Von Henrik am 23. Mai 2013 · 3 Kommentare · Kategorien: Ausrüstung

Puma Mobium Elite Runner #2Ist das Pumas letzte Hoffnung auf dem brutal umkämpften Markt für Laufschuhe? Anfang Februar hat uns Puma den Mobium Elite Runner ins Haus geschickt. Ein wenig verwundert haben wir uns schon die Augen gerieben – Puma hatten wir als ernstzunehmenden Laufschuhmacher gar nicht mehr auf dem Radar. Gelegentlich entdeckte man im Regal ein Modell aus der “Faas”-Reihe, das zwischen den B****s und A****s ein recht vereinsamtes Dasein fristete. Nun also zurück “zu den Grundlagen der Forschung über die Ergonomie im Fußbereich”. Im Umkehrschluss frage ich mich, auf welcher Grundlage denn bisher Laufschuhe hergestellt wurden.

Geliefert wird der Schuh im “clever little bag”, dem umweltschonenden Schuhkartonersatz. Das gefällt dem Läufer. Der Testschuh ist knallig grün, wirkt dynamisch und fällt im Laufschuheinerlei sicher auf, auch dank der reflektierenden Puma-Applikation. Das Obermaterial und die Zunge sind extrem dünn gehalten, bleibt der Fuß im Regen da trocken? Die Passform des Schuhs ist schmal, aber selbst für meinen relativ breiten Fuß findet sich angenehm viel Platz. Die Schnürsenkel sind weich und elastisch, man muss aber aufpassen, nicht zu fest zu schnüren. Ein paar Anläufe sind erforderlich, um die optimale Schnürfestigkeit zu finden. Auffällig ist die Sohlenkonstruktion. Zwei kreuzende, elastische Bänder -die Mobium-Bänder- bilden das Herzstück des Schuhs. Der Mittelfuß steht leicht erhöht. Für strenge Mittelfußläufer ist der Mobium deshalb weniger geeignet. Die Mobium-Bänder führen auch dazu, dass man den Eindruck hat, die Ferse sitze zu locker und man rutschte leicht raus. “Der Mobium Runner Elite passt sich an die individuelle Bewegung des Fußes an, der Läufer gewöhnt sich also nicht an den neuen Runningschuh, sondern der Schuh an den Läufer.” Das ist eine gute Idee, in der Praxis ist davon nicht wirklich etwas zu spüren. Das Laufgefühl auf Asphalt ist bequem, man hat immer das Gefühl, dass hier die Dämpfung ganze Arbeit verrichtet. Sobald es nass wird oder sogar noch Schnee liegt, ist die Griffigkeit des Mobiums nicht mehr zufriedenstellend. Auch für das Gelände wäre ich mit dem Schuh aufgrund seiner Sohle zurückhaltend. Für flotte Trainingsläufe bis Tempodauerläufe oder Wettkämpfe bis Halbmarathon unter trockenen Bedingungen habe ich keine Bedenken. Der Mobium ist ein bequemer, flippig aussehender Lightweight Trainingsschuh, der sehr gut verarbeitet ist. Uns hat das Testmodell überzeugt. Wir hoffen für Puma, dass mit dem Mobium der Erfolg im Laufschuhsegment zurückkehrt. Konkurrenz belebt ja das Geschäft und wir halten die Daumen!

Die Testmodelle wurden direkt von Puma zur Verfügung gestellt, vielen Dank dafür!

Von Henrik am 22. Mai 2013 · 4 Kommentare · Kategorien: Ausrüstung

MizunoWaveEvo_7Ein Schuh, auf den ich mich besonders gefreut habe. Man nehme den Evo Cursoris in die Hand und liebe ihn. Das Gewicht verblüfft, ist der Schuh gerade etwas mehr als 200 Gramm leicht. Nun ist das Gewicht für uns ambitionierte Freizeitsportler nicht wirklich ein wichtiges Kriterium. Sowieso halte ich die Unterscheidung in Wettkampf- und Trainingsschuhe für vernachlässigbar. Ich finde, das Modell ist sowohl für (Asphalt)training als auch für Wettkämpfe bis 10 Km sehr gut geeignet. Das Interessante an dem Schuh ist das ausladende Fußbett für den Vorfuß. Hier ist mächtig Platz zum Ausbreiten. Die Leichtgewichte sind sonst eher schmal und knackig geschnitten, vergleiche z.B. Adidas Adizero Tempo. Meinem Fuß passt das sehr gut. Das Laufgefühl ist sehr angenehm, der Fuß rutscht nicht, hat aber aufgrund der Flexibilität des Schuhs ausreichend Bewegungsfreiheit. Da sich Mizunos Wave-Technologie und die Dämpfung auf den Vorfuß konzentrieren, sei der Schuh für Vorfuß- und Mittelfußläufer geeignet. Nun bin ich noch lange nicht soweit, nur auf dem Vorfuß zu laufen. Bisher hat sich mein Fuß nicht darüber beschwert. Hier würde ich hinter diese Empfehlung des Herstellers mit Bleistift ein Fragezeichen setzen. Die Sprengung des Schuhs beträgt null. Damit findet man den Evo Cursoris im Laufladen des Vertrauens wohl im Minimalschuh-Regal. Es versteht sich fast von selbst, dass das ein Neutralschuh ist. Fazit nach etwas mehr als 100 Km mit dem Evo Cursoris: für kürzere Trainings oder gar für Bahntrainings greife ich gerne zum orangefarbenen Leichtgewicht. Bei der jüngsten Bestzeit hatte ich den Evo Cursoris ebenso am Fuß.

Vielen Dank an die Jungs vom Brügelmann Shop für die Teststellung, hat sich gelohnt! Den Evo Cursoris gibt es neben vielen Artikeln rund um’s Fahrrad direkt hier in allen Größen.

Von Henrik am 20. Mai 2013 · 3 Kommentare · Kategorien: Ausrüstung

FFKSLS_7Nach der hohen Schlagzahl der letzten Wochen widmen wir uns mal wieder dem fröhlichen Testen. Und weil sich doch eine ganze Menge Ausrüstung angesammelt hat -ich verstehe nicht, wieso die Schuhboxen regelmäßig überLAUFEN-, schreiben wir unsere Eindrücke in dieser Woche auf. Eröffnet sei die Schuhtestwoche!

Den Anfang macht ein Klassiker aus der Minimalschuhkollektion. Seit Anfang 2012 stehen die Vibram FiveFingers Komodo Sport LS (jetzt: KMD Sport LS) im Schrank und haben 250 Km auf dem Tacho. Das ist für einen Barfußschuh nicht wenig. Von meinen 5 Paar FiveFingers sind die KMD Sport LS erste Wahl zum Laufen. Zum einen, weil das mit Abstand der bequemste Schuh ist. Die Passform ist super, das nahtlose Fußbett hinterlässt einen anschmiegsamen Eindruck. Noch nie habe ich mir in diesem Schuh eine Blase gelaufen. Sind die Schuhe eingelaufen, schlüpft man in wenigen Sekunden in die Zehen rein. Die Schnellschnürung (“LS”) rundet das flotte Anziehen ab – praktisch. Die Sohle ist sowohl auf Asphalt als auch im Gelände sehr griffig. Das typische Barfußlaufgefühl ist beim KMD Sport LS natürlich inklusive. Ich habe den Schuh auch im tiefsten Winter für regenerative Montagsläufe genutzt, der längste über 16 Km. Vor allem im Schnee machen die FiveFingers einfach Spaß. Zehensocken braucht man nicht, die würde ich nur empfehlen, wenn man längere Zeit stehend bei Temperaturen unter 10 Grad verbringt. Allerdings: ohne Socken riechen sie nach dem Laufen ziemlich penetrant. Eine Entschuldigung an unsere Nachbarn sei an dieser Stelle ausgesprochen (ich stelle sie immer vor die Tür). Wie halten sich die FiveFingers nach 16 Monaten im Einsatz? Der Abrieb unter der Sohle hält sich in Grenzen, die Sohle hält, was eine Vibram verspricht. Auch ansonsten ist der Zustand der Schuhe tadellos: keine Einrisse und die Schnürung sitzt so knackig wie am ersten Tag. Im Feinwaschgang bei 30 Grad gewaschen sehen die Schuhe wieder wie neu aus. Ich bin optimistisch, dass die Komodo Sport LS auch noch den 500. Kilometer laufend sehen werden. Vielleicht schaffe ich es ja in dieser Saison, endlich mal einen Wettkampf damit zu bestreiten. Und dann fällt die Wahl gesichert auf den Komodo Sport LS.

Von Henrik am 13. Mai 2013 · 19 Kommentare · Kategorien: Wettkampfbericht

R&B100_11Wir kamen an.

Ich dachte ja schon, auf meinem fast 5 Stunden andauernden Kampf beim Transgrancanaria sei genug Action für drei Wettkämpfe gewesen. Aber was uns gestern auf 100 Km Laufstrecke erwartete, sprengte unser beider Vorstellungsvermögen – zum Glück! Klar, ein bisserl Rumspinnen im Vorfeld hinsichtlich der möglichen Zielzeit gehört dazu. Der Zwillingsfaktor würde zudem auf einem derart dicken Brett nicht unbedeutend werden. Trotzdem rückten wir als naive Debütanten in Neuzelle an. Respekt vor der Strecke und allen Teilnehmern, die den Ritt wagten: hatten wir. Zweifel oder gar Angst zu scheitern: hatten wir nicht. Dabei machten wir im Vorfeld wohl vieles falsch, was man falsch machen konnte. Kaum Ruhe am Freitag, stattdessen Garteneinsatz. Als Ausrüstung musste Mareks Mountainbike mit zwei Flaschenhaltern und dem Lenkertäschchen vom Kinderfahrrad reichen, dazu eine(!) Stirnlampe und das Rad-Navi. Regen war keiner vorhergesagt, also kurze Laufsachen. Eine Renntaktik, die diesen Namen nicht verdiente, entwarfen wir auf dem Hinweg. Als Verpflegung mussten 15 Powerbargels herhalten, die wir kurz vor Ladenschluss im Karstadt Sport einsackten. R&B100_14Schon beim Checkin im Klosterhof Neuzelle staunten wir Bauklötzer, als uns Routinier Adolf berichtete, die Favoriten von der Werkfeuerwehr wechselten alle 500 Meter. Mountainbikes sahen wir nicht wirklich viele unter den 44 gemeldeten Teams, stattdessen Damenräder mit Körbchen und wahren Lichtorgeln. Auch die kurzen Sachen erschienen uns in der kühlen Abendluft mindestens zweifelhaft. Schnell noch die Segeljacke von Henrik übergeworfen! An Schlaf im Auto war nicht mehr zu denken, zu groß war die Aufregung. Ich sollte anlaufen, die Radler samt Marek starteten nach dem Läuferfeld. Im Läuferpulk gab ich noch schlaue Weisheiten (“Material allein gewinnt nicht”) von mir, die Glocken schlugen Mitternacht an und plötzlich machte die Frau von der Sparkasse *TRÖOÖÖÖÖÖÖÖT*.

R&B100_17Ich lief der Startnummer 1 hinterher und der hatte einen Affenzahn drauf. Nach 300 Metern hatte er seinen Radler neben sich, nach 500 Metern wechselten sie zum ersten Mal – alles in einem unglaublichen Tempo. Platz 2 und 3 kassierte ich noch in der ersten Kurve. Marek würde ja gleich da sein. Das Führungsfahrzeug entfernte sich langsam, aber stetig. Zu Platz 3 hatte ich eine Lücke von ca. 20 Metern gelaufen. Die späteren Sieger “Alles Müller oder was?” in der Mixed-Wertung hatten sich gefunden und Sohnemann wechselte auf Ultra-Mutti. Nur wo war Marek? Nach ca. 4 Km vermisste ich ihn doch dringlichst. R&B100_15Ein Geistesblitz traf mich. Ich rief einer Zuschauergruppe zu, dass “Nummer 8 durch ist”. Ich hatte nicht mal eine Lampe dabei und bekam außerhalb des beleuchteten Teils von Neuzelle schnell Sichtschwierigkeiten. Und endlich, nach dem ersten knackigen Berg holte mich ein japsender Radler ein: mein Zwillingsbruder! Er hatte die Gruppe um Platz 3 für die Führungsgruppe gehalten und zwei Mal das gesamte Feld vorbeiziehen lassen. Endlich konnten wir wechseln und durchatmen. Wohlgemerkt immer noch im Tempo von ~4 min/Km. Ich hörte sicher nett gemeinte Flüche wie “Spinnst du?” oder “DAS TEMPO WIRD UNS UMBRINGEN!” und nahm ein paar Schluck aus der Trinkflasche. Einerseits war es eine Spur größenwahnsinnig, so in ein 100 Km-Rennen zu gehen. Andererseits bin ich mir sicher, dass es Marek nicht wesentlich anders gemacht hätte. Und in der Stimmungslage nahmen die Running Twins Fahrt auf. Was für ein Auftakt!

IMAG0238Wir hatten noch keinen Rhythmus gefunden und liefen viel zu lange Abschnitte ohne Wechsel. Den Abbiegehinweis auf der ausgezeichnet beschilderten Strecke auf der Bundesstraße erblickte Marek noch gerade rechtzeitig. Das war knapp! Jetzt ging es in einen Wald mit einem Hochgras-Weg. Marek lief diesen Teil durch und ich folgte mit Respektabstand in höchster Konzentration. Gleich müsste die Oder erreicht sein und damit auch der erste Checkpoint. Hier ließ Marek als Radler eine Flasche auffüllen. Leider stellten sich die Mädels ziemlich doof an, denn es gab nur Becher. Eine gute Minute hatte Marek beim Stempeln und Nachladen verbracht. Und dann bogen wir links ab auf den Oderradweg. Jetzt wurde es dunkel und zwei Lampen folgten uns unverändert mit einem Rückstand von gefühlten 100 Metern.

RB100_12Es “rollte” und wir hatten nun Zeit, uns auf einen effektiveren Rhythmus einzustellen. Eine Weile tauschten wir auch die Jacke (Modell “Granville” von Gaastra, alles andere als eine Laufjacke) bei jedem Wechsel, um den Radler warmzuhalten. Ich mag mir nicht ausmalen, was passiert wäre, hätten wir die Jacke nicht mitgenommen. Die Tempoangabe schwankte schon lange lediglich zwischen 4:06 und 4:08 je Km. Es rollte jetzt. Wir waren leicht genervt vom Veranstalter-Golf, der regelmäßig durch das gesamte Feld fuhr und zwei kommunikationsarme Herren beherbergte, die auch aufpassten, dass der Radler nicht überholte. So vermuteten wir jedenfalls. Nur ist der Radweg eben nicht für Autos gemacht und die Überholvorgänge störten, weil man arg am Rand laufen musste. Die Kilometer flogen förmlich vorbei und ich entschied, jetzt öfter zu wechseln, um Kräfte zu sparen. Auch wenn Marek damit nicht ganz einverstanden war. Und so fragten wir uns mehrmals, ob diese Harakiri-Taktik wirklich aufgehen könnte. Der Verpflegungspunkt bei Km 31 näherte sich. Gelegentlich schauten wir uns um, kamen aber schnell zu dem Schluss, dass wir uns nicht jagen lassen sollten. “Einholen ist das eine, Überholen das andere.” Ein richtig schöner Floskelaustausch entwickelt sich mit der Zeit. Dachs und Reh kreuzten unseren Weg durch die Nacht. In der Ferne sahen wir das hell beleuchtete Stahlwerk Eisenhüttenstadt. Der Verpflegungspunkt bei Km 31 übernahm ich, die Abstandsangaben zu den Führenden schwankten zwischen 4 und 10 Minuten. Aber eigentlich holten wir die nur zum Spaß ein. Zu keinem Zeitpunkt verschwendeten wir einen Gedanken daran, das aufholen zu wollen/zu können.

IMAG0239_BURST002_COVERMarathon in 2:53h! Auf der schmucklosen Passage Richtung Wiesenau entschied sich -im Nachhinein betrachtet- das Rennen. Unsere Verfolger kamen näher, aber zu keinem Zeitpunkt in Schlagdistanz. Fackeln am Straßenrand sorgten für Atmosphäre, tolle Idee! Wir hielten das Tempo. Nur mein Magen meldete langsam aber zunehmend Gel-Overflow. Mir fehlen an das Stück bis zum 53er Checkpoint irgendwie sämtliche Erinnerungen. Nur dass ich was von #rodgau50 faselte. Waren wir im Flow? Oder so in Gedanken? Konditionell und muskulär ging es uns sehr gut. Nur mein Magen… Die Feuerwache in Wiesenau bildete den Wendepunkt einer Pendelstrecke von ca. 200 Metern. Marek füllte warmen Tee auf und ich hüpfte mit der abgestempelten Karte über eine Parkbank. Von Platz 3 war nichts zu sehen. Das stimmte mich positiv, aber es waren noch 47 Km zu laufen! Es folgte eine Hauptstraße mit ordentlich LKW-Verkehr. Marek brauchte ein paar Minuten, um mich einzuholen. Zum letzten Mal führte uns die Strecke nun Richtung Norden. Und schon folgte in Brieskow-Finkenherd die Bitte, nach links abzubiegen in den Wald. Verlaufen konnte man sich bei der glänzenden Organisation nicht. Wir ahnten, dass der nun vor uns liegende zweite Teil anspruchsvoller werden würde.

R&B100_03Auf diesem Abschnitt geriet unser Vorhaben zum zweiten Mal nach dem Fauxpas beim Start ernsthaft in Gefahr. Die Waldwege bestanden aus reichlich Sand. Ich lief gerade, als ich Marek im Brandenburger Treibsand verlor. Als Strongman-Erfahrenen störte mich der Sand nicht so, aber das Bike blieb halt stecken. Aus der Ferne vernahm ich wilde Flüche. Aber was sollte schon passieren? Bestimmt endet die Passage bald und dann fährt Marek schon wieder ran. Nur: es zog sich wie Kaugummi und ich musste Tempo rausnehmen. Ich dachte kurz daran zu warten. Die Laufpassagen strengten jetzt richtig an und ich war seit Km 50 immer froh, sobald Marek auffuhr und das Kommando zum Wechseln gab. Das lief reibungslos, nicht einmal entglitt uns das Fahrrad beim Wechseln. Wir waren erstaunt, dass kaum Zeit beim Wechseln verloren geht und wie schnell man sich auf dem Rad erholen konnte. Als ich den Wald nach den paar Kilometern verließ und den Asphalt unter meinen Füßen spürte, war mir klar: wenn Marek gleich ranrollt, haben wir einen kritischen Punkt überstanden. Er kam etwas fertig ran, berichtete mir von den grauenhaften Bedingungen und ich schaltete die Stirnlampe aus. Denn es wurde H-E-L-L!

StreckeDie aufgehende Sonne konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Kampf längst begonnen hatte. Der Radweg an der Bundesstraße wurde nun zunehmend hügelig. Lieber zuviel wechseln als zuwenig! Zudem wurde mein Magenproblem nun akut. Im Nachhinein betrachtet mag das lustig erscheinen: Henrik legt das Bike ab, springt in den Graben und legt eine Jan Fitschen-Gedächtnispause ein. Und ich wage zu behaupten, dass ich schneller war! Jedenfalls hatte ich Marek rasant wieder eingeholt. Nach der Wald-Sand-Passage hatte sich unser Durchschnittstempo auf ca. 4:13 min/Km reduziert. Keine Chance mehr zuzulegen. Und warum vergingen die Kilometer auf der Uhr immer langsamer? Der Checkpoint Km 70 war nicht mehr weit, trotzdem kamen uns die Kilometer bis dahin wie eine Ewigkeit vor. Die Kommunikation beschränkte sich auf das Allernötigste. Wir haderten beide damit, dass es schon so weh tat, litten wir jetzt ganz klar unter dem Wahnsinnstempo auf der ersten Hälfte. Auf einem Rastplatz im Wald bog ich ab zum Verpflegungspunkt. Die Trinkflaschen waren leer. Wieder die Posse mit den Bechern. Ich schnappte mir eine Banane und heizte Marek hinterher. Die Abfahrt war brutal für mich, ich fror bitterlich. Aber es war immer wieder beruhigend, die Lücke zu schließen und das Team vereint zu haben. Zu keinem Zeitpunkt zweifelte ich mehr daran, dass wir ankommen würden. Noch 15 Km für jeden von uns – klang gar nicht mehr so viel. War es aber, vor allem, weil mein Magen inzwischen sämtliche Nahrung direkt durchleitete.

R&B100_16Irgendwo zwischen Km 71 und 75 folgte also der “Fitschen Reloaded”, nur ohne Dixiklo. Mir ging es dann deutlich besser. Jetzt hieß es durchhalten bis zum letzten Meilenstein auf dem 90. Kilometer. Marek beschwerte sich lautstark darüber, dass ich immer auf ein kleineres Blatt schaltete. Mit den kaputten Oberschenkeln wurde es auch für den Radler immer schwieriger, zumal es jetzt fast ausschließlich bergauf ging. Wir hatten noch beide Forerunner am Leben, die uns über Strecke und Pace Auskunft gaben. Und klebten am Display. Lasen uns Kilometer für Kilometer vor. Die Stimmungslage in dieser Phase ist schwer zu beschreiben. Unser Zeitgefühl war spätestens nach Sonnenaufgang verlorengegangen. Irgendwo zwischen “nur noch irgendwie zu Ende laufen” und blanker Ungläubigkeit über den Rennverlauf müssen wir uns befunden haben. Laufen, Wechseln, Radeln, Jammern, Trinken… es war viel zu tun! Eine Restangst war noch da, dass Platz 3 aufschließt. Wir hätten unmöglich nochmal zulegen können. Aber ich war innerlich schon ruhiger und sagte mehrmals zu Marek “da kommt nichts mehr von hinten”. Die Wahl des Mountainbikes erschien uns jetzt als goldrichtig. Müdigkeit verspürten wir beide nicht. Die Beine waren hinüber, aber das Problem hatten wir sicher nicht exklusiv.

R&B100_04Km 80 stellte sich nach langem Überreden endlich ein. Schlappe zehn Kilometer für jeden noch zu laufen. Es schmerzte jetzt bei jedem Anlaufen und man konnte immer ein Stöhnen vernehmen. Trotzdem wechselten wir inzwischen alle 200 bis 300 Meter, vor Hügeln auch mal nach 100 Metern. Das Teamwork funktionierte und wir arbeiteten unermüdlich für den anderen. Für sich allein, wir wären längst stehengeblieben. Jetzt noch das Ding aus der Hand geben? Klare Gedanken fassten wir nicht mehr viele, jeder Atemzug wurde in die Fortbewegung gepumpt. Aber mit jedem Schritt und mit jedem Tritt glaubte ich mehr daran, dass unsere Harakiri-Taktik aufgehen wird. In der Phase gelangen mir ein paar Bilder mit dem Telefon. Trainer lehren ja, in solchen Phasen in kurzen Meilensteinen zu denken. Der nächste Meilenstein war also der Wechsel aufs Rad. Ich brüllte irgendwas in die Landschaft. Aber außer den Vögeln hörte uns niemand zu. Mehrmals dachten wir beide an Gehpausen. Und immer wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt so ein Verpflegungspunkt daher. Kurz vor dem bei Km 90 fragte uns der Mann im Golf, welche Startnummer wir hätten. Uns hatte hier wohl niemand auf der Rechnung!? Wir selbst hatten das übrigens auch nicht. Ich frage die Mädels am Checkpoint sicherheitshalber, ob wir wirklich auf Position 2 lägen und twitterte das auf dem iPhone. Zu unserer Überraschung folgte nun ein Abschnitt mit Kopfsteinpflaster, der es in sich hatte. Kaum Möglichkeiten, am Rand zu fahren. Das Rad wackelte wie blöd und schüttelte den Radler durch. Zum Ende folgte also noch eine echte Geduldsprüfung. Als ob es davon nicht genug gegegen hätte. Denn diese Steine wollten kein Ende nehmen. Immer wieder hängte der Läufer den Radler unfreiwillig ab. Mein Forerunner war nun leer. “Hast du das Schild gesehen?” fragte ich Marek. Und ich meinte das 95 Km-Schild.

R&B100_07Die letzte Luft kam nun bei uns an. Sie hatte sich auch sehr lange bitten lassen. Wir sahen die ersten Häuser und vereinzelt sogar applaudierende Menschen. Neuzelle war erreicht. Marek fragte mehrmals, wie weit es noch sei, während ich Ausschau nach dem Glockenturm des Klosters hielt. Wir waren völlig leer. Die Schritte wirkten fremdgesteuert. Es ging kräftig bergab und ich erblickte den Turm. Ich habe mich noch nie über den Anblick eines Kirchturms so gefreut. Wir wechselten ein letztes Mal. Ich traute mir jetzt zu, zu Ende zu laufen. Wir sahen unser Auto und Marek realisierte erst in diesem Moment, dass wir kurz vor dem Ziel sind. Ich packte ihn am Arm, weiß aber nicht mehr, was ich gesagt habe. Hand in Hand runbiketen wir die Zielgerade hoch. Der Sprecher begrüßte uns und wir müssen etwas ungläubig vor dem Tor gestanden haben. Jetzt fiel alles ab und die Erleichterung brach sich Bahn. Das sind die Momente, für die wir laufen. Die beiden Sieger gratulierten gleich – echte Sportsmänner. Sie hatten das Ziel bereits 25 Minuten vor uns erreicht. Doch für uns war das in diesem Moment nicht relevant. Wir konnten unser Glück und unsere Leistung noch nicht fassen. Harakiri beim Debüt.

So endete in der Morgensonne eine unglaublich lange, harte, intensive und wunderschöne Nacht.

Run & Bike Neuzelle – Zieleinlauf

Run & Bike Neuzelle – Zieleinlauf

Run & Bike Neuzelle - vor Siegerehrung

Die Märkische Oderzeitung schreibt über den Run & Bike: http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/eisenhuettenstadt/artikel0/dg/0/1/1147471/

Bericht von den Laufpiraten im Runnersworld-Forum: http://forum.runnersworld.de/forum/blogs/power-runner/4406-100-km-run-bike.html

Urkunde

Von Henrik am 08. Mai 2013 · 6 Kommentare · Kategorien: Planung, Strecken

run&bikeWir kommen. Einige Tage stand unser Start beim Run & Bike Neuzelle auf der Kippe. Keine Veranstaltung ist es wert, eine unfreiwillige Auszeit von mehreren Wochen oder gar Monaten zu riskieren. Mareks Verletzungssorgen waren latent und wenn wir ganz ehrlich sind, 100%-ig beseitigt sind sie nicht. Sein Belastungstest im Rahmen der BIG25 macht zumindest Mut, dass unser Vorhaben in der Nacht von Freitag auf Samstag glücken kann. Nochmal zum verwegenen Plan: Startschuss ist um 24:00 Uhr vor dem Kloster Neuzelle in Brandenburg. 45 Zweierteams werden auf eine Strecke von 100 Km auf der Mönchstour gehen. Hilfsmittel ist ein Fahrrad, das sich hinter dem Läufer bewegen muss. Wir haben null Erfahrung mit solchen Events. Und vielleicht können wir genau das in einen Vorteil ummünzen.

Denn dieser Lauf ist wie für uns gemacht.

Jeder von uns muss mehr als einen Marathon laufen. Wie schnell das geht: wir haben keine Ahnung. Wie oft wir wechseln sollten: wir haben keine Ahnung. Aber wir kennen uns beide extrem gut und können, wenn es richtig hart werden wird, die Kräfteverhältnisse einschätzen. Machen wir uns nichts vor, die ersten 60 Km sind Vorgeplänkel. Es wird zum Ende hin wichtig werden, im Kopf klar zu sein und den richtigen Partner an der Seite zu haben. Wir lassen das einfach auf uns zukommen. Vielleicht schaffen wir es, den einen oder anderen Tweet von der Strecke abzusetzen. Priorität werden aber Navigation und Verpflegung haben. Neuzelle, wir kommen.

Von Henrik am 05. Mai 2013 · 7 Kommentare · Kategorien: Strecken, Wettkampfbericht

StrongmanRun RutscheNach dem ersten Abenteuer bei unterirdischen Bedingungen im letzten Jahr rief gestern “die grüne Hölle” zur Wiederholung. Und der Wettergott meinte es richtig gut mit den gut 10.000 Startern. Die Sonne lachte über dem Nürburgring und lud geradezu zum Planschen ein. Mit von der Partie: RUNNING Company Trainees Stefan und Philipp und natürlich unser Starfotograf Gregor. Wir hatten vor dem Start noch jede Menge Zeit und trafen die Flitzpiepen, die in voller Kaderstärke gestartet sind. Um Punkt 11 Uhr standen wir dann in der Startaufstellung, und -oh Wunder- die Ampel schaltete pünktlich um 12 Uhr auf GRÜN.

SMR2013_28Heute hatten wir richtig Spaß auf der Strecke. Und man kann wahrlich nicht behaupten, dass die leichter geworden ist: 450 Höhenmeter und 30 Hindernisse warteten verteilt auf 2 Runden mit insgesamt 24 Km Laufstrecke. Das war doch mehr als erwartet. Wir liefen relativ schnell los, um nicht ins Getümmel zu geraten. Respekt hatte ich eigentlich vor keinem Hindernis, wirklich beschäftigt hatten wir uns mit dem Streckenplan im Vorfeld aber nicht. Und dann knallte es schon bei Hindernis 3: “Kriechenland” hielt einen Kriechparcours mit netten Stromstößen bereit. Und das war nicht lustig, bei jedem Wisch hatte ich das Gefühl, dass dir jemand voll auf den Kopf schlägt. Die Mehrheit der Meute hat das beeindruckt. In Runde zwei KROCHEN die Läufer hier wirklich sehr nah am Boden. Es ging immer wieder auf und ab und die Kräfte sollte man nicht auf der ersten Runde aufbrauchen. Allein der Südschleifen-Berg wartete mit 100 Höhenmetern auf 900 Metern Länge auf. Aus Erfahrung wusste ich: hier nur ganz langsam hochlaufen. Warum man vor der “Knochenmühle” noch gefühlte 30 Mal zick-zack laufen musste, es wird das Geheimnis des Veranstalters bleiben. Die Strecke war sowieso lang genug und hier zeigte sich schnell, wer ein guter Läufer ist. Fünf Hindernisse konzentrierten sich zuschauerfreundlich im Zielbereich, u.a. “Schlammageddon”. Spätestens hier musste jedem klar sein, dass man das Ding nicht sauber verlässt. Vor dem Pool, der ganz liebevoll mit Wasserbällen und Quietscheenten ausgestattet war, sah ich Stefan gleichauf mit mir. Und plötzlich war er weg.

SMR2013_32Die zweite Runde lief richtig gut, wenn auch mit etwas moderaterem Tempo. Und das befürchtete Aufstauen passierte erst vor dem letzten Hindernis 15: hier blieben ein paar Minuten Wartezeit liegen. Das nervte sowohl die langsamen Läufer als auch die Überholenden. Trotzdem muss man sagen, dass die Änderungen am Streckenplan das Stau-Problem etwas entschärft haben. Wir müssen einfach noch schneller sein im nächsten Jahr… Ein wenig überrascht war ich schon, als ich unsere Platzierungen gesehen habe. Unser Philipp hat zudem mit knapp über 3h eine Spitzenleistung abgeliefert. Eine Erklärung: die längere Strecke bevorteilt die guten Läufer, vor allem die mit der richtigen Bergablauftechnik. Muckis alleine gewinnen keinen StrongmanRun. Aber um’s Gewinnen geht es bei diesem Event wahrlich nicht, oder? Im Hotel lief uns später ein bedröppelter Knut Höhler über den Weg. Er musste verletzungsbedingt auf Runde 1 aussteigen. Damit endet seine beeindruckende Siegesserie beim StrongmanRun. Vielleicht macht er im nächsten Jahr mal nur so zum Spaß mit? Das wäre unsere Empfehlung. Wir hatten jedenfalls eine ganze Menge davon.

Riesen-Dank an unseren Fotografen Gregor für die geilen Bilder:

Und auch die offiziellen Bilder vom Sportograf sind wieder großartig geworden:

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Von Running Twin Marek am 29. April 2013 · 3 Kommentare · Kategorien: Charity

Vor dem StartSoll ja nicht heißen, dass wir uns nicht um den Läufer-Nachwuchs kümmern! Gelegenheit dazu bot sich letzten Samstag an der Grundschule im Wald: unser Großer Jannis nahm am Sponsorenlauf in seiner Schule teil. Die Einnahmen kommen zu 50% dem Computerraum und zu 50% Unicef zugute. Gute Gründe, sich richtig ins Zeug zu legen und Sponsoren zu finden, die einen Obolus für jede gelaufene Runde (ca. 300m) in den Topf packen. Da wir zum ersten Mal dabei waren – Jannis ist ja gerade in der 1. Klasse – wußten wir nicht, was da auf uns und die Sponsoren zukommt. Von “ca. 6 Runden” war im Vorfeld die Rede, so wohl der Durchschnitt der ersten Klassen. Bei leider nicht so erquickendem Wetter wetzten die Kids um 10:30 los.

Letzte Taktikabsprachen “Bloß nicht zu schnell starten” hatte ich ihm versucht einzutrichtern, schließlich war eine halbe Stunde Zeit. Und das muss ein Erstklässler erstmal durchlaufen! Und erstaunlich clever ging er das Rennen an und reihte sich ganz hinten ein. Die ersten Runden vergingen natürlich sehr fix, beim Passieren des Ziels bekam jedes Kind einen Strich auf den Arm. Da die Strecke noch sehr rutschig vom Regen der Nacht war, gab es leider auch einige Stürze, aber die Kids hielten tapfer durch. Gegen Ende wurde der Kopf immer roter, aber er gab nicht auf und lief bis zum Gong durch. So standen am Ende stolze 14 Runden auf seinem Arm. Für die Sponsoren bedeutet das eine Spendensumme von 156,-!

Er gibt alles!Darüber freute sich der Große sehr und war sichtlich stolz auf die eigene Leistung und die Zahl, die da am Ende zusammengekommen ist. Die Eltern waren es natürlich auch und planen schon die große Laufkarierre. Die nächste Gelegenheit bietet sich am 25. Mai im Grünauer Forst, wo unsere Jungs den Bambinilauf in Angriff nehmen werden. Wir danken allen Sponsoren, insb. dem Team des Park Inn by Radisson München Ost, sehr herzlich und hoffen, dass ihr Jannis und seine Schule auch im nächsten Jahr so fleißig unterstützt!

Von Henrik am 21. April 2013 · 2 Kommentare · Kategorien: Planung, Trainingstagebuch

MaiDen Durchbruch des Frühlings hatten wir uns anders vorgestellt. Tief saß der Schock nach den Anschlägen beim Boston Marathon am Montag, die die Nachrichtenlage dieser verrückten Woche dominierten. Doch anstatt panisch zu reagieren, offenbarte sich rasant eine ungeahnte Solidarität innerhalb der Läufergemeinde. Es wurde einfach weitergelaufen, Kilometer für Kilometer und Meile für Meile wurden in Erinnerungen an die Opfer abgespult. Die großen Marathons in London und Hamburg am Sonntag wurden zu wahren Lauffesten – das war Werbung für unseren Sport und ein wunderbares Zeichen: in beiden Städten zählten die Veranstalter mehr Zuschauer als je zuvor. Die Elite-Athleten liefen nicht ganz so schnell wie erwartet, aber das störte niemanden. Was nehmen wir mit? Ein sehr gutes Gefühl, dass die Läufergemeinde näher zusammengerückt ist. Wir halten es in diesem Sinne, laufen weiter wie bisher und trainieren auf die Wettkämpfe im Mai hin. Vor unserem gemeinsamen Saisonhighlight, dem Run & Bike am 10.05. in Neuzelle stehen für mich noch der Frühjahrslauf in Dachau über 10 Km und der StrongmanRun auf dem Plan. Letzterer ist zwar nur ein Spaßwettkampf, sollte aber nicht unterschätzt werden. Auch in diesem Jahr sind 15 Hindernisse auf 22 Kilometern zu überwinden. Ich hoffe auf tatkräftige Unterstützung der RUNNING Company. Sollte nichts schiefgehen, treten wir dort zu dritt an. Schließlich folgt am 26. Mai zum Abschluss des intensivsten Monats noch meine 8. Teilnahme am Rostocker Citylauf, wo ich mich voraussichtlich wieder auf der Halbmarathon-Distanz versuchen werde. Marek überlegt noch, ob er am 5. Mai doch wieder bei den BIG 25 in Berlin antritt. Seine letzten beiden Trainingswochen liefen aber aufgrund von Rückenproblemen alles andere als gut. Doch wir wissen aus Erfahrung, dass er auch ohne intensives Training zu Bestleistungen in der Lage ist. Soll er also kommen, der Mai.

Von Running Twin Marek am 16. April 2013 · Kommentieren · Kategorien: Grundsätzliches, News

Boston Runners United BannerDie Läufergemeinde ist immer noch benommen und fassungslos ob der traurigen Ereignisse, die sich am 15. April 2013 beim traditionsreichen Boston-Marathon zugetragen haben. Dieses Datum wird immer mit der Erinnerung an die Opfer dieses sinnlosen, heimtückischen Anschlags verbunden sein. Es fällt schwer, die richtigen Worte so kurz nach den Geschehnissen zu finden. Und doch wollen wir es zumindest versuchen.

Ein Fakt vorneweg: es war das erste Attentat auf eine Laufveranstaltung überhaupt. Wollten wir bisher einfach nur nicht wahrhaben, dass auch “uns” so etwas passieren könnte? Waren wir einfach so naiv zu denken, dass niemand auf die perfide Idee kommt, Läufer und deren Fans als Zielscheibe für politische oder religiöse Zwecke zu missbrauchen? Die Antwort ist schlicht und einfach: ja. Menschen mussten ihr Leben lassen am Montag, viele wurden so schwer verletzt, dass sie ihr Leben lang darunter leiden werden, unzählige wurden traumatisiert und werden die schrecklichen Bilder nie mehr aus ihrem Kopf bekommen. Warum musste der 8-jährige Martin, der einfach nur auf seinen Vater stolz sein und ihm zujubeln wollte, sterben? Auf diese Frage wird es wohl keine zufriedenstellende Antwort geben können. Achim Achilles ruft in einem wahren Plädoyer zum Laufen auf, denn “Laufen ist Freiheit und damit das Gegenteil von Terror”. Wir sind nicht immer die treuesten Fans seiner Kolumnen. Aber heute hat er einfach Recht.

Was wird sich verändern im Laufsport? Eine Frage, die uns die nächste Zeit alle umtreiben wird. Eine hundertprozentige Sicherheit wird und kann es an der Laufstrecke nicht geben. Es wäre ein Irrsinn zu denken, dass 42 Km quer durch die Stadt so überwacht werden könnten, dass niemand dort einen Sprengsatz zünden kann. Und es wäre eine Perversion des freiheitlichen Grundgedankens unseres Sports. Vielleicht hat der in Boston seine Unschuld verloren. Aber keinen einzigen Anhänger.

Gehen wir mit einem mulmigen Gefühl in den Startblock am 29.9. in Berlin? Vielleicht. Kann so etwas auch in unseren Landen passieren? Wieder ist die Antwort: Ja. Es kann. Aber hören wir deshalb auf mit dem Laufen, melden für keinen größeren Volkslauf mehr, verkriechen uns unter der Bettdecke und geben den verirrten Attentätern Raum? Niemals. Genau das Gegenteil wird passieren. Kein Läufer dieser Welt wird sich dem menschenverachtenden Weltbild beugen. Wir laufen weiter. Viel weiter als bisher.

Von Henrik am 15. April 2013 · 10 Kommentare · Kategorien: Wettkampfbericht

koepenicker_altstadtlauf_1Luxuriös waren sie geworden, unsere gemeinsamen Läufe. Also vor allem die Läufe, die wir wirklich Seite an Seite bestritten haben. Umso mehr haben wir uns auf den gestrigen Köpenicker Altstadtlauf gefreut.koepenicker_altstadtlauf_2 Marek hatte unter der Woche mit Rückenschmerzen zu kämpfen und wollte heute unbedingt, dass wir zusammenlaufen, um die 40 Minuten-Schallmauer auf den 10 Km unterbieten. Das ist ein Saisonziel von mir und die Chance war heute so groß wie nie, das abzuhaken. Aber wie das so ist, Tagesform und Strecke spielen immer ihre Rolle. Die Beine waren nicht so locker wie erwartet und der erste Kilometer hinauf in den Müggelbergen kostete mehr Luft als erwartet. An Marek lag es sicher nicht, hat er seine Aufgabe tadellos erfüllt, das Tempo hochgehalten, den Weg gezeigt und angefeuert. koepenicker_altstadtlauf_3Als wir bei strahlendem Sonnenschein durchs Ziel in der Altstadt liefen, waren aber schon 40 Minuten und 18 Sekunden verstrichen. Gute 100 Meter Strecke hätten es weniger sein müssen. Die erste Enttäuschung war aber schnell verflogen angesichts des Streckenprofils auf den ersten beiden Kilometern und der teilweise wirren Streckenführung hinein in die Altstadt. Für einen Moment wusste Marek nicht, wo die Strecke langführt. koepenicker_altstadtlauf_4Wir liefen weitgehend einsam und hatten die Führenden nicht mehr im Blick. Aber wer unter 40 min laufen will, muss halt auch mindestens die Hälfte der Strecke unter 4 Minuten pro Kilometer laufen. Auf Km 6 und 7 kam ich nicht richtig hinterher. Über Bestzeiten hat man sich zu freuen. Punkt. Insofern war das heute ein prima Auftakt, am 01.05. muss ich auf ebener Strecke beim Dachauer Frühjahrslauf eigentlich nur noch Mareks Führungsarbeit zum Abschluss bringen. Spaß hat das Ganze heute gemacht und wir haben mit AK-Platz 1 und 2 zumindest angedeutet, dass wir im Team noch viel stärker sein können. Ein gutes Omen für unser Projekt “Bike & Run” im Mai. Dann gönnen wir uns wieder den Luxus, Seite an Seite zu kämpfen.