München Marathon 06Bianca stürzt peitschend voran durch das Marathontor. Sie gibt alles. Im kurzen Tunnel schallt „ein Hoch auf uns“ in der Dauerschleife aus den Lautsprechern, ein paar billige bunte Scheinwerfer versuchen so etwas wie Stimmung zu erzeugen. Welcher Marathonläufer hat dafür noch Nerven? Jedenfalls keiner, der um die wertvollen Sekunden kämpft und förmlich um sein Leben rennt. Wer dachte, es geht jetzt auf die Stadionbahn, irrt. Nur noch die Zielgerade besteht aus Tartan, der Rest der Runde ist Asphalt. Ich laufe möglichst weit innen, Bianca ermahnt mich, auf die Stelzen der Absperrgitter aufzupassen. Jeder Zentimeter zu viel ist zu viel, auch nach mehr als 42.000 Metern. Und dann sind wir plötzlich über die Zeitmatte. –ENDLICH- ist diese Quälerei vorbei. Stehenbleiben ist so ein wunderbares Gefühl.

Das Faszinierende am Marathonlaufen ist die groteske Widersprüchlichkeit zwischen der Erwartungshaltung vor dem Start und dem Empfinden in der Schlussphase des Laufs.

München Marathon 11Kilometer 37 auf der Ludwigstraße. Eigentlich sind es nur noch lächerliche 5.000 Meter bis zur Ziellinie. Aber jeder Marathonläufer weiß, dass diese verbleibende Strecke schier unendlich lang erscheinen kann. Die Beine kleben an der Straße, die Muskelatur in den Oberschenkeln signalisiert, dass sie im nächsten Moment verkrampfen wird. Längst beschränkt sich das Blickfeld auf maximal 5 Meter voraus. Zurufe von den Zuschauern prallen ohne Reaktion ab. Keine Kraft mehr, um die Zwischenzeiten abzulesen. Was soll man auch mit diesen Informationen noch anfangen? Der Körper ist im Überlebensmodus. Und immer wieder die Frage, warum macht man das nur? Es ist schon faszinierend, dass selbst in den furchtbarsten Momenten -und die kommen erst ab Km 30- nicht einmal der Gedanke ans Aufgeben hochkommt.

Das Verpflichtende am Marathonlaufen ist der Zieleinlauf, man tritt nur mit der Option an, den Lauf nach 42,2 Kilometern zu beenden.

München Marathon 13Vor dieser Schleife hatte ich mich gefürchtet. Hinter Km 32 geht es nochmal links ab auf eine Extrarunde vorbei am Königsplatz. Ein sehr schöner Platz, der den Kilometer 35 nicht verdient hat. Richtig wahrgenommen habe ich ihn leider nicht mehr. Es ging hier schon um das Gelingen von Plan C. Längst war der „Ofen aus“ und ich lief seit der Sendlinger Straße nur noch mit Restwärme. Gregor war verschwunden, warum war mir nicht klar. Deshalb hielt ich an den Verpflegungspunkten nun an und trank alles, was ich greifen konnte. In einem dieser Momente flog der 3:15h-Zeitläufer an mir vorbei. Ich wusste seit Km 30, dass es jederzeit passieren konnte. Die Pace lag nun bei ca. 4:45, Plan C war aktiviert und es waren alle Chancen da, den ins Ziel zu bringen. Also lieber ein wenig langsamer laufen und dann auch ankommen.

Das Wunderbare am Marathonlaufen ist, dass man viel Zeit hat, alle möglichen Optionen gefühlte einhundert Mal durchzuspielen.

München Marathon 02Das Ergebnis meines 1. München Marathons ist ja bekannt. Zum dritten Mal lief ich auf die 3:15h an, zum dritten Mal kräftig dran vorbei. Dabei lief es richtig gut los. Viereinhalb Minuten pro Kilometer waren angedacht bis Kilometer 15. Das klappte fast sekundengenau. Eigentlich ist der erste Teil eines Marathons regelrecht langweilig. Bei Km 17 verlässt die Meute den Englischen Garten und nimmt Kurs auf den Montgelaberg, der einzigen nennenswerten Steigung auf der Strecke des München Marathons. Es geht gute 500 Meter recht kräftig nach oben. Es wird gepumpt, niemand will auch nur eine Sekunde seiner Zeit hergeben. Ich überhole einige Läufer, die mich schon seit dem Start begleiten, ein Mann in silbergrauem Shirt mit blauem Cap, der stoisch die 4:30 min pro Kilometer hält. Er wird mir auf der Rosenheimer Straße enteilen. Und er wird auf den letzten Kilometern noch stärker als ich einbrechen, so dass ich ihn 1000 Meter vor dem Ziel tatsächlich noch überhole. Ein älterer Läufer mit orangen Kompressionssocken, der auf die Ludwigstraße gehen muss und der trotzdem lange vor mir im Ziel sein wird. Gregor fährt voraus und hält an, um mich zu knipsen. Es ist noch genug Luft zum Posen. Gleich kommt ja die Halbzeit.

Das Gemeine am Marathonlaufen ist, dass man auf der Hälfte der Strecke noch nicht weiß, wie das Ganze noch ausgehen wird, man hat eine Vorahnung, mehr nicht.

Eine fiese Passage ist die Strecke durch den Englischen Garten. Ich mag den „EnGa“ sowieso nicht sonderlich, dieser „Garten“ ist mir zu weitläufig, die Beleuchtung ist mau und die Wegführung verwirrend. Wer sich nicht auskennt, sollte nicht im Dunkeln da reinlaufen. Die Kilometer 5 bis 17 führen aber unweigerlich im Zickzack durch die riesige Anlage. Der Marathon unter Ausschluss der Öffentlichkeit – hier wird er Realität. An den schmalen Wegen finden sich an zwei Händen abzählbare Zuschauer ein. Der Weg ist schmal und Gregor muss vor den engen Kurven mehrmals zurückbleiben, um keine Läufer zu behindern. Immerhin ist es kein Schotterweg und die Bäume spenden noch Schatten. 10 Km laufe ich knapp unter 45 Minuten – perfekt. Eine Zeitmatte bei 15 Km gibt es nicht. Man muss hier halt durch.

Das Ironische am Marathonlaufen ist, dass die erste Hälfte regelrecht langweilig ist und man in Gedanken verfällt, während man später keinen klaren Gedanken mehr fassen kann.

München Marathon 01Um 9:55 Uhr klettern Georg und ich über das Gitter in den Startblock A. Wir sind euphorisch, es ist noch angenehm kühl, wir haben richtig gut trainiert in den letzten Wochen, eine Bestzeit nach der anderen eingesammelt. Was soll schon schiefgehen heute? Ich hatte mir die Marschtabelle zurechtgelegt (4:30 min/Km), hatte berücksichtigt, dass ein Marathonläufer immer einen Plan B (nahe 3:15h) in der Tasche haben muss. Deshalb habe ich gleich noch einen Plan C (Bestzeit) mitgenommen. Noch nie habe ich mich so gut gefühlt, noch nie habe ich das Trainingsprogramm ohne ein einziges Wehwehchen absolviert, noch nie habe ich so viele Trainingskilometer im avisierten Marathontempo gelaufen.

Das Ärgerliche am Marathonlaufen ist, dass gutes Training nur die notwendige, aber nicht die hinreichende Bedingung für einen Bestzeitlauf darstellt.

Zufrieden war ich unter dem Strich schon. Es war vielleicht mehr drin. Aber erfahrungsgemäß machen mir höhere Temperaturen zu schaffen und der Sonntag war ein überdurchschnittlich warmer Tag. 10 Grad weniger und… lassen wir das. Ich pirsche mich halt langsamer als geplant an die 3 Stunden heran. Vielleicht wird es schon im Winter eine weitere Gelegenheit geben. Und dann gelingt Plan A. Vielleicht.

München Marathon 19

von Running Twin Marek am 07. Oktober 2014 · 3 Kommentare · Kategorien: Ausrüstung, Strecken, Trainingstagebuch

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Die letzte Woche war richtig gut. Ich bin seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder 100km+ gelaufen. Man könnte meinen, der nächste Marathon wartet bereits. Aber dem ist nicht so. Henrik geht am Sonntag in München allein auf die Strecke. Und das ist auch gut so. 20141005_092820Ich würde bestimmt nach 30km die Segel streichen, zu mehr fehlen mir einfach die langen Läufe in den letzten Wochen und Monaten. Ich sehe das Ganze quasi schon als Grundlagentraining für 2015. Einen schnellen “Halben” wird es noch geben, sehr wahrscheinlich bei meiner Premiere am Teltowkanal Anfang November. Danach ist aber erstmal Schluß mit Tempomachen und es geht auf den Winter zu, der längere und vor allem langsamere Einheiten im Vordergrund haben wird. Ein wenig habe ich mich am vergangenen Sonntag darauf einstimmen können. 20141005_095739Über den Vormittag bin ich bei herrlichstem Sonnenschein meine Lieblingsstrecke gelaufen. Dabei habe ich schon mal bei den neuen Latschen von Salomon die Trailfestigkeit überprüft. Eine kleine Blase nach 31km sollte hoffentlich noch nichts darüber sagen, ob der Salomon S-Lab Sense Ultra auch für größere Abenteuer geeignet ist. Leicht und bequem ist er zu tragen und kein Vergleich zu meinen bisherigen “Brocken”, die ich von Salomon anhatte. Da es morgens um kurz nach 8 mit 6° noch empfindlich kühl war und ich nicht mit langem Shirt laufen wollte, entschied ich mich für das La Sportiva Kuma Shirt, das im Gegensatz zu vielen enger anliegenden Laufshirts nicht zu kurz ist und somit den unteren Rückenbereich trotz Trinkrucksack noch sehr gut bedeckt. Außerdem ist das Shirt einfach gut verarbeitet und nicht zu dünn. Eine perfekte Wahl, denn später wurde es doch einige Grad wärmer, die Herbstsonne zeigte sich von ihrer schönsten Seite! Nachdem ich am Donnerstag nach 27km stehend k.o. war und abbrechen mußte, hatte ich am Sonntag keinerlei Probleme und konnte über die gesamte Distanz das gleiche – wenn auch eher gemütliche – Tempo laufen. Auch meinem rechten Vorfuß scheint es immer besser zu gehen. Die Schmerzen, die ich seit April gerade nach der Belastung hatte, klingen immer mehr ab. Ein Segen, wenn man verletzungsfrei durch die Gegend rennen darf! Aber was soll ich viel erzählen, meistens sagen Bilder mehr als 1000 Worte. Kommt gut in den Herbst und genießt die Natur – die Trails warten auf uns!

Ausrüstung:
Mütze: Odlo
Shirt: La Sportiva Kuma
Trinkrucksack: Salomon Skin Pro 10+3
Socken: CEP Compression
Schuhe: Salomon S-Lab Sense Ultra 3
GPS-Uhr: Polar RCX5

(c) http://www.parkrun.org.ukVor einer Woche waren Lauffreund Jan und ich in Manchester bei einer Laufveranstaltung zu Gast, deren Konzept mich begeistert hat. Natürlich kam gleich die Frage auf, warum wir so etwas in Deutschland nicht hinkriegen. Die Park Run-Serie besteht aus 5 Km-Läufen, die jeden Samstagvormittag, i.d.R. um 09:00 Uhr in öffentlichen Parkanlagen stattfinden. Der Knüller ist: es gibt es eine Zeitmessung und die Teilnahme ist kostenfrei. Freiwillige Helfer kümmern sich um Streckenmarkierung, Einweisung und Zeitnahme. Wir haben am South Manchester Park Run teilgenommen, einer von aktuell 291(!) Events in UK und Irland. Vereinzelte Läufe gibt es zudem in Polen und Dänemark, sogar in Russland. In Deutschland leider nicht. Um bei einem Park Run mitzulaufen, muss man sich lediglich einmalig registrieren. Map Park RunsDabei druckt man sich einen Barcode aus, den man zu jedem Lauf mitnimmt. Im Ziel bekommt man ein Token, das auf die Sekunde die Zielzeit enthält, trägt den Token zur Zeitnahme, wo Token und der individuelle Barcode eingelesen werden. Das Ergebnis ist innerhalb weniger Stunden online zu sehen. Sogar eine ausführliche Ergebnis-Mail bekommt man. Das Konzept ist verblüffend einfach. Und wahrscheinlich auch deshalb so erfolgreich. Platt Fields Park ManchesterEs gibt kein Schnickschnack wie Zielverpflegung und Siegerehrung, auch Toiletten suchte ich im Parkgelände vergeblich. Vor dem Lauf gab es eine kurze Einweisung und die Ehrung der Jubiläumsteilnehmer (ab 50 Teilnahmen), die ein adidas Laufshirt in der passenden Farbe bekommen. Sogar ein Hund wurde geehrt, er bekam ein Halstuch mit einem Stern und der Nummer 50. Schon wetzte die Meute los um den kleinen See. Ich dachte ja wirklich, hier würden schon nicht so viele Leute zu der unchristlichen Zeit teilnehmen und ich könne vorne mitlaufen. Nix da, am Ende waren 407(!) Läuferinnen und Läufer auf der Runde und ich finishte als Gesamt-19 in persönlicher Bestzeit. So entspannt, wie die Meute angereist war, löste sie sich auch schnell wieder auf. Auf Wiedersehen in der nächsten Woche beim Park Run!

Tegernseelauf_4Heute: der Tegernsee. Nach der Umrundung des Achensees im Wettkampftempo vor zwei Wochen und der harten Regenschlacht am Königssee vor einer Woche stand nun heute der die dritte Seenumrundung im Rahmen des 13. Tegernseelaufs an. Ich konnte hier noch nicht teilnehmen. Als die Entscheidung für den München Marathon fiel, drängte sich der Tegernseelauf als Halbmarathon-Formtest auf, liegt er genau drei Wochen vor meinem Herbstmarathon. Die letzten Trainingswochen liefen rund und ich hatte ein richtig gutes Gefühl. Mit einem gesunden Selbsbewusstsein im Rucksack machte ich mich mit dem RUNNING Company Trupp auf den Weg zum schönen Tegernsee.

Tegernseelauf_1Der angekündigte Regen ließ auf sich warten, es war angenehm kühl. Perfektes Laufwetter! Wir waren zeitig am Tegernsee, um in aller Ruhe zu parken und noch einen Kaffee zu trinken. Der Startschuss fiel vier Minuten zu spät, um noch den Zug durchzulassen. Das ist vielleicht verwunderlich, aber der Tegernseelauf arbeitet hinsichtlich Logistik längst “auf Kante”. 5.000 Teilnehmer sind einfach irre viel für die Strecke und eine große Herausforderung für den Veranstalter.

(c) Josef Rüter

(c) Josef Rüter

Die ersten Kilometer von Gmund runter zur Gemeinde Tegernsee werden auf der Straße gelaufen. Hier geht es wellig zu, das Tempo findet man trotz einigen Hügeln ganz gut. Vorbei an der traditionellen Blaskapelle war das Feld sehr schnell auseinandergezogen. 5 Km in knapp 20:30 min, das war etwas zu schnell laut Planung. Beunruhigte mich aber gar nicht, denn die Tegernseerunde muss taktisch gelaufen werden. Wir liefen durch Rottach-Egern, wo es sogar einige Zuschauer gab. Der “wilde Eber” des Tegernseelaufs, das muss er gewesen sein. Ich zog mein Gel bereits nach Km 8 rein, lieber zu früh als zu spät. Wir waren schon auf der Ostseite des Sees, als es auf die Uferpfade ging. 10 Km zeigte die Uhr nach 41:20 min an. Die Beine wurden jetzt schon schwerer, aber ich fand eine kleine Gruppe, die das Tempo von guten 4:15 min/Km hielt. Über die Brücke flogen wir über die Weißach und dann runter nach Ringsee. In den Abwärtspassagen konnte ich überholen, aber bei den kleineren Anstiegen zogen die Herren wieder vorbei. Bis auf die dritte Frau, die wir bei Km 14 kassierten. Der Uferweg ist schmal, aber gut zu laufen und so langsam schielte ich schon nach den Kilometerschildern.

Tegernsee_Ulf_2Der Pace nach müsste es locker reichen, jetzt nur noch das Ding ins Ziel bringen. Die Tempohärte habe ich mir in den letzten Wochen doch geholt! Ab Km 16,5 beginnt hinter Bad Wiessee aber der fiese Teil der Runde. Gute zwei Kilometer heisst es nun hoch, nicht steil, aber halt schon eine gefühlte Ewigkeit. Zum Ende der Steigung konnte ich meine Gruppe abschütteln und lief den nachfolgenden Kilometer nochmal unter 4 Minuten. War es das? Oh nein, es geht nochmal hoch. Und genau deshalb hilft nicht so viel, auf dem ersten Teil Kraft zu sparen. Hier zerlegt es sowieso so manchen Läufer kurz vor dem Ziel. Der letzte Berg hätte echt nicht sein müssen und es blieben wieder so kostbare Sekunden liegen. Kilometer 21 führt dann wieder angenehm runter, Bremse los und ab ins Ziel. Hilfreich, dass man die Zieluhr bereits 500 Meter vor dem Ziel sieht. Die Bestzeit war im Sack und dazu endlich unter 90 Minuten. Freudetrunken (wobei ich mich eher nach innen freute) holte mir ein Bier und stellte mich 200 Meter vor die Ziellinie, um die Lauffreunde beim Einlaufen anzufeuern.

Tegernseelauf_3

Wir aßen noch ganz gemütlich Kaiserschmarrn in der Sonne, spannen Läufergarn und ließen einen tollen und erfolgreichen Tag am Tegernsee ausklingen. Auch der dritte umrundete See in drei Wochen war ein tolles Erlebnis.

von Running Twin Marek am 18. September 2014 · 7 Kommentare · Kategorien: Strecken, Wettkampfbericht

20140914_110237Versprochen ist versprochen und das wird nicht gebrochen! Die 2. Auflage des Trailrun Berlin wollte ich mir nicht entgehen lassen und so stand ich am Sonntag um Punkt 12 mit ca. 320 anderen Verrückten an der Startlinie am Fuße des Berliner Müggelturms. Am Morgen sah es noch nach einer Schlammschlacht aus, aber die Sonne zeigte sich gnädig und ließ spätsommerliche Temperaturen aufkommen. Die Woche war ereignisreich, ich war erst Samstag Abend aus Riga zurückgekommen, wo ich wir vor 2 Jahren eine schöne Runde im Skatepark drehen konnte. Mehr “Training” war partout nicht drin. Aber ich wollte trotzdem auf Angriff laufen. Bekannte Gesichter vor dem Start (Anna, Uwe, Heiko) verliehen dem Ganzen eine lockere Atmosphäre. Dann ging es auch schon ab. Der erste Kilometer ähnelt dem Köpenicker Altstadtlauf und kennt nur eine Richtung: nach oben. 20140912_184622Nach 500m begrub ich meine Hoffnungen auf einen vorderen Platz: eine Gruppe von 6-7 Jungs wetzte los, als wäre der Zielstrich schon in Sichtweite. Der Trail herunter lief aber recht flüssig. Dann kam das erste Highlight: die Treppe in Richtung Turm. Treppen? Kenne ich! Also nix wie los. Nur, die Stufen waren ordentlich hoch, Erinnerungen an den legendären Olympiaturmlauf kamen auf. Ich konnte nicht durchziehen – ein erster Dämpfer. Völlig k.o. und mit wackligen Beinen ging es wieder hinab. Uwe zog locker an mir vorbei, während ich verzweifelt versuchte, meine Schnappatmung irgendwie zu beruhigen. Es gelang nur mäßig – da wartete der nächste Anstieg. Und es ging nichts mehr. Mit letzter Kraft schleppte ich mich nach oben, dabei war es nicht mal besonders steil. Eine schöne sandige Passage sorgte anschließend für Abwechslung, die man zu dem Zeitpunkt so gar nicht brauchen konnte. Den nächsten Anstieg kannte ich – leider. Und der zog sich wie Kaugummi. Jetzt verließen mich die Kräfte und ich legte erstmal eine gepflegte Gehpause ein. Dass es 20140914_125823hart werden würde, war vorher schon abzusehen. Aber so heftig hatte ich es dann doch nicht erwartet. Gut zu sehen, dass ich nicht der einzige Depp war, der zu schnell losgelaufen war. Die anderen Läufer atmeten ähnlich schwer. Der letzte Anstieg kam aber erst noch: hochlaufen? Keine Chance. Warum sich hier gleich einige Zuschauer postierten, leuchtete mir ein: soviele Läufer kriegt man sonst nicht so lange zu sehen. Nach unendlichen Minuten kam ich oben an und ging gemächlich wieder in den Laufmodus über. Die Strecke herunter war identisch 20140914_125649mit Runde 1. Und da war ja noch was am Ende: die Treppe! Für die Zuschauer muss es elendig ausgesehen haben, wie wir uns dort noch ein zweites Mal hochschleppten. Alle feuerten uns an – die Stimmung war toll, auch wenn das Gehirn nur noch auf Durchzug schaltete. 50m später lief ich ins Ziel. Mit der Zeit von 45:47 war ich nicht zufrieden, Platz 12 am Ende geht aber völlig in Ordnung. Ich werde mich nochmal alleine an dem Trail versuchen, da geht definitiv noch mehr. Trail? Ja – dieses Profil hat den Namen verdient. Vielleicht eher “Sprint-Trail”. Da haben selbst starke Strassenläufer wenig auszurichten. Sicherlich war Henriks Runde um den Königssee eine ganz andere Nummer. Und wenn man das Ganze ein wenig langsamer angeht, dann läßt sich die Natur auch viel besser genießen. Danke an die Sportmacher für den Freistart und ein starkes trailiges Event!

Ausrüstung:
Shorts: Skins A200
Socken: CEP Compression Socks
Singlet: Under Armour
Schuhe: Puma Faas 300 TR
Uhr: Polar RCX5

Markierte Fotos – 18

Wer ein Trailrunner werden will

Der muss die Königsseerunde laufen. Unter den Szenekennern ist die ca. 36 Km lange Strecke um den Königssee im Nationalpark Berchtesgaden schon Kult. Als ich im letzten Jahr den Bericht der mutigen Truppe um Tom, Steve und Stefan in der RunnersWorld gelesen habe, war ich mir gleich sicher: das willst du auch. Auf unserer Zugspitzbesteigung vor vier Wochen haben Stefan und ich beschlossen, die Runde am Samstag anzugehen. Im letzten Jahr hatte ich mir das wohl noch nicht zugetraut, zu abschreckend wirkten die Berichte über brutale Steige und Downhills, die jeden kleinkriegen. Aber was schert mich das Geschwätz von gestern. Philipp Reiter hält einen unfassbaren Rekord auf dieser Runde von 4:17h. Wir wären schon froh gewesen, das in der doppelten Zeit zu schaffen. Zum Glück wusste ich nicht wirklich, worauf ich mich da eingelassen hatte, als wir um kurz nach 8 an der Jennerbahn auf die Runde gingen.

Wie heißt diese Steinwüste?

Markierte Fotos – 01Es regnete. So richtig störte uns das nicht, noch nicht. Schnörkellos liefen wir los, die Schilder wiesen auf die Königsbachalm hin, ein erster Meilenstein. Der Weg ging nach oben mit noch moderater Steigung, erst Straße, dann Forstweg, man sollte hier die Oberschenkel schonen angesichts dessen, was noch kommt. Laufend und walkend im Wechsel schraubten wir uns hoch von ca. 650 auf 1.300 Meter. Vorbei an der Priesbergalm, wo es endlich mal laufbare Trails gab, steuerten wir direkt in das Hochgschirr. Der Regen wurde immer mehr und mit jedem Meter, den wir nach oben kletterten, verließ mich die Motivation. Markierte Fotos – 05Ich hatte in Erinnerung, dass wir bis auf fast 2.000 Meter müssen, erst dann würde es runtergehen. Die Füße waren längst nass, unvermeidlich bei den Matschwegen. Die Salomon S-lab Sense erwiesen sich längst als Fehlgriff für diese Bedingungen. Durch Steinwüsten kraxelten wir hoch. Wohlgemerkt, Stefan vorneweg, dann wartend, fotografierend, ich nach einer endlichen Zeit wie ein Häufchen Elend hinterher. Handschuhe und Mütze waren durch. Wie lange dauerte das? 2 Stunden? 3 Stunden? Gefühlt unendlich. Dann kam so ein Gipfelkreuz und Stefan benannte den “höchsten Punkt der Runde”. Uffz. Zu sehen gab es außer Nebelwänden hier sowieso nichts. Also nichts wie runter.

Wir laufen mal ein Stück

Markierte Fotos – 19Es dauerte nicht lange und ich legte mich galant hin, irgendwann musste es passieren. Mund abputzen, weitermachen. Der Trail durch das Landtal ist sicher gut zu laufen, wenn, ja wenn dieser Regen nicht gewesen wäre. Wir mussten hier vorsichtig sein. Runter zum Obersee hörte dann der Regen endlich mal auf und ich fasste wieder Mut. Markierte Fotos – 15Abschnittsweise kamen wir jetzt richtig flott voran, wurden aber immer wieder durch Kletterpassagen und Sturzbäche ausgebremst. Der Obersee war richtig gut zu sehen und es klarte auf – hatten wir doch noch Glück heute? Der Röthbachfall ist ein beeindruckender Wasserfall, der sich in voller Schönheit präsentiert. WOW! Nun aber schnell weiter bis zum Ufer des Königssees, der sich vor uns in seiner Pracht zeigte. Vereinzelt kamen uns schon Wanderer entgegen, die von der Saletalm kamen. Bartholomä mit seiner kitschigen Kirche war bereits in Sicht. “Sieht ja nicht mehr weit aus!”

So etwas nennt man Viehtriebsteig?

Markierte Fotos – 09Am Ufer kann man am Königssee nun mal selten laufen, also steuerten wir links vorbei über eine matschige Wiese zu einem “Weg”, den aber nur Stefan als das erkannte. Es ging gleich wieder ordentlich nach oben, weg vom See. Unterwegs kamen sogar Stefan Zweifel, ob wir richtig sind. Es sind “nur” 300 Höhenmeter, die sich aber wie Kaugummi zogen. Man stößt dann auf einen Wanderweg, die Saugasse, die mit 30 Serpentinen runter zum See führt. Markierte Fotos – 11Gut zu laufen, endlich wieder einkuppeln und die Beine locker machen. In Bartholomä wurde der Regen nun wieder stärker und ich gab die Hoffnung auf, heute nochmal zu trocknen. Ich merkte bei einer Cola, dass ich meine Ambit2 nach 4,5 Km aus Versehen angehalten hatte und fragte Stefan, wieviel Strecke denn noch bis zum Ziel seien. “Zwei Drittel haben wir, vielleicht auch drei Viertel.” Die verwunderten Blicke der japanischen Touristen unter ihren Regenschirmen hatten wir sicher. Es war 13:30 Uhr, wir lagen erstaunlich gut in der Zeit.

Das Beste zum Schluss

Markierte Fotos – 12Natürlich ging jetzt nochmal die Post ab. Immerhin wurde ich wieder warm. Der letzte Abschnitt der Königsseerunde führt über den Rinkendlsteig nochmal auf 1.450 Meter. Hier ist es empfehlenswert, noch Reserven zu haben. Teilweise wird es abenteurlich steil und die Gedenktafeln für abgestürzte Wanderer wirken nicht gerade motivierend. Die Steige sind gesichert und die Gefahr, dass man sich beim Blick auf den See vertritt, war gering – man sah den See sowieso nicht. Ich ergab mich in mein Schicksal, was blieb auch anderes übrig, wollte ich die Runde unbedingt zu Ende bringen. Die Konzentration musste gehalten werden und abschnittsweise hat es sogar Spaß gemacht. Markierte Fotos – 22Unterwegs erzählte mir Stefan, dass der Steig auch “Scharfrichter” genannt wird. Warum, war nun kein Geheimnis mehr. Irgendwie habe ich inzwischen verdrängt, dass wir mindestens 90 Minuten da hoch brauchten. Eine brutale Passage, die Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und ein gutes Einschätzungsvermögen der eigenen Kräfte erfordert. Wer in Bartholomä völlig hinüber ist, sollte das Boot nehmen. Die Kührointalm ist der letzte Meilenstein, ab hier führen gut geschotterte Wege runter zur Rodelbahn am Königssee. Stefan schwebte hier runter, während ich meine Oberschenkel mehrmals bat, mir das alles irgendwann zu verzeihen.

Wer ein Trailrunner werden will

Der muss die Königsseerunde laufen. Aber nicht bei Regen. Die Runde ist einfach irre und bietet ein einzigartiges Naturerlebnis in der Bergen des kitschig schönen Berchtesgadener Landes. 50-60 Km in der Ebene sollte man ohne Probleme am Stück laufen können, bevor man sich an die königliche Runde wagt. Danke an meinen Leader Stefan, ohne den ich das Abenteuer nicht gewagt hätte. Wir machen das nochmal bei Bedingungen, die dem König der Trails angemessen sind. Bis dahin lecke ich die Wunden. Krasses Ding!

Ausrüstung:

  • Mütze: Odlo Cap Polyknit Fan
  • Handschuhe: Nike Stormfit
  • Jacke: Skinfit Pfafflar Hybrid Jacket
  • Hose: Salomon S-lab Exo Short Tight
  • Beinlinge: Salomon Exo Calves
  • Schuhe: Salomon S-lab Sense 3
  • Trinkrucksack: Salomon Advanced Skin 5
  • GPS-Uhr: Suunto Ambit 2S

Achenseelauf_Ulf_1So richtig genau habe ich mir das Streckenprofil gar nicht angesehen, von “171 Höhenmetern” war da die Rede und dass “auf dem 2. Abschnitt ab Km 15 nochmal abgeht”. Bestimmt alles nur halb so wild. Brigitte lud zu ihrem erklärten Lieblingslauf an den Achensee ein und da konnte ich nicht nein sagen. Der 15. Achenseelauf startete in Pertisau und führte über 23,2 Km genau eine Runde um den See. Und die hat es wahrlich in sich.

Achenseelauf – 1Mehr als 1.500 Teilnehmer scharrten um kurz vor 10 Uhr an der Talstation der Karwendelbergbahn mit den Hufen und konnten den Startschuss kaum erwarten. Erstmal musste aber noch das “Führungsfahrzeug” mit einem Anhänger vorgefahren werden. Auf diesem befanden sich zwei Ziegen – die “Laufziegen” auf dem “Gossip Car”. Also das Ganze wurde schon mit einem gewissen Humor betrachtet. Dann knallte es auch schon und die Meute wetzte los. Gleich mal den ersten Kilometer in 3:39 Minuten abgespult, so zur Sicherheit. Es ging aber auch bergab. Wir bogen auf die Seerunde entgegen des Uhrzeigersinns und hielten uns auf dem Uferweg. Die Sonne zeigte sich nur zaghaft, was für das Laufen ganz angenehm war. Bis Km 7 passierte nun nicht wirklich viel. Ich hielt mich so im Bereich von 4:20 min/Km mit leichten Schwankungen, ein paar Wellen waren schon zu bewältigen. Der erste nennenswerte Anstieg kostete gleich mal Kraft. Ich lief hinter einer Gruppe und konnte bis Km 12 dran bleiben. Zwischenzeit 10 Km: etwas über 42 Minuten, was ziemlich genau der Bereich einer Halbmarathonzeit von unter 90 Minuten liegt. Ich fühlte mich gut. Dann stieg das GPS für ca. 1,5 Km aus, das habe ich aber erst im Nachgang auf der Karte gesehen. Auch danach zeigt die GPS-Route wilde Glättungen. Auch der Chip der Ambit 2 hat auf diesem Abschnitt Erfassungsprobleme. Wir liefen weg von der Bundesstraße am Ufer, um dann nach dem Schlenker auf Schotter wieder zur Bundesstraße hochzulaufen. Heute fühlte ich auf Asphalt sehr wohl und konnte dort das Tempo besser halten, ich hätte wohl besser einen Straßen-Zehner laufen sollen? Endlich war die Nordspitze des Sees erreicht und wir bogen links in die Gemeinde Achenkirch ein. Auch hier befand sich wieder eine “Labstation” sowie der Staffelwechsel. Nun begann der zweite Teil der Strecke.

Achenseelauf – 38846Ohne großen Anlauf führte der Weg gleich auf einen Singletrail, der sich nun ständig auf und ab am Ufer schlängelte. Der war zudem mit einigen Treppen bestückt, was ich nicht erwartet hatte. Der Tempowechsel ist brutal und haut dich aus jedem Rhythmus. Nun zählen Kraftausdauer und Oberschenkelumfang. Zudem war der Boden vom Regen noch rutschig, was auf den scharfkantigen Steinen nicht so lustig war. Gute 5 Kilometer muss man sich nun hoch und runter kämpfen.Achenseelauf_Ulf_2 Ich machte hier keine übermäßig gute Figur und musste ein paar schnelleren Läufern Platz machen. Auf diesem Abschnitt ist Rücksichtnahme gefordert, Überholen ist nur mit Ansage möglich. Mir wurde schnell klar, dass der erste Streckenteil zu schnell war und zuviel Kraft gekostet hat, um hier Druck zu machen. Das verbuche ich mal unter Lehrgeld der ersten Teilnahme. Von Treppen hatte Brigitte wirklich nichts erzählt, ich hatte mir eher längergezogen Waldwege vorgestellt. Aber mit Jammern gewinnt man keine Sekunde und zum Glück führte der Weg nach der Halbmarathonmarke zügig nach unten. Auf Seehöhe konnte man nun wieder anziehen. Das hat mir wieder gefallen, auch wenn da kein Tiger mehr im Tank war. Beim Zick-Zack-Zieleinlauf ist richtig Stimmung, ein dickes Lob an das Publikum! Mit der Zeit von 1:50:55h bin ich zufrieden. Ganz sicher geht mit einem um 3 bis 4 Minuten langsameren 14 Km-Teil viel mehr auf dem Trail.

Achenseelauf – 2Was macht den Achenseelauf so gut? Sicherlich die spannende Kombination von einem langen, relativ flachen Straßenlaufabschnitt (14 Km) mit dem sehr anspruchsvollen Trail (7 Km) auf der Westseite. Die Organisation ist perfekt, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Man kann mit Championchip laufen und für die Nachmeldegebühr von 39 EUR gibt es sogar noch ein Salomon-Laufshirt. Wenn man jetzt noch mehr Zeit hätte, das irre Panorama des Achensees zu genießen!

von Running Twin Marek am 05. September 2014 · 8 Kommentare · Kategorien: Strecken, Trainingstagebuch

trb_logoJa, ihr habt richtig gelesen. Trails in Berlin? Gibt es doch gar nicht? Nun, so ganz stimmt das nicht. Während sich der Westteil der Stadt mit dem weitläufigen Grunewald schmücken kann, bietet sich im Südosten von Berlin eine kleine Oase für Trailläufer: die Müggelberge. Man kann darüber diskutieren, ob sie den Namen “Berge” auch verdient haben, jedoch gibt es einige Möglichkeiten, Höhenmeter zu machen – und das direkt am Stadtrand neben der Badewanne der Berliner – dem Müggelsee. Letztes Jahr im September feierte der “Trailrun Berlin” dort seine Premiere. Da wir zu diesem Zeitpunkt beim Survival-Run weilten, lies sich eine Teilnahme nicht realisieren. Das soll dieses Jahr aber anders werden. Trotz straffer Terminplanung an dem Wochenende will ich diesmal die anspruchsvolle Strecke über die 10km in Angriff nehmen. Bei mittlerweile über 320 Meldungen ist das Feld um ein Vielfaches gewachsen gegenüber dem Vorjahr. Da scheint der Veranstalter “die Sportmacher” nicht viel verkehrt gemacht zu haben. Einen kleinen Heimvorteil habe ich, da ich – als wir noch in Berlin-Köpenick gewohnt hatten – die Strecken dort oft gelaufen bin. Evtl. schaffe ich es am diesen Sonntag (Teilnahmeschluß!), die Trails noch einmal vorab zu bestaunen.

Route 2.312.201 – powered by www.runmap.net

Dann wird auch sicher der Respekt vor der Strecke wiederkommen. DSCN1239Ich freue mich jedenfalls riesig drauf, haben die Berliner so ein Event schon lange vermißt. Ob eine gute Platzierung herausspringen wird? Da bin ich eher skeptisch ob der Konkurrenz. Aber das Training lief sehr gut die letzten Wochen und da ich völlig ohne Druck an den Start gehen kann, erhoffe ich mir einen guten Lauf. Wer weiß, wofür das Training sich noch auszahlen wird – im nächsten Jahr steht einiges in der Pipeline. Und gerade im (hoffentlich goldenen) Herbst zeigt sich die Natur auf den Trails von einer ihrer schönsten Seiten. Berlin und Trailrunning – wir werden diese Liaison verfolgen und berichten.

von Running Twin Marek am 30. August 2014 · 8 Kommentare · Kategorien: Aktuelles, Wettkampfbericht

Insgesamt könnte ich mit dem Frühjahr und Sommer sehr zufrieden sein. Nach dem verletzungsbedingt holprigen Start im Winter habe ich mich wieder ganz gut aufgerappelt. Zu einem langen Kanten im Renntempo hat es bisher noch nicht gereicht, daher habe ich mich eher auf die kürzeren Distanzen konzentriert. So kommt es, dass ich seit April immerhin schon 4 Wettkämpfe über 10k gelaufen bin. Man kann es Jammern auf hohem Niveau nennen, aber mit den Ergebnissen hadere ich schon ein wenig. Warum? Weil ich denke, es müßte einfach mehr drin sein. Insgeheim habe schon länger mit einer 35:xx spekuliert. Durchaus ambitioniert, aber ehrgeizige Ziele sind für mich ein wichtiger Motivationsfaktor im Training. Der Airport-Run im April hatte noch Comeback-Charakter, aber die anderen drei verliefen allesamt unter den Erwartungen. Die äußeren Faktoren lasse ich nicht als Ausrede gelten. Meine Analyse geht ganz klar in Richtung falsche Renneinteilung. Während ich zu Beginn meistens über dem Plan liege, langt es hintenraus einfach nicht. Schauen wir uns die nackten Zahlen an:

10k

Interessanterweise habe ich auf km 6-10 noch keine Runde unter 03:40 hinbekommen. Zu meiner Überraschung bin ich in Grünau im Mai sogar einen negativen Split gelaufen (Splits aus Runalyze):

Airport Run: 38:04 (18:49 19:13)
Grünau: 37:21 (18:40 18:35)
Citynacht: 37:06 (18:00 19:00)
Barssel: 37:08 (18:15 18:55)

IMG_3468Aber besonders die letzten beiden Rennen sind nicht konstant genug. “Kritische” Kilometer sind bei mir wohl km6 und km7: hier bleibt am meisten Zeit liegen, die am Ende nicht mehr aufzuholen ist, obwohl der letzte Kilometer meist noch im Plan ist. Leider setzt sich das Dilemma auch beim Halbmarathon fort – in Hamburg lagen zwischen Hälfte 1 und 2 über 2min. Mein Plan, die alte Bestzeit (36:41 aus März 2012) zu knacken, hat bis jetzt nicht funktioniert. Das wurmt mich schon ein wenig, aber das Jahr ist ja noch nicht vorbei und evtl. ergibt sich noch eine Möglichkeit. Da es mit dem Marathon im Oktober sehr wahrscheinlich nicht klappen wird, muss ich eben kleinere Brötchen backen, was jedoch nicht heißt, dass dies weniger anspruchsvoll ist.

von Henrik am 23. August 2014 · 7 Kommentare · Kategorien: Strecken, Zukünftiges

MedaillenSeit mehr als 5 Jahren lebe und laufe ich nun schon in der schönen Stadt München und -Asche auf mein Haupt- habe noch kein einziges Mal an einem Wettbewerb im Rahmen des München Marathons teilgenommen. Warum eigentlich nicht? 2009 und 2010 habe ich mich nicht getraut und erstmal die kleineren Laufveranstaltungen angeschaut. Und in den letzten drei Jahren stand jeweils der Berlin Marathon auf dem Plan. In München wird zwei Wochen später gelaufen und damit war es natürlich unmöglich, dort auch zu starten. Ich habe trotzdem in diesen drei Jahren die Gelegenheit genutzt, um als Helfer mitzumachen und war damit sehr nah dran am organisatorischen Drumherum. Das hat immer viel Spaß gemacht und sollte jeder Läufer zumindest einmal miterleben. Nach dem Frühjahrshighlight auf Gran Canaria und dem anschließenden -zugegebenermaßen zeitlich nicht sehr gut gelegten- Rotterdam Marathon soll noch ein Straßenmarathon im Herbst her. So schön es auch in Berlin ist, drei Teilnahmen in Folge reichen aus. Also was liegt näher, als den Marathon vor der Haustür zu laufen.

München – 4

Nun wird es also Zeit.

 
IMG_278650 Tage verbleiben noch bis zum 12. Oktober 2014. Genug, um das Training entsprechend zu gestalten. In dieser Saison hat mich bisher keine Verletzung aufgehalten und ich hoffe sehr, dass das auch bis zum Renntag so bleiben wird. Die Strecke des München Marathons ist sicher nicht so spektakulär wie in Berlin. Auf Sightseeing muss ich beim Anlaufen auf eine Marathon-Bestzeit sowieso verzichten, insofern trifft es mich nicht sonderlich schwer, dass der Zuschauerzuspruch an so einigen Stellen sehr übersichtlich ist. Auch der Zieleinlauf im (weitgehend leeren) Olympiastadion ist nicht so aufgregend, wie er gerne dargestellt wird. Dazu kommt, dass die Münchner Strecke nicht so flach ist wie in Berlin. Laut der Karte sollen es aber gerade mal 30 Höhenmeter sein. IMG_2643Das ist wahrlich keine Entschuldigung. Den Abschnitt durch den Englischen Garten kenne ich vom Stadtlauf und auch der Rest der Strecke führt durch bekanntes Terrain. Was auch noch für München spricht: es gibt kein Teilnehmerlimit und sogar eine spontane Nachmeldung ist bis kurz vor Startschuss möglich. Wo gibt es bitte sonst sowas? Der Veranstalter runabout um Marathon-Organisations-Legende Gernot Weigl zahlt kein Startgeld für kenianische Spitzenathleten und lässt den München Marathon damit zu einer nationalen Veranstaltung werden – perfekt für die Deutschen Marathonmeisterschaften, die in diesem Jahr zum 3. Mal in Folge in München stattfinden und somit deutlich aufgewertet werden. Weigls “Local Heros”-Prinzip findet auch RunnersWorld-Chef Martin Grüning richtig gut.

IMG_2630Marek und ich hatten angedacht, beide beim München Marathon zu starten. Ob das noch klappen wird, davon lassen wir uns selbst überraschen. Auch Britta hatte sich angemeldet für den inzwischen ausgebuchten Halbmarathon, laborierte aber an Knieproblemen vor und nach dem gemeinsamen Run & Bike. Wir müssen abwarten, wie gut die beiden überhaupt trainieren können. Ich werde nach meinen 5 Jahren in München jedenfalls zum ersten Mal im Startblock stehen.