funktioniert.
  • Auch für einen Marathon ist die Streckenkenntnis wichtig. Du weißt genau, wo du bist, hast ein Gefühl für die verbleibende Strecke und kannst dich an eigenen Meilensteinen orientieren und motivieren. Von Garching bis Baierbrunn kenne ich an der Isar auf beiden Seiten bald jeden Stein. Das gibt ein sicheres Gefühl und verhindert Überraschungen. Und man weiß jederzeit, wie man alternativ nach Hause kommt.

Sicher, eine Pace von 6:17 min/Km mag gemütlich erscheinen, und Marek darf müde darüber lächeln. Aber das sollte sie auch sein. Hätte ich es schneller angegangen, wäre dieser Lauf definitiv früher zu Ende gewesen. Bis zum Beginn meiner Marathonvorbereitung ist es noch bis Juli hin. Bis dahin kommen noch ein paar Kurzstrecken, der SkyRun in Berlin und hoffentlich ein guter Halbmarathon.

Von Running Twin Marek · 22. März 2012 · 1 Kommentar · Kategorien: Ausrüstung, Planung, Trainingstagebuch

Der Post von Nadin kam mir heute ganz gelegen. Der Frühling ist zwar spürbar da und die Temperaturen steigen, aber so richtig will sich keine Frühjahrsmotivation bei mir einstellen. Das liegt zum einen daran, dass die abendlichen Runden im Dunkeln unter der Woche weiterhin Bestand haben. Leider wird es noch eine ganze Zeit dauern, bis auch abends nach Feierabend wieder im Hellen gelaufen werden kann. Der Tip mit den “neuen Wegen” ist sicher gut, aber das macht man doch lieber bei Tageslicht. Zum anderen ist es schon etwas demotivierend, wenn man Henriks schöne Schnappschüsse aus dem warmen Florida sieht. Nun ja, zumindest der Tip mit dem Setzen der Ziele ist für diese Saison schon längst umgesetzt: am 1. April steht ja schon der Berliner Halbmarathon an. Wenn das mit den Temperaturen so weiter geht, dann “befürchte” ich eine ähnliche warme Veranstaltung wie im letzten Jahr. Und danach sind es nur noch drei Wochen bis zum Spreewald. Jetzt heißt es also, die Form zu halten und nicht nachzulassen, damit die Tapering-Phase ja nicht zu spät anfängt :-) Vielleicht habt ihr ja noch einen guten Tip für mich, wie ich die Vorbereitung etwas variieren kann. Ein wenig im Kraftbereich hatte ich bereits am Wochenende getan: der neue Spielturm im Garten ist fast fertig. Und gestern habe ich zum ersten Mal in diesem Jahr die Five Fingers wieder ausgeführt: 11km in gediegenem Tempo durch die beiden Ostberliner Volksparks fühlten sich gut an. Die Waden haben es gut verkraftet. Das schreit nach mehr. Der Frühling kann kommen!

Von Henrik · 16. März 2010 · 1 Kommentar · Kategorien: News, Trainingstagebuch

schneematschLangsam reicht es wirklich. Im letzten Jahr schneite es so gut wie nie und man konnte den ganzen Winter bei halbwegs erträglichen Temperaturen draußen Sport treiben und in diesem Jahr das andere Extrem. Ich kann mich nicht erinnern, soviel Schnee und Eis in den heimischen Gefilden gesehen zu haben. Und ich werde die Jahre mitzählen, in denen man Schilangläufer im Park mitten in Berlin beobachten kann. Das neue Wnterschiresort mitten in der Hauptstadt. Die Romantik der ersten Schneeläufe ist schnell verflogen und auch optisch hatte ich mich schnell sattgesehen an dem Wetterspektakel. Nun scheint es endgültig aufwärts zu gehen mit der Außentemperatur und die morgendlichen Überraschungen (Hä? 15 cm Neuschnee?) bleiben uns dann hoffentlich für 10 Monate erspart. Meinen gestrigen Lauf im Schneematsch im Westpark habe ich trotzdem halbwegs genießen können. Ein kurzer Abstecher auf die Wiesn war auch noch drin, bevor der stärkere Regen einsetzte und der Wind die Motivation beiseite fegte. Bei 30° im Sommer werden wir uns die naßkalten Tage wieder herbeisehnen. Vielleicht auch nicht.

Von Henrik · 29. Oktober 2009 · 4 Kommentare · Kategorien: Laufen

MotivationIn den letzten Wochen konnte der geneigte Leser den Eindruck gewinnen, aus den Running Twins ist nur ein Running Twin geworden. Eines vorneweg: ist nicht so. Aber mit meiner Blogfaulheit ging auch eine Lauffaulheit einher, die ich bisher noch nicht so erlebt habe. Ja, es gibt nicht nur Erfolgsmeldungen am laufenden Band. Nach dem für mich katastrophalen Mercedes-Benz Halbmarathon in Berlin bin ich in ein echtes Tief gefallen, aus dem ich mich jetzt langsam herausarbeiten werde. Im gleichem Maße, wie Marek eine Bestzeit nach der nächsten hinlegte, legte ich eine Pause nach der nächsten ein. Gut, da war die latente Oberschenkelzerrung, da war viel Reisestress und und und… Aber das rechtfertigt keine achtwöchige Pause. Oder doch? Weiterlesen »

Von Running Twin Marek · 26. Februar 2009 · 2 Kommentare · Kategorien: News

Fieses Wetter!Ja, es kann keiner mehr hören und sehen, wann hat das ein Ende? Heute abend habe ich noch eine abendliche Runde eingelegt. Als ich vor die Tür trat, wollte ich schon wieder kehrt machen und hochgehen. Ich rang mich durch und joggte los. Leichter Nieselregen zu Beginn. Die ersten Kilometer hatte ich noch Spaß. Dann aber wurde der Regen stärker. Fieser Seitenwind kam auch noch dazu. Ich muss zugeben, Spaß hatte ich nicht mehr. Ich kämpfte mich durch und kam ziemlich nass zuhause an. Meine rechte Hand war dann eingefroren. Warum habe ich eigentlich keine Regenklamotten? So, genug gejammert und gemeckert. Der Frühling kommt ja bald!

Von Running Twin Marek · 25. November 2008 · 5 Kommentare · Kategorien: Trainingstagebuch

Ja, wer kennt es nicht. Irgendwie scheint gerade der Winteranfang dazu auserkoren, dass man schnell in ein kleines Motivationsloch fällt. Die Laufsaison mit den regelmäßigen Wettkämpfen ist vorbei, draußen wird es ungemütlich, spät hell und früh dunkel und schnell ist ein Vorwand gefunden, um dem Sport zumindest für kurze Zeit völlig zu entsagen. Zugegeben, es ist viel los momentan und wir haben einiges um die Ohren (wie war das nochmal mit Job und Familie :-)), aber – wie der Sportreporter sagen würde – ein nahes Ziel vor Augen täte dem Ansporn sicher gut. In der Planung ist bei mir ja schon länger der Plänterwaldlauf am 7. Dezember. Dort habe ich letztes Jahr auch teilgenommen und bin dort über die klassischen 10km erstmals unter 44min gelaufen. Viel Hoffnung auf eine gute Zeit mache ich mir ja für dieses Mal nicht, aber unter 45min sollte es schon werden. Bis dahin muss ich natürlich noch einiges machen. Motivationsvorschläge sind gerne willkommen!

Von Henrik · 28. Oktober 2008 · 4 Kommentare · Kategorien: Trainingstagebuch

Es musste auch unbedingt der Lauf am Müggelsee sein. Ich hatte schon vorher Beschwerden im rechten Fuß und in der Wade, aber welcher Läufer will das vor einem der Saisonhöhepunkte hören. Es kam, wie es kommen musste: nach dem Lauf ging mit dem Laufen so gut wie gar nichts mehr. Jetzt schone ich mich schon seit 9 Tagen und fühle mich immer noch nicht wieder 100%ig fit. Angenehmer Nebeneffekt: es bleibt viel Zeit zum Arbeiten. Spätestens am Wochenende geht es wieder auf die Piste. Aber es ist nicht nur der körperliche Zustand. Der Herbsteinbruch mitsamt Ekelwetter und Zeitumstellung ist ein wahrer Motivationskiller. An das Laufen in den Abendzeiten bin ich gewöhnt, aber zumindest möchte ich noch sehen, wo ich hintrete. Ich habe mir vorgenommen, an der Grundlagenausdauer zu arbeiten und die Pace zu reduzieren. Außerdem kaufe ich mir neue Schuhe und ein technisches Spielzeug mit GPS-Empfänger. Das sollte zur Motivation nach überstandener Verletzung ausreichen, oder?