von Running Twin Marek am 15. November 2014 · 1 Kommentar · Kategorien: Wettkampfbericht

141109_110142_PB7_1787Ich blicke zurück auf einen historischen Tag. Der vergangene IMG_2586Sonntag, der 09.11.2014, führte uns die Bedeutung der Geschehnisse vor 25 Jahren vor Augen und stand im Zeichen der Erinnerung an eines der freudigsten Ereignisse der Nachkriegszeit. Und Berlin wußte das Jubiläum zum Mauerfall angemessen zu würdigen: über 6000 Ballons wurden an der ehemaligen Mauer zu einer Lichtgrenze aufgestellt und am Abend in die Freiheit entlassen. Als ich gegen Mittag in Teltow im Zelt auf eine Siegerehrung wartete, spielte der DJ gerade ‘Wind of Change’ und mir wurde einmal mehr bewußt, dass erst die Ereignisse rund um den 09.11.1989 diese Szenerie an der Berlin-Brandenburger Grenze ermöglichten: der Teltowkanal-Halbmarathon wurde zum 11. Mal ausgetragen. Nachdem ich im letzten Jahr als Zuschauer das Geschehen verfolgen konnte, ging ich dieses Jahr als Aktiver auf die Halbmarathon-Distanz. Und der Ausflug sollte sich lohnen. Die Runde am Kanal ist 7,1km lang, wobei der Teil auf der Ostseite komplett asphaltiert ist (der Moderator sprach von “blühenden Landschaften” :-)) und der Teil auf der Westseite einige Single Trails aufweist, welche mit vielen Wurzeln gespickt sind. Die Stadtgrenze liegt genau hinter der Brücke, die über eine Treppe erklommen werden muss. Über 1600 Läufer gingen zeitgleich über 7,1km, 14,1kIMG_2570m 21,1km und einem Staffelwettbewerb ins Rennen – der Start, den ich mit Nadin absolviere, ist dementsprechend sehr gedrängt. Aber es zieht sich schnell auseinander und ich kann mich darauf konzentrieren, nicht zu schnell das Rennen anzugehen. Genaue Ambitionen habe ich nicht – Das gelingt diesmal besser als noch im Sommer in Hamburg. Die Wurzeln auf dem Rückweg sind allesamt toll markiert, so dass die Sturzgefahr minimal ist. Bei der Wende kurz nach Beginn der 2. Runde laufe ich Stephan hinterher, der zu dem Zeitpunkt aussteigt. Es dauert ein paar Sekunden, bis ich das realisiere und mich wieder auf den richtigen Weg begebe. Ganz kann ich das geplante Tempo dann nicht halten, zumal auf dem Rückweg in Runde 2 bereits die ersten 141109_113128kk1332Überrundungen anstehen. Aber die Walker sind allesamt sehr aufmerksam und machen problemlos Platz. Hier merke ich, dass ich noch Reserven habe. In Hamburg war ich zu dem Zeitpunkt bereits völlig am Ende der Kräfte. Nadin feuert mich hinter der Brücke an, in der Eile vergesse ich zu fragen, ob es für den Sieg im Sprint gereicht hat (es wurde der 3. Platz). Jetzt wird es schlagartig voller, aber auf der Ostseite ist reichlich Platz zum Überholen. Das ändert sich dann auf dem Rückweg. Hier muss ich ständig auf mich aufmerksam machen, um keineeiswuerfelimschuh-teltowkanal-halbmarathon-berlin-lauf-wettkampf-2014-25 Zeit zu verlieren. Bis auf wenige Ausnahmen geht es unerwartet gut. Eine Bestzeitenstrecke ist das wahrlich nicht, doch ich bin bis zum Ende konstant unterwegs – was geht also? Kurz vor dem Ziel renne ich fast die Fotografin um, weil mir beim Überholen die Strecke ausgeht. Tatsächlich stoppe ich die Uhr mit neuer Bestzeit. Immerhin 13s konnte ich gegenüber Hamburg abknipsen. Das ist nicht viel, aber für die Rahmenbedingungen an diesem 9. November bin ich sehr zufrieden. Eine insgesamt sehr gelungene Veranstaltung, bei der für mich besonders die hervorragende Moderation hervorsticht. Auch der letzte Läufer bekommt hier nach über 2,5h noch eine Würdigung beim Zieleinlauf. Das paßt perfekt zu diesem historischen Tag.

Chiemseeumrundung – 06Der Wecker klingelt um 06:00 Uhr, es beginnt ein hartes Ringen mit mir selbst. “Muss das wirklich sein?” – “Man kann auch mit einem Schiff den Chiemsee befahren.” – “100 Kilometer fahren für eine Laufrunde?” Letztendlich siegt die Neugier und kurz vor 7 biege ich auf die A8 Richtung Staatsgrenze. Allein die Fahrt ist schon abenteuerlich neblig, lediglich auf dem Irschenberg blitzt die Sonne und das Alpenpanorama auf – das wird toll! So denke ich jedenfalls für ein paar Minuten. Am Startpunkt beim Schiffsanleger Prien sieht es jedoch ernüchternd (neblig) aus, kein Wetter für Depressive! “Bestimmt kommt gleich die Sonne raus!” schreibe ich mir auf die imaginäre Motivationstafel und trabe los.

Chiemseeumrundung – 02Anspruchsvoll ist diese Runde nicht. Es gibt eine nennenswerte Steigung und sehr gut ausgelatschte Wald- und betonierte Radwege. Es braucht nicht unbedingt Trailschuhe. Aber genügend Wasser und Sportlernahrung sollte man im Rucksack haben, ich habe nur wenige Seecafés entdeckt, die noch geöffnet hatten. Hat man Prien erstmal verlassen, ist man schnell auf dem “Seeuferweg”, der sich (tatsächlich!) meistens am Seeufer entlangschlängelt. Bis Gstadt ist es unspektakulär, der Nebel auf dem See verhindert jeglichen Blick auf die Herreninsel, schade. Um es vorwegzunehmen, es wird auch nicht mehr spannender. Schön, dass auch auf dem Uferweg immer Ortseingangsschilder stehen. So kann man sich etwas orientieren. Über Gollenshausen geht es bis zur Halbmarathonmarke nach Seebruck, das die Nordspitze der Runde bildet. Chiemseeumrundung – 03Ich versuche zügig zu laufen, um vielleicht die 53 Km in 5 Stunden zu schaffen. Ich komme an ca. einer Million Bootsstegen vorbei. Für Freunde von Bildern “Wasser im Nebel” ein Fest. Ufernah laufe ich zum nächsten Meilenstein Chieming, das noch verschlafener daherkommt, als ich es erwartet habe. Immerhin Kilometer 28 klingelt auf der Ambit, die inzwischen nur noch wirre Autolaps ausspuckt: entweder ich laufe den Km in 5:15 oder 6:00 min. Der Nebel hat wahrscheinlich den GPS-Empfang ebenso demotiviert. Nun geht es ziemlich gerade nach Süden in Richtung Autobahn. Vorher ist noch die Mündung der Tiroler Achen zu überwinden. Ich bin ja sowas von vorbereitet und weiß, dass ich hier nicht am Ufer laufen kann. Der “Deich” beginnt ab Km 34 und zieht sich gefühlt unendlich bis zur Autobahn. Der erste Tiefpunkt ist da. Muss wohl so sein, wenn man ultra läuft! Die Autobahn ist zwar etwas beruhigend, aber die angeschlagenen “20 Km” bis Prien lassen mich doch sehr skeptisch werden.

Chiemseeumrundung – 04Ja, man sollte die Runde gegen den Uhrzeigersinn laufen, dann leidet man wenigstens auf dem schönen Uferweg. Hier führt ein Radweg direkt neben der Autobahn und als wenn das nicht fies genug ist, er steigt auch noch leicht an. Ich fluche zwar innerlich und lege eine Gehpause ein, aber komme bis zur Marathonmarke wieder in einen guten Rhythmus. Ein Stück geht es dann links von der A8 weiter, welch’ Abwechslung. Ich komme zu einem großen Gebäude, aus dem jede Menge Hundegebell ertönt. Die Pause kommt mir gerade recht und so sehe ich, dass ich vor dem Tierheim “Häuser der Hoffnung” stehe. Eine Mitarbeiterin kommt gleich raus und fragt mich, ob sie mir weiterhelfen kann. “Nein, bin gerade vorbeigelaufen und vom Hunbdegebell neugierig geworden”. Chiemseeumrundung – 05Ich schnappe mir die Broschüre und setze in Gedanken meinen Weg fort. Wie dich ein ganzes Rudel hoffnungsvoll angeschaut hat. In diesem Moment bekommt die Chiemseerunde einen Sinn. Wenn irgendwann wieder ein Hund bei uns einzieht, dann klingeln wir hier in Bernau. Die letzten 7 Kilometer gehen nun relativ gut vom Fuß. Der Radrundweg zieht eine lange 90°-Kurve und schnell bin ich auf der Straße nach Prien. Vorbei am Kletterwald und schon taucht der Riesenparkplatz des Schiffsanlegers auf. Ist da so etwas wie Endbeschleunigung? Heilfroh, dass ich es geschafft habe, suche ich einen Laden, wo ich mir eine Cola kaufen kann. Aber es hat nichts offen. Touristen rennen mich fast über den Haufen, weil gleich “das letzte Schiff” fährt. Und plötzlich bricht die Sonne durch. Gut, dass ich die Sonnenbrille auf dem Chiemseerundweg dabei hatte. Und gut, dass der Wecker heute Morgen so erbarmungslos war.

Link zum aufgezeichneten Lauf

Ausrüstung:

  • Mütze: Odlo Hat Polyknit Fan
  • Jacke: Gore Running Wear Essential Hoody
  • Langarmshirt: Nike dri-fit Longsleeve
  • Hose: Salomon S-lab Exo Short Tight
  • Socken: CEP Run Socks 2.0
  • Schuhe: Brooks PureGrit 3
  • Trinkrucksack: Salomon S-lab Advanced Skin 5
  • GPS-Uhr: Suunto Ambit 2S
  • Verpflegung: High5 EnergyGels + nu3 Energy Cakes

München-Tölz – 09Trainingswoche: eher mau. Wetter: sensationell, und das Anfang November! Also fasste ich am Samstagabend spontan den Entschluss, ein lang gehegtes Vorhaben umzusetzen. Zeit war genug, ich musste “nur” rechtzeitig loskommen. Das Vorhaben hieß “von München nach Bad Tölz entlang der Isar”. Die flüssige Oase fließt nämlich auf ihrem Weg von Tirol in die Donau auch durch das beschauliche Bad Tölz. Von München Solln bis Wolfratshausen (ca. 27 Km) kenne ich die Strecke samt ihrer Variationen ziemlich gut. Dann aber beginnt für mich neues Terrain. Am einfachsten folgt man dem Isarradweg, der natürlich nicht direkt am Isarufer entlangführt, aber unnötige Meter vermeidet.

München-Tölz – 11Auf Höhe der Großhesseloher Brücke bog ich auf den Weg neben dem Isarkanal. Bereits um 7:30 Uhr war es so sonnig, dass man selbst mit Sonnenbrille kaum den Weg erkennen konnte. Auf Handschuhe hatte ich verzichtet, was ich auf den ersten 10 Km bereute. Der Weg bis zur Grünwalder Brücke ist eher langweilig. Danach wird es etwas interessanter, schöne Waldwege führen rauf nach Klosterschäftlarn. Hier überquere ich die Isar und den Kanal, um auf der anderen Seite bis Wolfratshausen zu laufen. Ich treffe bis Aumühle nur wenige Läufer und Spaziergänger. Die 27 Km bis zur Isarbrücke Wolfratshausen verfliegen und ich überquere zum vorletzten Mal den Fluss, um auf der anderen Seite weiterzulaufen. Auf der geraden Strecke bis hierhin konnte ich um die 5:50 min/Km laufen, perfekt. Es wurde schließlich wärmer und zur Halbzeit sollte man noch frisch sein.

München-Tölz – 19Das Neuland beginnt mit schattigen Waldwegen, die mich schnell an das Flussbett bringen. Die Isar ist hier sehr schmal und schottrig, eben noch naturbelassen. Bis zum Radweg muss ich mich etwas hocharbeiten. Der führt relativ gerade durch den Wolfratshauser Forst. Ich kreuze eine Straße und folge den Radwegweisern, die zwischen 15 und 18 Km verbleibende Strecke bis nach Tölz anzeigen. Wie befürchtet wird es nun etwas welliger, im Wald folgt der eine oder andere Hügel, der wirklich nicht mehr sein muss. Der Radweg führt etwas zickzack, wäre der direkte Weg an der Isar doch besser gewesen? Es ist idyllisch wie im Auenland. Mountainbiker sind nur vereinzelt unterwegs. Die Marathonmarke fällt, als ich mich auf einer Straße wieder der Isar annähere. Ich stoße auf die viel befahrene Straße nach Tölz. Doch anstatt dem Radweg zu folgen, laufe ich direkt nach links in der Annahme, dass ich die restlichen Kilometer gut an der Straße laufen kann. Der Radweg führt aber -wie ich im Nachhinein festellte- ohne großen Umweg über das Hinterland. So laufe ich 2 Km auf der Grasnarbe, ehe mir das zu gefährlich wird. Eine Karte, die nicht mal die eigene Position darstellt (WO BIN ICH?), zeigt mir einen Nebenweg über die Dörfer an, auf den ich dankbar einbiege. In praller Sonne komme ich mir auf dem -natürlich- schön welligen Weg vor, als wäre gerade der Hochsommer ausgebrochen. Ein kleiner Junge ruft “Servus” vom Bauernhof rüber, das motiviert mich, das Ding jetzt zu Ende zu bringen. Zwischenzeitlich hatte ich so einige Gehpausen eingelegt. Und siehe da, plötzlich treffe ich wieder auf den Radweg. Zwei Kilometer sind nun noch entlang der Einfahrtsstraße zu laufen, die ich mit “Endbeschleunigung” absolviere (5:30 min/Km, wohlgemerkt). Der Akku ist alle, der Puls bewegt sich auf 1000m-Intervall-Niveau, und nach 50 Km halte ich endlich die Uhr an. -UFFFZ-.

Leider bin ich noch nicht ganz in Bad Tölz, so dass nach eine kurzen Stärkung noch mal 3,5 Km mit der Suche nach dem Bahnhof vergehen. Am Ende musste ich hart mit dem 6er-Schnitt ringen. Die pralle Sonne hat es mir zunehmend schwerer gemacht. Aber unter dem Strich ging es mir erstaunlich gut. Die maue Trainingswoche fand damit noch ein sehr versöhnliches Ende.

Link zum aufgezeichneten Lauf

Ausrüstung:

  • Tuch: Buff High UV Protection
  • Sonnenbrille: Carrera Sport
  • Schweißband: X-Bionic Wallabe
  • Langarmshirt: Under Armour Coldgear Infrared Longsleeve Tee
  • Hose: Salomon S-lab Exo Short Tight
  • Beinlinge: Salomon Exo Calves
  • Schuhe: Brooks PureGrit 3
  • Trinkrucksack: Salomon S-lab Advanced Skin 5
  • GPS-Uhr: Suunto Ambit 2S
  • Verpflegung: PowerBar Blends und nu3 Energy Cakes

BZM-2014Ich dachte ja im letzten Jahr schon, die Länge des Zeittunnels wäre nicht mehr zu überbieten. Weit gefehlt. Auch beim Zeitsprung 3.0, der in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Rahmen des 3. Bestzeitmarathons stattfand, habe ich einen ordentlichen Jetlag produziert. Zeitsprung? Zeittunnel? OK, alles der Reihe nach.

Bereits im Januar tagte die “BZM Groundcrew” -das Organisationskomitee bestehend aus Chief Balla, -timekiller- und mir- und legte sich fest: es wird einen dritten Bestzeitmarathon geben! Die zweite Auflage im letzten Jahr war ein voller Erfolg und den riesigen organisatorischen Aufwand hatten wir wohl über den Jahreswechsel verdrängt. Was dann folgte, hätten wir also eigentlich ahnen können. Viel Bürokratie und Vorbereitungsarbeit verbunden mit unserem Anspruch, den Bestzeitmarathon noch besser und professioneller zu machen. Bereits im tiefsten Winter liefen wir bei Minusgraden einsame Runden im Ostpark, um eine genehmigungsfähige Strecke zu finden. Ende Mai konnten wir die Anmeldung öffnen, die sich langsam aber stetig füllte. Eine Auflage war die Begrenzung der Teilnehmerzahl auf 100 Läufer. Der Bestzeitmarathon sollte auch nicht explodieren, also konnten wir mit dieser Zahl leben. Sportarena-300x171Zur Geburtsstunde im Jahr 2012 hätte wohl niemand von uns geahnt, dass wir überhaupt mal einhundert Verrückte zu dieser Tageszeit in einen dunklen Park im Münchner Osten bewegen können. Und unsere Fans ließen uns nicht im Stich. Bereits zwei Wochen vor dem Event war der 3. Bestzeitmarathon quasi ausgebucht. Das BZM-Mobil an der Strecke des München Marathons wurde offensichlich von vielen Läufern wahrgenommen. So gesehen war weitere PR in Form eines Interviews beim Lokalsender münchen.TV eigentlich nicht mehr nötig.

500 EUR Weltrekordprämie wurden auch in diesem Jahr wieder ausgelobt. Doch die Strecke, die von einer Teilnehmerin im Nachhinein als “Luis-Trenker-Gedächtnisstrecke” bezeichnet wurde, ließ keine Zeiten in Weltrekordnähe zu. Aber für uns vom Orgateam stand und steht nicht die sportliche Leistung der Teilnehmer im Vordergrund – nichtsdestotrotz zollen wir dieser höchsten Respekt. Die Teilnehmer sollen Spaß haben, an einer eher ungewöhnlichen Veranstaltung teilnehmen und die Idee des Zeittunnels weitertragen. Und es ist wieder gelungen. Der Bestzeitmarathon 2014 war ein Marathonfest. Wir haben viele stolzerfüllte Gesichter gesehen. So gab es Läufer, die ihren ersten (Halb-)marathon in der magischen Nacht gelaufen haben. Zwei Teilnehmer sind extra aus Frankreich angereist, um beim Bestzeitmarathon mitzulaufen. Da mussten wir als Groundcrew erstmal schlucken. Und alles daran setzen, die Erwartungen unserer Timejumper nicht zu enttäuschen. Erstmals hatten wir Rettungssanitäter vom ASB beauftragt. Wir hatten Dixi-WCs (mit Waschbecken!) am hell beleuchteten Theatron aufstellen lassen. Sogar eine Wertsachenabgabe haben unsere Helfer vom Verpflegungsstand spontan auf die Beine gestellt. Bereits am Freitag konnte sich jeder seine Startunterlagen im Run2 by Runners Point in München abholen und mit uns plaudern. Ein riesiger Zielbogen schmückte den Rundendurchlauf. Die Zeitnahme verfügte erstmals über vier statt zwei Lesegeräte. Die Aufzählung könnte noch sehr weit fortgesetzt werden. Es ist eine Abwägung, einerseits soll der Bestzeitmarathon eine familiäre Veranstaltung für Läufer bleiben, die das Ungewöhnliche mögen. Andererseits muss die Ausrüstung mit der steigenden Teilnehmerzahl Schritt halten. Das widerrum bringt höhere Kosten und damit eine höhere Startgebühr mit sich. Sollten wir ein 4. Zeitsprungexperiment wagen, werden wir uns die Entscheidung sicher wieder nicht leicht machen.

Der Jetlag, der noch bis zur Mitte der Woche reichte, war schnell vergessen. Irgendwie muss am Wochenende in der magischen Nacht etwas an der Uhr gedreht worden sein, so stark scheint der Zeittunnel gewesen zu sein.

Habt ihr etwas mitbekommen?

München Marathon 06Bianca stürzt peitschend voran durch das Marathontor. Sie gibt alles. Im kurzen Tunnel schallt „ein Hoch auf uns“ in der Dauerschleife aus den Lautsprechern, ein paar billige bunte Scheinwerfer versuchen so etwas wie Stimmung zu erzeugen. Welcher Marathonläufer hat dafür noch Nerven? Jedenfalls keiner, der um die wertvollen Sekunden kämpft und förmlich um sein Leben rennt. Wer dachte, es geht jetzt auf die Stadionbahn, irrt. Nur noch die Zielgerade besteht aus Tartan, der Rest der Runde ist Asphalt. Ich laufe möglichst weit innen, Bianca ermahnt mich, auf die Stelzen der Absperrgitter aufzupassen. Jeder Zentimeter zu viel ist zu viel, auch nach mehr als 42.000 Metern. Und dann sind wir plötzlich über die Zeitmatte. –ENDLICH- ist diese Quälerei vorbei. Stehenbleiben ist so ein wunderbares Gefühl.

Das Faszinierende am Marathonlaufen ist die groteske Widersprüchlichkeit zwischen der Erwartungshaltung vor dem Start und dem Empfinden in der Schlussphase des Laufs.

München Marathon 11Kilometer 37 auf der Ludwigstraße. Eigentlich sind es nur noch lächerliche 5.000 Meter bis zur Ziellinie. Aber jeder Marathonläufer weiß, dass diese verbleibende Strecke schier unendlich lang erscheinen kann. Die Beine kleben an der Straße, die Muskelatur in den Oberschenkeln signalisiert, dass sie im nächsten Moment verkrampfen wird. Längst beschränkt sich das Blickfeld auf maximal 5 Meter voraus. Zurufe von den Zuschauern prallen ohne Reaktion ab. Keine Kraft mehr, um die Zwischenzeiten abzulesen. Was soll man auch mit diesen Informationen noch anfangen? Der Körper ist im Überlebensmodus. Und immer wieder die Frage, warum macht man das nur? Es ist schon faszinierend, dass selbst in den furchtbarsten Momenten -und die kommen erst ab Km 30- nicht einmal der Gedanke ans Aufgeben hochkommt.

Das Verpflichtende am Marathonlaufen ist der Zieleinlauf, man tritt nur mit der Option an, den Lauf nach 42,2 Kilometern zu beenden.

München Marathon 13Vor dieser Schleife hatte ich mich gefürchtet. Hinter Km 32 geht es nochmal links ab auf eine Extrarunde vorbei am Königsplatz. Ein sehr schöner Platz, der den Kilometer 35 nicht verdient hat. Richtig wahrgenommen habe ich ihn leider nicht mehr. Es ging hier schon um das Gelingen von Plan C. Längst war der „Ofen aus“ und ich lief seit der Sendlinger Straße nur noch mit Restwärme. Gregor war verschwunden, warum war mir nicht klar. Deshalb hielt ich an den Verpflegungspunkten nun an und trank alles, was ich greifen konnte. In einem dieser Momente flog der 3:15h-Zeitläufer an mir vorbei. Ich wusste seit Km 30, dass es jederzeit passieren konnte. Die Pace lag nun bei ca. 4:45, Plan C war aktiviert und es waren alle Chancen da, den ins Ziel zu bringen. Also lieber ein wenig langsamer laufen und dann auch ankommen.

Das Wunderbare am Marathonlaufen ist, dass man viel Zeit hat, alle möglichen Optionen gefühlte einhundert Mal durchzuspielen.

München Marathon 02Das Ergebnis meines 1. München Marathons ist ja bekannt. Zum dritten Mal lief ich auf die 3:15h an, zum dritten Mal kräftig dran vorbei. Dabei lief es richtig gut los. Viereinhalb Minuten pro Kilometer waren angedacht bis Kilometer 15. Das klappte fast sekundengenau. Eigentlich ist der erste Teil eines Marathons regelrecht langweilig. Bei Km 17 verlässt die Meute den Englischen Garten und nimmt Kurs auf den Montgelaberg, der einzigen nennenswerten Steigung auf der Strecke des München Marathons. Es geht gute 500 Meter recht kräftig nach oben. Es wird gepumpt, niemand will auch nur eine Sekunde seiner Zeit hergeben. Ich überhole einige Läufer, die mich schon seit dem Start begleiten, ein Mann in silbergrauem Shirt mit blauem Cap, der stoisch die 4:30 min pro Kilometer hält. Er wird mir auf der Rosenheimer Straße enteilen. Und er wird auf den letzten Kilometern noch stärker als ich einbrechen, so dass ich ihn 1000 Meter vor dem Ziel tatsächlich noch überhole. Ein älterer Läufer mit orangen Kompressionssocken, der auf die Ludwigstraße gehen muss und der trotzdem lange vor mir im Ziel sein wird. Gregor fährt voraus und hält an, um mich zu knipsen. Es ist noch genug Luft zum Posen. Gleich kommt ja die Halbzeit.

Das Gemeine am Marathonlaufen ist, dass man auf der Hälfte der Strecke noch nicht weiß, wie das Ganze noch ausgehen wird, man hat eine Vorahnung, mehr nicht.

Eine fiese Passage ist die Strecke durch den Englischen Garten. Ich mag den „EnGa“ sowieso nicht sonderlich, dieser „Garten“ ist mir zu weitläufig, die Beleuchtung ist mau und die Wegführung verwirrend. Wer sich nicht auskennt, sollte nicht im Dunkeln da reinlaufen. Die Kilometer 5 bis 17 führen aber unweigerlich im Zickzack durch die riesige Anlage. Der Marathon unter Ausschluss der Öffentlichkeit – hier wird er Realität. An den schmalen Wegen finden sich an zwei Händen abzählbare Zuschauer ein. Der Weg ist schmal und Gregor muss vor den engen Kurven mehrmals zurückbleiben, um keine Läufer zu behindern. Immerhin ist es kein Schotterweg und die Bäume spenden noch Schatten. 10 Km laufe ich knapp unter 45 Minuten – perfekt. Eine Zeitmatte bei 15 Km gibt es nicht. Man muss hier halt durch.

Das Ironische am Marathonlaufen ist, dass die erste Hälfte regelrecht langweilig ist und man in Gedanken verfällt, während man später keinen klaren Gedanken mehr fassen kann.

München Marathon 01Um 9:55 Uhr klettern Georg und ich über das Gitter in den Startblock A. Wir sind euphorisch, es ist noch angenehm kühl, wir haben richtig gut trainiert in den letzten Wochen, eine Bestzeit nach der anderen eingesammelt. Was soll schon schiefgehen heute? Ich hatte mir die Marschtabelle zurechtgelegt (4:30 min/Km), hatte berücksichtigt, dass ein Marathonläufer immer einen Plan B (nahe 3:15h) in der Tasche haben muss. Deshalb habe ich gleich noch einen Plan C (Bestzeit) mitgenommen. Noch nie habe ich mich so gut gefühlt, noch nie habe ich das Trainingsprogramm ohne ein einziges Wehwehchen absolviert, noch nie habe ich so viele Trainingskilometer im avisierten Marathontempo gelaufen.

Das Ärgerliche am Marathonlaufen ist, dass gutes Training nur die notwendige, aber nicht die hinreichende Bedingung für einen Bestzeitlauf darstellt.

Zufrieden war ich unter dem Strich schon. Es war vielleicht mehr drin. Aber erfahrungsgemäß machen mir höhere Temperaturen zu schaffen und der Sonntag war ein überdurchschnittlich warmer Tag. 10 Grad weniger und… lassen wir das. Ich pirsche mich halt langsamer als geplant an die 3 Stunden heran. Vielleicht wird es schon im Winter eine weitere Gelegenheit geben. Und dann gelingt Plan A. Vielleicht.

München Marathon 19

von Running Twin Marek am 07. Oktober 2014 · 3 Kommentare · Kategorien: Ausrüstung, Strecken, Trainingstagebuch

20141005_101218
Die letzte Woche war richtig gut. Ich bin seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder 100km+ gelaufen. Man könnte meinen, der nächste Marathon wartet bereits. Aber dem ist nicht so. Henrik geht am Sonntag in München allein auf die Strecke. Und das ist auch gut so. 20141005_092820Ich würde bestimmt nach 30km die Segel streichen, zu mehr fehlen mir einfach die langen Läufe in den letzten Wochen und Monaten. Ich sehe das Ganze quasi schon als Grundlagentraining für 2015. Einen schnellen “Halben” wird es noch geben, sehr wahrscheinlich bei meiner Premiere am Teltowkanal Anfang November. Danach ist aber erstmal Schluß mit Tempomachen und es geht auf den Winter zu, der längere und vor allem langsamere Einheiten im Vordergrund haben wird. Ein wenig habe ich mich am vergangenen Sonntag darauf einstimmen können. 20141005_095739Über den Vormittag bin ich bei herrlichstem Sonnenschein meine Lieblingsstrecke gelaufen. Dabei habe ich schon mal bei den neuen Latschen von Salomon die Trailfestigkeit überprüft. Eine kleine Blase nach 31km sollte hoffentlich noch nichts darüber sagen, ob der Salomon S-Lab Sense Ultra auch für größere Abenteuer geeignet ist. Leicht und bequem ist er zu tragen und kein Vergleich zu meinen bisherigen “Brocken”, die ich von Salomon anhatte. Da es morgens um kurz nach 8 mit 6° noch empfindlich kühl war und ich nicht mit langem Shirt laufen wollte, entschied ich mich für das La Sportiva Kuma Shirt, das im Gegensatz zu vielen enger anliegenden Laufshirts nicht zu kurz ist und somit den unteren Rückenbereich trotz Trinkrucksack noch sehr gut bedeckt. Außerdem ist das Shirt einfach gut verarbeitet und nicht zu dünn. Eine perfekte Wahl, denn später wurde es doch einige Grad wärmer, die Herbstsonne zeigte sich von ihrer schönsten Seite! Nachdem ich am Donnerstag nach 27km stehend k.o. war und abbrechen mußte, hatte ich am Sonntag keinerlei Probleme und konnte über die gesamte Distanz das gleiche – wenn auch eher gemütliche – Tempo laufen. Auch meinem rechten Vorfuß scheint es immer besser zu gehen. Die Schmerzen, die ich seit April gerade nach der Belastung hatte, klingen immer mehr ab. Ein Segen, wenn man verletzungsfrei durch die Gegend rennen darf! Aber was soll ich viel erzählen, meistens sagen Bilder mehr als 1000 Worte. Kommt gut in den Herbst und genießt die Natur – die Trails warten auf uns!

Ausrüstung:
Mütze: Odlo
Shirt: La Sportiva Kuma
Trinkrucksack: Salomon Skin Pro 10+3
Socken: CEP Compression
Schuhe: Salomon S-Lab Sense Ultra 3
GPS-Uhr: Polar RCX5

(c) http://www.parkrun.org.ukVor einer Woche waren Lauffreund Jan und ich in Manchester bei einer Laufveranstaltung zu Gast, deren Konzept mich begeistert hat. Natürlich kam gleich die Frage auf, warum wir so etwas in Deutschland nicht hinkriegen. Die Park Run-Serie besteht aus 5 Km-Läufen, die jeden Samstagvormittag, i.d.R. um 09:00 Uhr in öffentlichen Parkanlagen stattfinden. Der Knüller ist: es gibt es eine Zeitmessung und die Teilnahme ist kostenfrei. Freiwillige Helfer kümmern sich um Streckenmarkierung, Einweisung und Zeitnahme. Wir haben am South Manchester Park Run teilgenommen, einer von aktuell 291(!) Events in UK und Irland. Vereinzelte Läufe gibt es zudem in Polen und Dänemark, sogar in Russland. In Deutschland leider nicht. Um bei einem Park Run mitzulaufen, muss man sich lediglich einmalig registrieren. Map Park RunsDabei druckt man sich einen Barcode aus, den man zu jedem Lauf mitnimmt. Im Ziel bekommt man ein Token, das auf die Sekunde die Zielzeit enthält, trägt den Token zur Zeitnahme, wo Token und der individuelle Barcode eingelesen werden. Das Ergebnis ist innerhalb weniger Stunden online zu sehen. Sogar eine ausführliche Ergebnis-Mail bekommt man. Das Konzept ist verblüffend einfach. Und wahrscheinlich auch deshalb so erfolgreich. Platt Fields Park ManchesterEs gibt kein Schnickschnack wie Zielverpflegung und Siegerehrung, auch Toiletten suchte ich im Parkgelände vergeblich. Vor dem Lauf gab es eine kurze Einweisung und die Ehrung der Jubiläumsteilnehmer (ab 50 Teilnahmen), die ein adidas Laufshirt in der passenden Farbe bekommen. Sogar ein Hund wurde geehrt, er bekam ein Halstuch mit einem Stern und der Nummer 50. Schon wetzte die Meute los um den kleinen See. Ich dachte ja wirklich, hier würden schon nicht so viele Leute zu der unchristlichen Zeit teilnehmen und ich könne vorne mitlaufen. Nix da, am Ende waren 407(!) Läuferinnen und Läufer auf der Runde und ich finishte als Gesamt-19 in persönlicher Bestzeit. So entspannt, wie die Meute angereist war, löste sie sich auch schnell wieder auf. Auf Wiedersehen in der nächsten Woche beim Park Run!

Tegernseelauf_4Heute: der Tegernsee. Nach der Umrundung des Achensees im Wettkampftempo vor zwei Wochen und der harten Regenschlacht am Königssee vor einer Woche stand nun heute der die dritte Seenumrundung im Rahmen des 13. Tegernseelaufs an. Ich konnte hier noch nicht teilnehmen. Als die Entscheidung für den München Marathon fiel, drängte sich der Tegernseelauf als Halbmarathon-Formtest auf, liegt er genau drei Wochen vor meinem Herbstmarathon. Die letzten Trainingswochen liefen rund und ich hatte ein richtig gutes Gefühl. Mit einem gesunden Selbsbewusstsein im Rucksack machte ich mich mit dem RUNNING Company Trupp auf den Weg zum schönen Tegernsee.

Tegernseelauf_1Der angekündigte Regen ließ auf sich warten, es war angenehm kühl. Perfektes Laufwetter! Wir waren zeitig am Tegernsee, um in aller Ruhe zu parken und noch einen Kaffee zu trinken. Der Startschuss fiel vier Minuten zu spät, um noch den Zug durchzulassen. Das ist vielleicht verwunderlich, aber der Tegernseelauf arbeitet hinsichtlich Logistik längst “auf Kante”. 5.000 Teilnehmer sind einfach irre viel für die Strecke und eine große Herausforderung für den Veranstalter.

(c) Josef Rüter

(c) Josef Rüter

Die ersten Kilometer von Gmund runter zur Gemeinde Tegernsee werden auf der Straße gelaufen. Hier geht es wellig zu, das Tempo findet man trotz einigen Hügeln ganz gut. Vorbei an der traditionellen Blaskapelle war das Feld sehr schnell auseinandergezogen. 5 Km in knapp 20:30 min, das war etwas zu schnell laut Planung. Beunruhigte mich aber gar nicht, denn die Tegernseerunde muss taktisch gelaufen werden. Wir liefen durch Rottach-Egern, wo es sogar einige Zuschauer gab. Der “wilde Eber” des Tegernseelaufs, das muss er gewesen sein. Ich zog mein Gel bereits nach Km 8 rein, lieber zu früh als zu spät. Wir waren schon auf der Ostseite des Sees, als es auf die Uferpfade ging. 10 Km zeigte die Uhr nach 41:20 min an. Die Beine wurden jetzt schon schwerer, aber ich fand eine kleine Gruppe, die das Tempo von guten 4:15 min/Km hielt. Über die Brücke flogen wir über die Weißach und dann runter nach Ringsee. In den Abwärtspassagen konnte ich überholen, aber bei den kleineren Anstiegen zogen die Herren wieder vorbei. Bis auf die dritte Frau, die wir bei Km 14 kassierten. Der Uferweg ist schmal, aber gut zu laufen und so langsam schielte ich schon nach den Kilometerschildern.

Tegernsee_Ulf_2Der Pace nach müsste es locker reichen, jetzt nur noch das Ding ins Ziel bringen. Die Tempohärte habe ich mir in den letzten Wochen doch geholt! Ab Km 16,5 beginnt hinter Bad Wiessee aber der fiese Teil der Runde. Gute zwei Kilometer heisst es nun hoch, nicht steil, aber halt schon eine gefühlte Ewigkeit. Zum Ende der Steigung konnte ich meine Gruppe abschütteln und lief den nachfolgenden Kilometer nochmal unter 4 Minuten. War es das? Oh nein, es geht nochmal hoch. Und genau deshalb hilft nicht so viel, auf dem ersten Teil Kraft zu sparen. Hier zerlegt es sowieso so manchen Läufer kurz vor dem Ziel. Der letzte Berg hätte echt nicht sein müssen und es blieben wieder so kostbare Sekunden liegen. Kilometer 21 führt dann wieder angenehm runter, Bremse los und ab ins Ziel. Hilfreich, dass man die Zieluhr bereits 500 Meter vor dem Ziel sieht. Die Bestzeit war im Sack und dazu endlich unter 90 Minuten. Freudetrunken (wobei ich mich eher nach innen freute) holte mir ein Bier und stellte mich 200 Meter vor die Ziellinie, um die Lauffreunde beim Einlaufen anzufeuern.

Tegernseelauf_3

Wir aßen noch ganz gemütlich Kaiserschmarrn in der Sonne, spannen Läufergarn und ließen einen tollen und erfolgreichen Tag am Tegernsee ausklingen. Auch der dritte umrundete See in drei Wochen war ein tolles Erlebnis.

von Running Twin Marek am 18. September 2014 · 7 Kommentare · Kategorien: Strecken, Wettkampfbericht

20140914_110237Versprochen ist versprochen und das wird nicht gebrochen! Die 2. Auflage des Trailrun Berlin wollte ich mir nicht entgehen lassen und so stand ich am Sonntag um Punkt 12 mit ca. 320 anderen Verrückten an der Startlinie am Fuße des Berliner Müggelturms. Am Morgen sah es noch nach einer Schlammschlacht aus, aber die Sonne zeigte sich gnädig und ließ spätsommerliche Temperaturen aufkommen. Die Woche war ereignisreich, ich war erst Samstag Abend aus Riga zurückgekommen, wo ich wir vor 2 Jahren eine schöne Runde im Skatepark drehen konnte. Mehr “Training” war partout nicht drin. Aber ich wollte trotzdem auf Angriff laufen. Bekannte Gesichter vor dem Start (Anna, Uwe, Heiko) verliehen dem Ganzen eine lockere Atmosphäre. Dann ging es auch schon ab. Der erste Kilometer ähnelt dem Köpenicker Altstadtlauf und kennt nur eine Richtung: nach oben. 20140912_184622Nach 500m begrub ich meine Hoffnungen auf einen vorderen Platz: eine Gruppe von 6-7 Jungs wetzte los, als wäre der Zielstrich schon in Sichtweite. Der Trail herunter lief aber recht flüssig. Dann kam das erste Highlight: die Treppe in Richtung Turm. Treppen? Kenne ich! Also nix wie los. Nur, die Stufen waren ordentlich hoch, Erinnerungen an den legendären Olympiaturmlauf kamen auf. Ich konnte nicht durchziehen – ein erster Dämpfer. Völlig k.o. und mit wackligen Beinen ging es wieder hinab. Uwe zog locker an mir vorbei, während ich verzweifelt versuchte, meine Schnappatmung irgendwie zu beruhigen. Es gelang nur mäßig – da wartete der nächste Anstieg. Und es ging nichts mehr. Mit letzter Kraft schleppte ich mich nach oben, dabei war es nicht mal besonders steil. Eine schöne sandige Passage sorgte anschließend für Abwechslung, die man zu dem Zeitpunkt so gar nicht brauchen konnte. Den nächsten Anstieg kannte ich – leider. Und der zog sich wie Kaugummi. Jetzt verließen mich die Kräfte und ich legte erstmal eine gepflegte Gehpause ein. Dass es 20140914_125823hart werden würde, war vorher schon abzusehen. Aber so heftig hatte ich es dann doch nicht erwartet. Gut zu sehen, dass ich nicht der einzige Depp war, der zu schnell losgelaufen war. Die anderen Läufer atmeten ähnlich schwer. Der letzte Anstieg kam aber erst noch: hochlaufen? Keine Chance. Warum sich hier gleich einige Zuschauer postierten, leuchtete mir ein: soviele Läufer kriegt man sonst nicht so lange zu sehen. Nach unendlichen Minuten kam ich oben an und ging gemächlich wieder in den Laufmodus über. Die Strecke herunter war identisch 20140914_125649mit Runde 1. Und da war ja noch was am Ende: die Treppe! Für die Zuschauer muss es elendig ausgesehen haben, wie wir uns dort noch ein zweites Mal hochschleppten. Alle feuerten uns an – die Stimmung war toll, auch wenn das Gehirn nur noch auf Durchzug schaltete. 50m später lief ich ins Ziel. Mit der Zeit von 45:47 war ich nicht zufrieden, Platz 12 am Ende geht aber völlig in Ordnung. Ich werde mich nochmal alleine an dem Trail versuchen, da geht definitiv noch mehr. Trail? Ja – dieses Profil hat den Namen verdient. Vielleicht eher “Sprint-Trail”. Da haben selbst starke Strassenläufer wenig auszurichten. Sicherlich war Henriks Runde um den Königssee eine ganz andere Nummer. Und wenn man das Ganze ein wenig langsamer angeht, dann läßt sich die Natur auch viel besser genießen. Danke an die Sportmacher für den Freistart und ein starkes trailiges Event!

Ausrüstung:
Shorts: Skins A200
Socken: CEP Compression Socks
Singlet: Under Armour
Schuhe: Puma Faas 300 TR
Uhr: Polar RCX5

Markierte Fotos – 18

Wer ein Trailrunner werden will

Der muss die Königsseerunde laufen. Unter den Szenekennern ist die ca. 36 Km lange Strecke um den Königssee im Nationalpark Berchtesgaden schon Kult. Als ich im letzten Jahr den Bericht der mutigen Truppe um Tom, Steve und Stefan in der RunnersWorld gelesen habe, war ich mir gleich sicher: das willst du auch. Auf unserer Zugspitzbesteigung vor vier Wochen haben Stefan und ich beschlossen, die Runde am Samstag anzugehen. Im letzten Jahr hatte ich mir das wohl noch nicht zugetraut, zu abschreckend wirkten die Berichte über brutale Steige und Downhills, die jeden kleinkriegen. Aber was schert mich das Geschwätz von gestern. Philipp Reiter hält einen unfassbaren Rekord auf dieser Runde von 4:17h. Wir wären schon froh gewesen, das in der doppelten Zeit zu schaffen. Zum Glück wusste ich nicht wirklich, worauf ich mich da eingelassen hatte, als wir um kurz nach 8 an der Jennerbahn auf die Runde gingen.

Wie heißt diese Steinwüste?

Markierte Fotos – 01Es regnete. So richtig störte uns das nicht, noch nicht. Schnörkellos liefen wir los, die Schilder wiesen auf die Königsbachalm hin, ein erster Meilenstein. Der Weg ging nach oben mit noch moderater Steigung, erst Straße, dann Forstweg, man sollte hier die Oberschenkel schonen angesichts dessen, was noch kommt. Laufend und walkend im Wechsel schraubten wir uns hoch von ca. 650 auf 1.300 Meter. Vorbei an der Priesbergalm, wo es endlich mal laufbare Trails gab, steuerten wir direkt in das Hochgschirr. Der Regen wurde immer mehr und mit jedem Meter, den wir nach oben kletterten, verließ mich die Motivation. Markierte Fotos – 05Ich hatte in Erinnerung, dass wir bis auf fast 2.000 Meter müssen, erst dann würde es runtergehen. Die Füße waren längst nass, unvermeidlich bei den Matschwegen. Die Salomon S-lab Sense erwiesen sich längst als Fehlgriff für diese Bedingungen. Durch Steinwüsten kraxelten wir hoch. Wohlgemerkt, Stefan vorneweg, dann wartend, fotografierend, ich nach einer endlichen Zeit wie ein Häufchen Elend hinterher. Handschuhe und Mütze waren durch. Wie lange dauerte das? 2 Stunden? 3 Stunden? Gefühlt unendlich. Dann kam so ein Gipfelkreuz und Stefan benannte den “höchsten Punkt der Runde”. Uffz. Zu sehen gab es außer Nebelwänden hier sowieso nichts. Also nichts wie runter.

Wir laufen mal ein Stück

Markierte Fotos – 19Es dauerte nicht lange und ich legte mich galant hin, irgendwann musste es passieren. Mund abputzen, weitermachen. Der Trail durch das Landtal ist sicher gut zu laufen, wenn, ja wenn dieser Regen nicht gewesen wäre. Wir mussten hier vorsichtig sein. Runter zum Obersee hörte dann der Regen endlich mal auf und ich fasste wieder Mut. Markierte Fotos – 15Abschnittsweise kamen wir jetzt richtig flott voran, wurden aber immer wieder durch Kletterpassagen und Sturzbäche ausgebremst. Der Obersee war richtig gut zu sehen und es klarte auf – hatten wir doch noch Glück heute? Der Röthbachfall ist ein beeindruckender Wasserfall, der sich in voller Schönheit präsentiert. WOW! Nun aber schnell weiter bis zum Ufer des Königssees, der sich vor uns in seiner Pracht zeigte. Vereinzelt kamen uns schon Wanderer entgegen, die von der Saletalm kamen. Bartholomä mit seiner kitschigen Kirche war bereits in Sicht. “Sieht ja nicht mehr weit aus!”

So etwas nennt man Viehtriebsteig?

Markierte Fotos – 09Am Ufer kann man am Königssee nun mal selten laufen, also steuerten wir links vorbei über eine matschige Wiese zu einem “Weg”, den aber nur Stefan als das erkannte. Es ging gleich wieder ordentlich nach oben, weg vom See. Unterwegs kamen sogar Stefan Zweifel, ob wir richtig sind. Es sind “nur” 300 Höhenmeter, die sich aber wie Kaugummi zogen. Man stößt dann auf einen Wanderweg, die Saugasse, die mit 30 Serpentinen runter zum See führt. Markierte Fotos – 11Gut zu laufen, endlich wieder einkuppeln und die Beine locker machen. In Bartholomä wurde der Regen nun wieder stärker und ich gab die Hoffnung auf, heute nochmal zu trocknen. Ich merkte bei einer Cola, dass ich meine Ambit2 nach 4,5 Km aus Versehen angehalten hatte und fragte Stefan, wieviel Strecke denn noch bis zum Ziel seien. “Zwei Drittel haben wir, vielleicht auch drei Viertel.” Die verwunderten Blicke der japanischen Touristen unter ihren Regenschirmen hatten wir sicher. Es war 13:30 Uhr, wir lagen erstaunlich gut in der Zeit.

Das Beste zum Schluss

Markierte Fotos – 12Natürlich ging jetzt nochmal die Post ab. Immerhin wurde ich wieder warm. Der letzte Abschnitt der Königsseerunde führt über den Rinkendlsteig nochmal auf 1.450 Meter. Hier ist es empfehlenswert, noch Reserven zu haben. Teilweise wird es abenteurlich steil und die Gedenktafeln für abgestürzte Wanderer wirken nicht gerade motivierend. Die Steige sind gesichert und die Gefahr, dass man sich beim Blick auf den See vertritt, war gering – man sah den See sowieso nicht. Ich ergab mich in mein Schicksal, was blieb auch anderes übrig, wollte ich die Runde unbedingt zu Ende bringen. Die Konzentration musste gehalten werden und abschnittsweise hat es sogar Spaß gemacht. Markierte Fotos – 22Unterwegs erzählte mir Stefan, dass der Steig auch “Scharfrichter” genannt wird. Warum, war nun kein Geheimnis mehr. Irgendwie habe ich inzwischen verdrängt, dass wir mindestens 90 Minuten da hoch brauchten. Eine brutale Passage, die Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und ein gutes Einschätzungsvermögen der eigenen Kräfte erfordert. Wer in Bartholomä völlig hinüber ist, sollte das Boot nehmen. Die Kührointalm ist der letzte Meilenstein, ab hier führen gut geschotterte Wege runter zur Rodelbahn am Königssee. Stefan schwebte hier runter, während ich meine Oberschenkel mehrmals bat, mir das alles irgendwann zu verzeihen.

Wer ein Trailrunner werden will

Der muss die Königsseerunde laufen. Aber nicht bei Regen. Die Runde ist einfach irre und bietet ein einzigartiges Naturerlebnis in der Bergen des kitschig schönen Berchtesgadener Landes. 50-60 Km in der Ebene sollte man ohne Probleme am Stück laufen können, bevor man sich an die königliche Runde wagt. Danke an meinen Leader Stefan, ohne den ich das Abenteuer nicht gewagt hätte. Wir machen das nochmal bei Bedingungen, die dem König der Trails angemessen sind. Bis dahin lecke ich die Wunden. Krasses Ding!

Ausrüstung:

  • Mütze: Odlo Cap Polyknit Fan
  • Handschuhe: Nike Stormfit
  • Jacke: Skinfit Pfafflar Hybrid Jacket
  • Hose: Salomon S-lab Exo Short Tight
  • Beinlinge: Salomon Exo Calves
  • Schuhe: Salomon S-lab Sense 3
  • Trinkrucksack: Salomon Advanced Skin 5
  • GPS-Uhr: Suunto Ambit 2S