Citytrail_07Irre Trailrunning Events stehen vor der Tür und die Hochglanzmagazine sind voll von Bildern schöner Läuferinnen und Läufer auf noch schöneren Trails. Der “Laufmoment” der April-Ausgabe der RunnersWorld zeigt den Roque de los Muchachos auf der Kanareninsel La Palma. Dort führt auch die Strecke des legendären “Transvulcania“-Ultratrails lang. Auf Madeira traf sich am vergangenen Wochenende die Szene, um den “MIUT” zu begehen, ein nicht minder spektakuläres Laufevent in bergigen Gefilden. Doch nicht jeden Läufer zieht es in den Wald oder gar in die Berge. Warum auch, wenn die Stadt so nah ist und auch tolle Möglichkeiten bietet?

Cityrunning ist ebenso trendy wie Trailrunning!

Nun birgt der Begriff “Citytrail” in sich schon einen Widerspruch. Aber wir wollen hier nicht so engstirnig sein. Ein Trail kann im weitesten Sinne auch als Betonpiste mit ein paar Hindernissen aufgefasst werden. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt: ob man Treppen von U-Bahnhöfen bezwingt, über Fahrradständer springt, Klettergerüste entlanghangelt, abseits der Wege durch den Stadtpark rennt oder Parcours zwischen Häuserschluchten springt (ok, machen wir eher weniger) – alles ist erlaubt, solange man sich natürlich brav an die Straßenverkehrsordnung hält. Ihr lauft doch wohl nicht über rote Ampeln? Ich bin Abendläufer, das ist meine Zeit. Und es gibt so Abende, da habe ich einfach keine Lust, zum gefühlten 500. Mal an der Isar entlangzutraben und die immer gleichen Steine zu begrüßen. Ja ok, die Isar ist auch beim 500. Mal noch schön, aber Abwechslung ist die am leichtesten umzusetzende Motivationskomponente. Also geht es in Richtung City. Ein wenig planen kann man vor dem Start schon, um nicht übermäßig viele Ampeln kreuzen zu müssen. Muss man aber nicht. Salomon hat dem “Citytrail” u.a. in München eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die der Sehnsucht nach Laufen in der Großstadt nachkommt. Auch die “Urban Runners Munich“, eine noch ganz junge Laufgruppe, widmet sich ganz dem Citylaufen unter Gleichgesinnten. Mein Tipp: sobald die Sonne abgetaucht ist, bieten sich in München eindrückliche Möglichkeiten für eine Stadterkundung im Laufschritt. Dann ist die Innenstadt nicht mehr verstopft und die Temperatur angenehm zum Laufen. Eine Schleife vom Sendlinger Tor zur Münchner Freiheit und zurück? Nur wenige Ampeln werden dich hier ausbremsen. Vorbei am Siegestor, Odeonsplatz und Marienplatz hat man eine flotte Stadtbesichtigung. Den Königsplatz kann man spontan einbauen. Ein Klassiker ist die Runde um die Theresienwiese. Hier geht es zwar nicht ganz so eng wie an der Außenalster in Hamburg zu, aber die Runde mit 2,6 Km Länge bietet viel Platz, schöne Aussichten auf die Bavaria und sogar ein paar Höhenmeter auf die Schwanthalerhöhe. Die Wege an der Isar schmecken schon gar nicht mehr nach “City”, das Flussufer ist das Naherholungsgebiet für die Münchner. An sonnigen Tagen würde ich die Wege meiden, weil hier viele Spaziergänger unterwegs sind und Slalomlaufen angesagt ist. Zu den Randzeiten bietet sich aber eine flache und Ampel-freie Laufstrecke, die sogar zum Tempotraining genutzt werden kann. Von der Brücke über den Mittleren Ring in Richtung stadtauswärts sind es bis zum Stauwehr Oberföhring gute 12 Kilometer.

Braucht es spezielle Ausrüstung für das Laufen in der City? Sicher nicht. Da mehrheitlich auf Asphalt gelaufen wird, braucht man keinen speziellen Schuh (auch nicht unbedingt Salomons Citytrail-Kollektion, obwohl die sehr schnieke ausschaut). Nach Sonnenuntergang empfehle ich grundsätzlich ein gut reflektierendes Oberteil und eine (Minimal-)Stirnlampe mit rotem Rücklicht, damit man von Rad- und Autofahrern gesehen wird. Diese unterschätzen das Tempo eines Läufers erfahrungsgemäß oft. Ein Ausrüstungsgegenstand gehört in der Stadt sicher nicht dazu: der iPod.

Auf in die City!

von Running Twin Marek am 12. April 2015 · 1 Kommentar · Kategorien: Trainingstagebuch, Wettkampfbericht

ASL1Der Countdown läuft. Nur noch 6 Tage sind es bis zum Frühjahrshighlight im Spreewald! Mir geht ganz schön die Pumpe. Dass ich optimal vorbereitet an den Start gehen werde, habe ich mittlerweile abgehakt. Die Erkältung, die mich einige Tage vor dem Berliner Halbmarathon erwischt hat, habe ich erfolgreich verschleppt und bin sie immer noch nicht 100% los. Dabei war der Plan doch eigentlich ganz anders: nach dem Halben Ende März (und überstandener Erkältung) wollte ich nochmal 2 Wochen richtig Kilometer machen. Aber die nasskalten Bedingungen an jenem Sonntag haben mir da wohl einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun muss ich damit leben, dass die letzten zwei Wochen (um ehrlich zu sein auch die Woche vor Berlin) fast nichts zusammenlief. Nur wenige Kilometer kamen zusammen und auch das Tempogefühl verschwand einfach so von heute auf morgen. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als die drei Wochen als Super-Tapering zu betrachten und nun nach vorne zu schauen.

Um noch etwas Selbstvertrauen zu tanken, habe ich heute spontan den Köpenicker Altstadtlauf mitgenommen. 10km geht es dort vom Müggelturm in die schöne Köpenicker Altstadt. Wir waren dort vor 2 Jahren gemeinsam am Start, im letzten Jahr haben wir den Damen den Vortritt gelassen. Für “günstige” 18,- meldete ich mich nach, nach dem Einlaufen stellte ich schnell fest: nur wenige bekannte Gesichter. Der erste Kilometer geht ordentlich rauf, bevor es über ein paar steile Serpentinen wieder kräftig nach unten geht. Sven ist schnell weg und kurz vor dem Abstieg kassiert mich auch Christian. ASL2Dann geht es über meine ehemalige Hausstrecke vorbei am Ufer des Müggelsees zurück Richtung Altstadt. Mein Tempo wird zusehends langsamer, im Vollbesitz meiner Kräfte bin ich anscheinend nachwievor nicht. Trotzdem laufen wir zu dritt bis zur 8km-Marke zusammen, ich darf bis dahin artig den Windschattengeber spielen. Als wir gerade wieder Asphalt unter den Füßen haben, ziehen beide an mir vorbei. Gerechnet hatte ich damit schon viel früher. Das sind genau solche Momente beim Laufen, bei denen einzig und allein der Kopf gefragt ist. Das Tempo war jetzt nicht übermäßig schnell, trotzdem ist die Lücke schnell 15m groß und ich gebe mich geschlagen. Fast. Nach einigem gedanklichen Hin und Her verpasse ich mir einen Tritt in den Allerwertesten und laufe die Lücke wieder zu. So weit war es ja nun nicht mehr! Einmal Tempo aufgenommen, ziehe ich wieder an beiden vorbei. Der Atmung nach zu urteilen bleibt nur Geoffrey dran und klebt an mir wie eine Klette. Die letzten Kurven durch die Altstadt ziehen sich wie Kaugummi, aber es klappt: ich kann ich die Position bis ins Ziel in der Freiheit 15 retten. Auch wenn am Ende wieder gut 20s auf die Bestzeit fehlen, bin ich doch froh, dass ich zum Schluß nochmal zulegen konnte. Und die Ausrede, dass dies keine Bestzeitenstrecke ist, die gilt doch immer *G*?

Soviel wird jetzt diese Woche nicht mehr passieren. Ich darf mein Super-Tapering nicht mehr gefährden! Zwei lockere Läufe sollten noch drin sein, bevor es dann am Samstag nach Lübbenau geht. 22km Einrollen durch das Biosphärenreservat, um dann am Sonntag in Burg am Marathonstart zu stehen. Meine letzte Generalprobe vor 3 Wochen lief völlig problemlos. Zeitvorgaben mache ich mir fast keine. Ein nice-to-have Ziel wäre eine 2 vor dem Komma am Sonntag. Und wenn es nicht klappt: ich gehe das Experiment “Läuferkrone” (HM+M) ganz bewußt ein – auch mit der Option zu scheitern. Vielleicht sage ich ja auch im Nachhinein: Marek, das war eine Nummer zu groß für dich. Obwohl ich an diese Möglichkeit (fast) keinen Gedanken verschwende. So, ich muss jetzt weitertapern.

von Running Twin Marek am 29. März 2015 · 15 Kommentare · Kategorien: Wettkampfbericht

11046359_843600579047103_5835966622021951267_oEtwas ruhiger ist es geworden nach Henriks erstem Ultra-Trail in den Bergen Gran Canarias Anfang des Monats. Bei ihm standen die Zeichen auf Regeneration, die ist ja bekanntermaßen genauso wichtig wie das Training selbst. Ein richtig schneller Halbmarathon kam deshalb heute für ihn nicht in Frage. Bei mir war die Ausgangslage etwas anders: ich wollte den Lauf drei Wochen vor dem Spreewald-Marathon als echten Formtest benutzen. Die Umfänge im März waren ausnahmslos gut, so dass ich mir berechtigte Hoffnungen auf eine Zeit unter der Marke von 01:20 machte. Aber es sollte nicht sein heute: die Wunschzeit hatte ich schon nach 10km gedanklich abgehakt. Hier war ich zwar zeitlich noch im Soll, aber es fehlte die Lockerheit in den Beinen. Ich musste einiges zusetzen für das geplante Tempo und hatte nicht die nötige Kraft für Hälfte zwei. Dass heute kein Tag der Bestzeiten war, lag mit Sicherheit auch an den äußeren Bedingungen. Der Wind pustete an mehreren Stellen sehr ordentlich, meistens genau dann, wenn ich alleine unterwegs war und keinen Windschatten nutzen konnte. So konzentrierte ich mich letztendlich darauf, das Rennen vernünftig zu Ende zu bringen und nicht einzubrechen. Wenigstens das klappte dann, die Unterstützung der Zuschauer hat aber einiges dazu beigetragen. Immer wieder schön zu sehen, wieviele in Berlin (trotz des miesen Wetters) an der Strecke stehen und unermüdlich anfeuern und motivieren. Und so wurden es am Ende Zeiten, mit denen wir zwar zufrieden waren, die aber noch Luft nach oben bedeuten:

  • Henrik: 01:29:46 (53s fehlen zur PB)
  • Marek: 01:21:40 (12s fehlen zur PB)

Auch viele Top-Läufer konnten heute die hohen Erwartungen nicht erfüllen: Arne Gabius musste sich bei km13 mit Bauchkrämpfen übergeben und – das verdient großen Respekt – joggte mit “uns” noch locker nach 01:21 ins Ziel.

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Nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf. Die nächste Zeit steht ganz im Zeichen der Vorbereitung auf die in 3 Wochen anstehenden Aufgaben. Und Selbstvertrauen kann man nicht nur mit Bestzeiten tanken. Auch ein Lauf, der schwerer ist als erwartet und bei dem man auf die Zähne beißen muss, hilft enorm, um sich mental aufzubauen. Heute freuen wir uns über den sicher nicht perfekten, aber nach 4 Jahren Abstinenz für uns erfolgreichen Berliner Halbmarathon. Schon in 6 Wochen starten wir wieder gemeinsam in der Hauptstadt beim BIG25, bevor es eine knappe Woche später zum nächtlichen Run&Bike nach Neuzelle geht. Dann hoffentlich bei wärmeren Temperaturen und mit viel Sonnenschein!

von Henrik am 16. März 2015 · 12 Kommentare · Kategorien: Aktuelles, Ausrüstung

UA_Training_Challenge_Munich_1Etwas zu militärisch angehaucht kommt diese Überschrift daher. Doch im übertragenen Sinne rollt ein frischer Anbieter gerade den Laufmarkt in Deutschland auf. Von Under Armour hat man schon mal gehört und vielleicht das eine oder andere Kleidungsstück im Schrank, vor allem bei den Kompressionsshirts. Die Offensive auf deutschem Boden ist beispiellos. Was steckt dahinter? Müssen sich die Platzhirsche wirklich vor dem amerikanischen Hersteller und seiner Marketingarmada fürchten? Und was taugen die Klamotten? Eine Einschätzung.

Für Sichtbarkeit hat jüngst die Meldung gesorgt, dass Adidas auf dem amerikanischen Markt von UA auf den dritten Platz verdrängt wurde. Gegen Nike ist kein Kraut gewachsen und der amerikanische Markt ist seit jeher für Adidas schwierig. Aber dass UA nun auf dem deutschen Markt im Fitness- und Running-Segment voll angreift, wird spannend zu beobachten sein. In drei Jahren möchte man unter die Top 3. Bescheidenheit ist Fehlanzeige. In München startete UA in Sichtweite zum ISPO-Gelände die “Earn Your Armour”-Kampagne mit einem gutbesuchten Outdoor-Trainingscamp.  (c) facebook.com/underarmourEs soll wohl recht kühl gewesen sein. Ich hätte gerne teilgenommen, laborierte aber an Kniebeschwerden. Die neue Deutschland-Zentrale entsteht derzeit in München-Thalkirchen und wird noch im 2. Quartal den Betrieb aufnehmen. Als ob das nicht genug sei: früher oder später wird UA auch direkt in Adidas’ Domäne wildern und einen Verein der 2. Fußball-Bundesliga ausrüsten. Der deutsche Onlineshop wurde bereits im September 2014 an den Start gebracht.

UA_Apps_LogosIm Februar hat UA die Fitness-Plattformen MyFitnessPal und Endomondo übernommen. Bereits 2013 wurde MapMyFitness gekauft. Zusammen kommen alle drei Anbieter Schätzungen zufolge auf mehr als 130 Millionen Nutzer. Es ist anzunehmen, dass eine gemeinsame Community geformt werden soll. Mehrheitlich dürften Läufer Endomondo & Co. nutzen. Doch die Konkurrenz ist knüppelhart und hat teilweise eigene Hardware. Nike Running hat erst kürzlich die Plattform für Apps von Drittanbietern geöffnet. Es bleibt abzuwarten, ob UA die übernommenen Angebote wirklich zu einer einheitlichen, schlagkräftigen Plattform zusammenführen kann. Zumindest die Nutzerbasis ist da. Aber die muss man erstmal halten bei dem intensiven Wettbewerb auf dem Gebiet der Fitnesstracker.

ÖjendorferSeeMRT_4Durch den Winter bin ich mit so einigen Stücken aus der ColdGear-Kollektion gelaufen. Vor allem die Evo Compression-Legging (ok, an dem Namen muss man noch arbeiten) hat es mir angetan. Früher bin ich im Winter auch gern in kurzen Hosen gelaufen. Aber warum, wenn eine lange Hose die Beweglichkeit kaum einschränkt und so warmhält. Zudem half mir das ColdGear Infrared Longsleeve Tee unter der Laufjacke über so manche sehr kalten Läufe. Die Handschuhe taugten leider nichts, was aber auch an meiner hohen Empfindlichkeit an den Händen liegen mag. Als zweite Schicht haben sie aber ihren Dienst erfüllt. Die ColdGear Infrared Chrome Lite-Laufjacke habe ich leider nicht testen können. Die Kompressionsshirts finden wir beide richtig gelungen. Im Winter dienen sie als erste Schicht, im Sommer kann man die zum Laufen auch getrost als einzige Schicht ausführen. Auf den StormFit Hoodie haben wir sogar mal unser Logo aufnähen lassen. Hier sind auf jeden Fall konkurrenzfähige Produkte im Angebot. (c) underarmour.deBei den Schuhen wird es kniffliger. Die SpeedForm-Serie ist die Laufschuhreihe. Mit dem extrem leichten SpeedForm Apollo Vent (Sprengung: 8 mm) und dem SpeedForm Gemeni sind zwei recht gewagte Produktvariationen im Angebot. Ein mahnendes Beispiel sollte K-Swiss sein. Im Jahr 2013 gab K-Swiss den Vertrieb von Laufschuhen in Deutschland auf. Und inzwischen kämpfen noch einige mehr um ein Stück von dem Kuchen. Habt ihr schon Erfahrungen mit den Schuhen machen können?

Am vergangenen Samstag gab es einen Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Monaten folgen wird.

In einem großen Sporthaus in München veranstaltete UA die “Training Challenge” und bat Besucher spontan auf die Hantelbank, an die Kettlebell und Klimmzugstange. Wer die meisten Wiederholungen an dem Tag schaffte, konnte eine Vollausstattung mitnehmen. Die sportlichen Besucher waren sehr angetan und machten eifrig mit. Nun zielte die Aktion vor allem auf die Fitnessstudio-Gänger. Beim nächsten Mal wird bestimmt eine Challenge auf dem Laufband angeboten. Genug Rüstzeug ist jedenfalls vorhanden. Die Platzhirsche sollten sich ihres zurechtlegen.

TGC_Titelbild_1Als ich im Anfang Januar die Anmeldung für den Transgrancanaria Advanced elektronisch nach Las Palmas schickte, war ich mir meiner Sache sehr sicher. Es sollte mein erster Ultratrail werden, gedanklich hatte ich das sehr viel früher beschlossen. Die Form war so gut wie nie, noch im Dezember lief ich fast locker meine lang ersehnte Marathonbestzeit. Nichts sollte dem Abenteuer Transgrancanaria im Weg stehen. Aber es lief zu gut. Nach dem 15 Km-Lauf der Münchner Winterlaufserie hatte ich schlagartig Kniebeschwerden und auch die Hüftmuskulatur bereitete nie gekannte Probleme. Die jährliche Leistungsdiagnostik nach zwei Wochen Laufpause brachte ein durchwachsenes, aber zumindest kein vernichtendes Ergebnis. Zwei Wochen vor dem Start setzte mich die erste Erkältung nach zwei Jahren außer Gefecht. Zudem war klar, dass Marek keinen Startplatz mehr bekommen würde. Kann man unter diesen Voraussetzungen einen Lauf über 84,7 Km mit 4.800 Höhenmetern wagen? Noch nie war ich mehr als 56 Km am Stück gelaufen.

Transgrancanaria 2015 02Auf Gran Canaria stellte sich die Situation gleich freundlicher dar. Die Sonne, eine Landhaus mit irrer Kulisse in den Bergen und gleich ein lockerer Lauf auf dem letzten Teil der Strecke, das gab mir einen Schub. Ultratrailer Andi machte mir Mut, er hatte das Rennen im letzten Jahr auf dem 16. Platz beendet und kannte die Strecke. “Irgendwann ist es egal, wie lange du läufst”. Marek und ich waren beim Run&Bike mal 7h unterwegs. Aber mehr als 12 Stunden? Ein letztes Training am Dienstag auf der Strecke mit dem Aufstieg zum Roque Nublo konnte mich zumindest nicht entmutigen. Und als ich die Startnummer am Donnerstag eingesackt hatte, war der Point-of-no-return erreicht. Ich würde mich am Samstagmorgen um 7:00 Uhr in Fontanales an die Startlinie stellen. Ich kannte drei Viertel der Strecke, hatte zweimal den Transgrancanaria Marathon gefinished (der mit seinen 44 Km im Übrigen kein Marathon ist). Das musste jetzt reichen. Niemand würde mich abhalten, mittendrin auszusteigen und mich von Gregor einsammeln zu lassen. Außer mir selbst.

Transgrancanaria 2015 08Im Startbereich ging mir sowas von die Düse. Ein wüstes Gemisch aus Adrenalin, Nervosität, berauschender Atmosphäre, Ungläubigkeit, ich konnte es nur geschehen lassen, ohne Einfluss auf die Dinge zu nehmen. Wie lange stand ich im Startbereich? Kann mich nicht erinnern. Schon knallte es und die angestachelte Meute hetzte hoch Richtung Sonnenaufgang. Die Beine waren Blei, ich musste mich konzentrieren, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Bloß nicht mitreißen lassen, Stau vor dem ersten Singletrail ist gut. Sehr langsam kam ich in Bewegung. Die erste und einzige mentale Krise kam beim Km 80-Schild. Noch 80 Km bis ins Ziel? Ja, ich hatte richtig gelesen. Noch war Zeit umzudrehen. Es ist ein Fehler, über die Distanz nachzudenken. Besser, von Meilenstein zu Meilenstein denken. Und so beschloss ich, die Kilometerangaben zu ignorieren. Ich zog in aller Ruhe die Windjacke aus und schob mich mit der Läuferschlange runter in das Bergdorf Teror. Dort würde Gregor auf mich warten.

Eine interessante Mischung von Leuten nimmt an so einem Lauf teil. Da sind die Ultrafreaks, die sich mit Hightech-Ausrüstung ununterbrochen redend auf einen langen Spaziergang begeben. Da sind junge Mädels, die mit pinkem Laufrock und Minimalausrüstung die Berge hochschweben. Und junge Männer, die sich mal auf ein richtiges Abenteuer begeben wollen. Man hat viel Zeit, um mit anderen Läufern in Kontakt zu kommen. So manchen habe ich gefühlte zehn Mal überholt. Weitgehend ist das Rennen jedoch einsam. Aber für ein paar Kilometer kommt dann doch wieder jemand, der dich den Anstieg hochzieht und ein paar aufmunternde Worte für dich hat. Es ist ein sehr höflicher Umgang miteinander, den ich noch bei keinem anderen Lauf erlebt habe. Jeder hat so seine Krisen. Und als mir später wirklich kurz vor dem Verpflegungspunkt das Wasser ausging, ich bin mir sicher, jeder Läufer hätte mir ausgeholfen. Es ist irgendwie auch schön, dass es eben nicht auf jede Minute ankommt.

Transgrancanaria 2015 12In Teror war ich etwas vor der geplanten Zeit. Aber das hieß gar nichts. Es war immer noch warmlaufen. Der Wassertank war bereits leer – ich hatte auf 13,6 Km bereits 1,5 Liter getrunken. Am Ende des Tages werden es mehr als 10 Liter Wasser und 2 Liter Cola sein. Ein kurzer Plausch am Verpflegungspunkt, weiter ging es nach oben über viele Treppenstufen. Die ersten hatten hier schon schwer zu kämpfen. Nichts gab es auf dem ersten und längsten Anstieg zum Cruz de Tejeda, dem geografischen Mittelpunkt der Insel, zu gewinnen. Der Weg führte über Talayon, oben war es streckenweise stürmisch und wir mussten aufpassen, nicht vom Hang gefegt zu werden. Einen Teil des Weges sind wir beim Marathon vor zwei Jahren in anderer Richtung gelaufen. Der Abstieg nach Tejeda machte richtig Spaß und zum ersten Mal ließ ich es etwas laufen. Die Sonne hielt sich zurück, das machte das Laufen sehr angenehm. Unten angekommen holte mir Gregor fix eine Cola aus der Bodega und keine 10 Minuten später war ich auf dem Weg zur Königsetappe. Ich fühlte mich gut, aber das hieß gar nichts nach noch nicht einmal 30 Kilometern.

Was nimmt man so mit auf die lange Reise? Vorgeschrieben sind eine Wind-/Regenjacke, ein Wassertank mit mindestens 1,5 Liter Volumen, eine Rettungsdecke, Stirnlampe mit Ersatzbatterien, rot blinkendes Rücklicht, Telefon und ein Plastikgefäß für das Abfüllen von Getränken. Der Rucksack kommt somit schnell auf 3 Kg Gewicht. Der Veranstalter behält sich vor, Teilnehmer zu disqualifizieren, die beim Materialcheck nicht alles vorzeigen können. Im letzten Jahr hatte Arista den TGC-Sieger Ryan Sandes disqualifiziert, er hatte die Frage nach der Rettungsdecke verneint. Alles nur ein sprachliches Missverständnis, wie sich später total überraschend herausstellte. Mit der englischen Sprache hat man es nicht so, aber trotzdem versteht man in Sachen Mindestausrüstung keinen Spaß. Ich fragte mich schon, wie in so manche Ein-Hauch-von-nichts-Rucksäcke 1,5 Liter Wasser reinpassen sollten. Obwohl The North Face der Titelsponsor ist, ist der Transgrancanaria ein Salomon-Festival. Stöcke sind nicht verpflichtend und ich habe keine genommen, damit würde ich nur andere Läufer verletzen. Viele merken aber gar nicht, wie weit sie mit ihren Stöcken nach hinten ausschlagen und dass es auf schmalem Wege schwerer ist, einen Stocknutzer zu überholen. Und dieses ständige Geklacker…

Transgrancanaria 2015 20Landschaftlich ist der Transgrancanaria ein extrem reizvoller Lauf. Gran Canaria wird aufgrund der zahlreichen Vegetationszonen als Miniaturkontinent bezeichnet. Man kann spektakuläre Ausblicke genießen auf dem Weg gen Süden, wenn man nur Zeit hätte. Ab und zu knipste ich ein Selfie, ich hatte es nicht so eilig. Die Strecke führt auch über den Roque Nublo – das Wahrzeichen Gran Canarias. Der “Wolkenfels” ist ein zusammengefallener Vulkankegel, von dem nur noch das Kerngestein übrig ist. 50 Meter vor dem Roque ist ein Checkpoint mit Zeitnahme. Der Aufstieg fiel mir nicht schwer, ich hatte den Abschnitt am Dienstag vorher belaufen und sammelte auch mit nur zügigem Hochgehen einige Läufer ein. So langsam fing das an, Spaß zu machen. Vielleicht war ich hier etwas besoffen vom Flow. Oben schiebt man sich vorbei an den Touristen auf der Pendelstrecke erst hoch, lässt den Chip scannen und läuft wieder runter zum Parkplatz. Nach 5:30h steuerte ich schon nach unten. Das war eine halbe Stunde vor Plan.

Auf dem Campingplatz von El Garañón, Startpunkt des Marathons auf ca. 1.600 m, kam ich um 13:00 Uhr an. Das ist Km 39 für den Advanced und Km 82 für die 127,5 Km-Läufer. Hier gibt es Suppe, ein paar Schlafstellen und mehr Ultra-Verpflegung. Es fühlt sich wie Halbzeit an. Dieser Punkt ist mental ein enorm wichtiger Meilenstein. Jetzt kam ja schließlich nur noch die Marathonstrecke vom letzten Jahr. Diese beginnt aber mit dem Anstieg auf den höchsten Punkt der Strecke: den Pico de las Nieves. Gute 300 Höhenmeter sind auf einem recht steilen Waldstück zu klettern. Hier kam ich schnell an meine Grenzen und musste mehrere Pausen einlegen. Im Schneckentempo stapfte ich mit zwei anderen Läufern hoch. Das war knüppelhart. Auf etwas über 1.900 m durchläuft man einen Messpunkt und von nun an geht es (fast) nur noch runter. Der Weg nach Tunte ist ein recht steiniger Downhill, der aber gut zu laufen ist. Da mich der Weg zum Pico viel Kraft gekostet hatte, lief ich nun sehr langsam und vorsichtig – noch war es ein weiter Weg, noch war nichts gewonnen.

Selbstverständlich hat jeder Möchtegern-Trailläufer eine GPS-Uhr dabei. Ich hatte mir im letzten Jahr die Suunto Ambit 2S zugelegt, in der Hoffnung, dass ich damit auch mal ein längeres Rennen aufzeichnen könnte. Leider stellte die Uhr nach knapp 7 Stunden auf dem Abstieg nach Tunte mit der Meldung “Batterie laden” den Dienst ein. Immerhin bleibt sie an und zeigt noch die Uhrzeit an, das war für mich weiterhin wichtig. Die Genauigkeit der GPS-Erfassung war auf Stufe 2 von 4 eingestellt, also nur “gut”. Die avisierten 12h erreicht man damit jedoch nicht. Das Aufzeichnungsintervall war nur auf 10s gestellt. Das ist schon schwach für eine Uhr, die auf längere Touren ausgelegt ist, hier hatte ich mir von der Ambit mehr erwartet. Aber selbst mit Aufzeichnung bewegen sich die Beine nicht von allein. Wer sich Zeit für einen Blick in westliche Richtung nimmt, ist erstaunt, wie weit der Roque Nublo schon weg ist.

Transgrancanaria 2015 30Mehr als 30 Minuten langsamer als beim letztjährigen Marathon war ich auf dem Abschnitt nach Tunte. Die steinigen Wege liefen sich jetzt nicht mehr so flüssig. Auch der Kopf wurde zunehmend müde und erst die Cola am Verpflegungspunkt machte mich wieder wach. Gute 33 Kilometer inkl. eines kleineren Anstiegs standen noch zwischen mir und dem Ziel. Es geht aus Tunte, übrigens der alte Name für San Bartolmé de Tirajana, erstmal hoch auf die Bundesstraße und dann rechts weg auf einen Wanderweg. Ich lief die Steigungen nicht, um Kraft für den noch vor mir liegenden sehr unangenehmen Downhill nach Arteara zu sparen. Wenn ich bis 17:00 Uhr unten bin… Die Rechnung war spätestens hinfällig, als ich mich hinlegte. Es ist nur eine Geröllhalde, die aber sehr viel schwieriger zu passieren ist, wenn man bereits 65 Kilometer in den Beinen hat. Langsam und ohne weiteren Sturz quälte ich mich runter und machte drei Kreuze, als ich endlich Gregor am Checkpoint traf.

Was denkt man so auf dem Weg? Ich bin ja nicht der große Nachdenkliche während des Laufens. Die Strecke bietet kaum eine Gelegenheit, um sich gedanklich woanders hintragen zu lassen. Eine Unkonzentriertheit, ein falscher Tritt und das Rennen endet mit Knochenbruch im Krankenhaus – wie leider für so einige. Trotzdem arbeitet das Hirn. Ich habe oft an den Abend gedacht und den Wunsch, es pünktlich zum Essen zu schaffen. Zu keinem Moment aber an Aufhören. Spätestens nach der “Halbzeit” in Garañón war ich mir sicher, dass ich ankomme. Der mentale Anteil an so einem Unternehmen ist hoch: körperliche Fitness ist die notwendige Bedingung. Hinreichend ist aber die Bereitschaft, alles zu geben und die Überzeugung, dass es möglich ist. Niemals darf man den Respekt vor der Strecke, vor der Natur und vor der Aufgabe verlieren.

Transgrancanaria 2015 31Was sollte schon noch passieren auf den finalen 18 Kilometern? Der wirklich letzte Anstieg durch die Nekropolis von Arteara (mal wieder Steine, yeah) war harmlos, dann hangelte ich mich mit abwechselndem Laufen und Gehen durch. Gerne wäre ich hier wie im letzten Jahr zügig gelaufen, aber die Beine waren nicht mehr verhandlungsbereit. Mit den letzten Sonnenstrahlen erreichte ich den letzten Verpflegungspunkt, setzte mich ein paar Minuten, plauderte mit den anderen Bekloppten, füllte nochmal den Wassertank auf lief auf die “Zielgerade”. Es geht unter der Autobahn durch auf einen Feldweg und dann direkt in ein trockenes Flussbett, gern “Flussbett des Grauens” genannt. Der Boden ist uneben und man muss aufpassen, um nicht zu stolpern. Gute vier Kilometer zieht sich der Kanal, bevor man auf den Weg zum Strand gelassen wird. Ich war zu faul, die Stirnlampe rauszuholen. Als Schmankerl schickte uns der Streckenposten dann noch 500 Meter durch den Sand bis zum Leuchtturm. Fluchten hier einige? Verschwendete Energie. Mit jedem Schritt wurde ich schneller und flog gefühlt die Strandpromenade von Meloneras rauf. Hier war das Rennen im letzten Jahr beendet, warum nun noch 1.500 Meter vorbei am Einkaufszentrum und hoch zur Expo folgten, bleibt das Geheimnis von Arista. Die Jungs sahen mich von weitem auch ohne Stirnlampe und einen Kreisverkehr plus Ehrenrunde später war es passiert.

Angekommen nach 12 Stunden, 57 Minuten, 31 Sekunden.

TGC_6Ein unbeschreibliches Gefühl. So ganz hatte ich das noch nicht geschnallt, dass ich das gesamte Tageslicht lang fast 85 Km über diese Insel gelaufen bin. Vielleicht war das der Schlüssel. Träume gehen von Träumen nicht in Erfüllung. Man muss es einfach machen. Noch lange werde ich an diese unvergesslichen 13 Stunden zurückdenken. An diese Stunden zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.

 
 
 

Einen tollen Clip hat der Bert zusammengeschnitten:

Ausrüstung:

  • Kopfbedeckung: Buff High UV Protection
  • Sonnenbrille: Oakley Flak Jacket XLJ
  • Jacke: Puma Lighweight Laufjacke
  • Hose: Salomon S-lab Exo Short Tight
  • Beinlinge: Salomon Exo Calves
  • Schuhe: Brooks PureGrit 3
  • Trinkrucksack: Salomon Advanced Skin 5
  • GPS-Uhr: Suunto Ambit 2S
  • Schweißband: x-Bionic Wallabe
von Running Twin Marek am 01. März 2015 · 8 Kommentare · Kategorien: Strecken, Trainingstagebuch, Wettkampfbericht

11043122_10205205254984739_5430078837580160332_nBesser hätte das Laufjahr nicht anfangen können: bei den drei Läufen der Berliner Winterlaufserie standen am Ende zwei neue persönliche Bestzeiten über 15k und dem Halbmarathon. Und auch bei den 10k fehlten am Ende nur 4s. Der gute Eindruck aus dem Wintertraining hat sich da mehr als bestätigt. Aber die gute Frühform hat noch nicht allzuviel zu bedeuten. Schauen wir uns mal die Ziele im ersten Halbjahr an. Nach 2012 will ich im April wieder an den Ort meines ersten Marathons zurückkehren. Der Spreewald-Marathon, den ich eigentlich schon letztes Jahr laufen wollte, wirft seine Schatten voraus. Diesmal aber unter erschwerten Bedingungen: bereits am Samstag geht es 22km um Lübbenau, um dann am Sonntag die klassischen 42,195km rund um Burg zu absolvieren. Bei der “Läuferkrone”, einer speziellen Wertung des Spreewald-Marathons, werden am Ende beide Läufe zusammen gewertet. Die Frage wird sein: wie kann man am besten nach dem Halben regenerieren, so dass vielleicht nicht 100%, aber doch viel Kraft für den Marathon noch vorhanden ist? Habt ihr Tipps dafür?

20150301_084740Heute ging es nach letztjähriger Abstinenz wieder um den Frauensee. Vor 2 Jahren bin ich dort noch die 15km gelaufen, heute waren es die 30km, die ich als ersten ernsten Test in der Marathonvorbereitung sah. Nachdem uns unter der Woche tollstes Frühlingswetter beschert wurde, fing es heute morgen -pünktlich zum Start- an zu regnen. Die 30km sind eher dünn besetzt, zu so einem frühen Zeitpunkt in der Saison trauen sich da noch nicht viele heran. Ca. 90HM sind auf dem 7,5km-Rundkurs zu überwinden. Flach ist anders. Eine Runde konnte ich mit Uwe Länger vom 1. FC Union noch zusammen genießen. Er erzählte mir, welche Erinnerungen er mit diesem Lauf verbindet. Meine Taktik, in einfach so lange wie möglich in ein Gespräch zu verwickeln, sollte aber natürlich nicht aufgehen: im Trubel der Umrundungen der 7,5km- und 15km-Läufer konnte ich nicht mehr dranbleiben. Und so schnell wollte ich eh nicht, die 2h-Marke hatte ich aber schon im Visier (ich überlege schon die ganze Zeit, ob ich mir den Lauf mit dem Hinweis “Marathontempo” eintrage). Aber wie das so ist, auf jeder Runde werden die Anstiege länger und höher. Teilweise hat man das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Nach der dritten Runde war ich mit 01:28 noch locker im Soll. Aber da ahnte ich schon, dass die letzte Runde mir alles abverlangen würde.

Irgendwie hatte ich trotzdem schon beim Beginn der Runde nach 22,5km Frieden mit den 2h geschlossen. Warum eigentlich? Ich hatte ja noch Luft! Die Strecke war jetzt zunehmend leerer (die 7,5km und 15km waren durch), an den Überrundungen konnte man sich folglich nicht mehr aufbäumen. Und die Anstiege zeigten ihre Zähne. Von dem Wetter wollen wir mal gar nicht sprechen. Wie gut, dass ich meine Laufjacke noch dabei hatte. Irgendwie näherte ich mich trotzdem auf dem mittlerweile ordentlich vom Regen durchweichten und rutschigen Boden dem Ziel. Uwe war schon duschen, als ich ziemlich fertig dem Ziel zusteuerte und meinen 2. Platz bereits gedanklich einordnete. Was dann passierte, konnte ich gar nicht so schnell realisieren: Dennis kam völlig unerwartet von hinten und überrannte mich im Fotofinish kurz vor dem Zielstrich:


Nicht, dass ich jetzt eine letzte rekordverdächtige Runde hingelegt hätte, aber manchmal hat es auch seine Vorteile, wenigstens einmal zurückzuschauen! Die Überraschung ist ihm jedenfalls gelungen. Mit der gleichen Zeit von 02:00:59 tauschten wir dann mal eben noch unsere Podiumsplätze. Geile Aktion Dennis!

Nun geht mein Blick zum Berliner Halbmarathon am 28. März. Die sub 01:20 sind nachwievor mein Ziel. Wenn es trainingstechnisch weiter so gut klappt, ist dieses Ziel auch durchaus realistisch. Einen Wermutstropfen gibt es leider noch zu vermelden: ursprünglich wollten die Running Twins am kommenden Wochenende gemeinsam den Transgrancanaria Advanced (82km) rocken, aber leider war der Trail im Januar schon ausverkauft und ich konnte mich nicht mehr anmelden. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, muss Henrik das Ding am Samstag früh alleine durchziehen. Die wahrscheinlich größte sportliche Herausforderung, die er jemals vor sich hatte. Wir halten die Daumen!

LSS_5Wo kauft ihr eure Laufschuhe? Das Internet als Bezugsquelle nimmt zwar stetig zu, aber die breite Mehrheit der Läufer wendet sich an das Laufschuhgeschäft des Vertrauens. Dort läuft dann gewohnte Programm. Man möge doch barfuß auf das Laufband paar Schritte bei langsamer Geschwindigkeit laufen. Der Berater zeichnet einen Clip der Abrollbewegung der Füße auf, den er dem beeindruckten Läufer dann in Zeitlupe vorspielt. Diese Analysetechnik hat das Ziel, die Abrollbewegung des Fußes in die Kategorien “supinierend”, “neutral pronierend” und “überpronierend” einzuteilen. Auf der Basis dieser Entscheidung wird dem Läufer ein “Stabilschuh” oder ein “Neutralschuh” empfohlen. Der Stabilschuh enthält eine mehr oder weniger ausgeprägte sog. Pronationsstütze auf der Schuhinnenseite, die der übermäßigen Eversion, also der vermeintlich zu großen Drehung des Fußes um seine Längsachse, entgegenwirken soll. Die Beratung auf der dieser Grundlage erfolgt täglich tausendfach in den Laufschuhgeschäften.

Die Bloggerfraktion des Laufschuhsymposiums

Die Bloggerfraktion des Laufschuhsymposiums

Auf dem Laufschuhsymposium, das die Runnersworld zum zweiten Mal im Rahmen der ISPO abgehalten hat, wurde dieses Prinzip der Laufschuhauswahl und -Klassifizierung (mal wieder) zu Grabe getragen. Mal wieder, weil das nicht die erste Grabrede dieser Art war. Benno Nigg, Professor für Biomechanik der Universität Calgary, läutete mit seinem Vortrag die Totenmesse für die Pronation als “gefährliche Variable” ein. Er begründete anhand wissenschaftlicher Studien, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Verletzungshäufigkeit und der Pronation des Fußes gebe. Vielmehr zeigten Studien, dass Verletzungen mit dem gefühlten Komfort des Laufschuhs korrelieren. Prof. Brüggemann von der Deutschen Sporthochschule Köln nahm den Faden sogleich auf und versuchte sich an der Demonstration eines wissenschaftlichen Ansatzes, wie der “Komfort” messbar gemacht werden könne. Grundlage dafür könnten die Kräfte sein, die auf das Knie wirken. Überhaupt, das Kniegelenk sei der viel wichtigere Ausgangspunkt, um die Wirkung eines Schuhs auf den Bewegungsapparat und damit die Ursache von Laufverletzungen beurteilen zu können. Die Grundidee dabei ist, die “bevorzugte/habituelle Bewegung” des Kniegelenks durch den Laufschuh nicht zu verändern und damit zu stören. In einer Demonstration gelang es Brüggemann, zumindest bei beiden Probanden einen messbaren Zusammenhang zwischen der bevorzugten Kniebewegung und dem Komfort des Schuhs herzustellen. Die Methode ermittelt den “Preferred Movement Path” durch simple Kniebeugen.

(c) Brooks RunningWirklich neu sind die Erkenntnisse nicht. Bis die Hersteller diese konzeptionell verwerten, dürfte es aber noch Jahre dauern. Seit den ersten Grabreden ist nichts Nennenswertes passiert. Man bedenke, wie lange man brauchte, um den Einfluss der Dämpfung einzuschätzen. Brooks versucht sich zusammen mit der Wissenschaft an einem Prinzip namens “Stride Signature“, das den bevorzugten Bewegungsablauf als Basis der Laufschuhentwicklung sieht. Im “Transcend” kam das Prinzip erstmals zur Anwendung. Grund genug für den Laufschuhkäufer, sehr skeptisch zu sein, sobald man auf das Laufband gebeten wird. Ich kann mich an einen Laufschuhkauf vor ca. 10 Jahren in Berlin erinnern. Der Verkäufer, ein ehemaliger Leistungssportler, erklärte mir ungläubigem Laufeinsteiger, ich solle einfach die Augen schließen, ein paar Schritte gehen und den Schuh nehmen, der sich komfortabler anfühlt. Ob er schon damals ahnte, was die Wissenschaft sehr viel später nachweisen würde? Ein Laufband mit Videoanalyse gab es in seinem Laden jedenfalls nicht.

von Running Twin Marek am 26. Januar 2015 · 10 Kommentare · Kategorien: Wettkampfbericht

20150126_212344Zugegeben, es war ein Experiment. Wettkämpfe im Januar? Da stehen in meiner Laufhistorie bisher nur zwei Einträge: 2010 und 2013 bin ich beim Berliner Towerrun in Neukölln gestartet. Als echte Standortbestimmung dienten diese Ausflüge in die Treppenlaufszene aber nicht. Da sieht es bei der Winterlaufserie des BSV anders aus: drei Termine innerhalb von drei Wochen im grauen Januar. Eine Zeit, in der ich die vergangenen Jahre eher etwas “konservativer” trainiert habe. Da die Serie dieses Jahr bereits zum 42. Mal stattfand, kann man das Attribut des Klassikers durchaus gelten lassen. Natürlich steht bei der Anmeldung der unbändige Ehrgeiz, alle drei Läufe über 10km, 15km und 21,1km auch durchzuziehen und somit in die Serienwertung einzugehen. Aber die Erkältungswelle schlägt auch bei den so fitten Läufern gnadenlos zu und so mußten einige gestern den letzten Kanten vernünftigerweise sausen lassen. Ich blieb zu meinem Glück davon verschont und konnte durchaus selbstbewußt mein Ziel “Platz 1 in der M35″ angehen.

“8 Runden + Einlaufrunde” hieß es vor dem Start, aber da sowieso keiner in der Lage ist, sich das zu merken, einigte man sich auf die Parole “9 Mal den Berg hoch”. Wobei “Berg” etwas übertrieben ist für den kleinen Anstieg neben der A100, aber die 200m bringen einen schon jede Runde etwas aus dem Rhythmus. Vorne machen Tobias und Stephan von Fortuna Marzahn den Sieg unter sich aus. Ich konnte mich noch glücklich schätzen, von den beiden nicht überrundet worden zu sein! Insgesamt laufe ich ein halbwegs konstantes Rennen, der Anfang ist nicht so fix wie über 10k und 15k, sodass ich zwar ab km7 etwas rausnehmen muss und die gute Gruppe mit Reiner und Christian sprenge, aber doch noch recht komfortabel unter den magischen 4min/km bleiben kann. Tja, viel passiert auf dieser öden Strecke nicht. Wäre da nicht dieser Anstieg und das unermüdliche Fotografieren und Anfeuern von Sahra (alle Bilder sind von ihr, danke dafür!) – es könnte einem fast langweilig werden.

Irgendwann bricht dann aber endlich die letzte Runde an. André zieht plötzlich recht entspannt an mir vorbei, ich kann sein Tempo dann aber etwas nutzen und in Reichweite bleiben. Die Stadionrunde geht immer hervorragend am Ende – das Ziel ist ja in Sicht! Mit 01:21:28 bin ich glücklich. Der nächste M35-er kommt 3s hinter mir rein – ich hätte also nicht trödeln dürfen! Überhaupt sind diese Zeiten bei dieser Serie wie vom anderen Stern. Ich kann mich an keinen Volkslauf erinnern, der so gut besetzt war. Mit dem Resultat nähere ich langsam meinem Jahresziel – der 01:20 auf dem Halbmarathon. In der Serie reicht es sogar zum 7. Platz. Mit 02:54:56 (10k+15k+21,1k) hätte ich vorher niemals gerechnet. Vielleicht sollten wir unsere Wettkämpfe wirklich nur noch im Winter machen :-)?

von Running Twin Marek am 13. Januar 2015 · 12 Kommentare · Kategorien: Wettkampfbericht

10517211_10205719088881326_5422403866579785958_oIm Winter werden die Sieger des Sommers gemacht. Wahrhaben will man es nicht und doch ist an dem platten Spruch mehr als ein Körnchen Wahrheit dran. Ohne vernünftige Grundlagen kann man im Frühjahr und Sommer nichts reißen. Für diejenigen, die die Laufbänder in Fitnesstudios nur äußerst ungern betreten heißt das: man muss im Januar raus. Grundlagen legen. Egal bei welchen äußeren Bedingungen. Um die miese Form bestätigt zu bekommen und das läuferische Potential für die Saison auszuloten, bietet sich folgerichtig ein Wettkampf an. Die Auswahl ist nicht gerade spektakulär zu dieser kalten Jahreszeit. In Berlin bietet sich einzig die Winterlaufserie des BSV an. Achim Achilles hat die Strecke als “Rundkurs des Grauens” bezeichnet. 10834983_10205719126282261_5838984461715931677_o10k, 15k und ein Halbmarathon sind an drei Wochenenden im Januar zu bewältigen. Wer den Wettkampf-Schnickschnack sucht, ist beim BSV an der falschen Adresse: die Zeitnahme erfolgt per Hand, die Startnummer muss ganze drei Rennen halten und Runden zählen muss man selbst. Auch den Startschuss soll es noch nicht so lange geben. Wo der Start stattfindet, wissen nur die Eingeweihten: auf allen drei Distanzen geht es woanders los. Die Runde an der Stadtautobahn ist etwas über 2km lang und führt am immer gut gefüllten Wilmersdorfer Eisstadion vorbei. Ziel ist jeweils die Tartanbahn im Leichtathletik-Stadion. Nicht zu unterschätzen ist der Anstieg an der Autobahn, der mit jeder Runde steiler wird und am Ende gefühlt Mont-Blanc-Niveau hat. 10896395_10205719083721197_493758285012184724_oDer Winter meint es dieses Jahr aber gut mit uns Läufern und verzichtet bei meiner Premiere bisher auf Schnee und Eis. Nach den ersten beiden Läufen über 10k und 15k ist bis zum 25.01. erstmal Pause angesagt. Bis jetzt läuft es für mich sehr ordentlich. Beide Läufe summiert liege ich auf Platz 9 der Gesamtwertung und habe Platz 1 der M35 inne. Als Ziel hatte ich mir vorher eine Top10-Platzierung und eine Gesamtzeit unter 3h vorgenommen. Das könnte sogar klappen. Das Niveau ist insgesamt verdammt hoch, hier nehmen Leute teil, die auch im Winter richtig schnell unterwegs sind. Möchte nicht wissen, was die alle für Zeiten im Frühjahr auf den Asphalt zaubern. Nach Sonntag zwicken meine Waden heftig, jetzt muss die Blackroll ganze Arbeit leisten, damit ich zielgerichtet auf den Höhepunkt der Serie zusteuern kann: 9 quälende Runden für den Halbmarathon. Am Ende fragt man sich schon, wofür man das im “Winter” auf sich nimmt. Aber: im Winter…ihr wißt schon!

Animal-Equality-HeaderIn den letzten beiden Jahren haben wir das Kinderhilfswerk World Vision und insbesondere das Laufteam “Team World Vision” unterstützt. In wunderbarer Erinnerung bleiben die “Running Twins & Team World Vision Marathonstaffel”-Läufe, die wir 2012 und 2013 in Berlin veranstaltet haben. Wir bleiben World Vision weiterhin treu, z.B. im Kilometerspiel, wo sich das Team wacker in der ersten Liga hält, möchten aber den Fokus in diesem Jahr auf ein anderes Thema und eine andere gemeinnützige Organisation richten und eine Stimme für diejenigen sein, die in unserer Gesellschaft keine haben.

Animal Equality e.V. ist eine gemeinnützige Organisation, deren Ziel es ist, Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit für das Leiden von Tieren zu schaffen. Durch Recherchen, Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit arbeitet AE für eine bessere Welt für Tiere – und das mit beachtlichen Erfolgen. Der jüngste “Skandal” im Zusammenhang mit der Massentierhaltung, der in den Medien ein gewaltiges Echo gefunden hat, beruht auf einer Recherche von AE. Auch in Erinnerung ist die spektakuläre Aktion von AE-Aktivisten vor dem Brandenburger Tor in Berlin, die sicher viele Menschen zum Nachdenken angeregt hat.

Henrik-im-AE-ShirtAuch uns. Wir haben uns entschieden, keine Tiere und keine Tierprodukte mehr zu essen und sind auf eine Tierleid-freie Lebensweise umgestiegen. Marek hat mit seiner Frau Britta bereits im letzten Jahr den Schritt hin zur veganen Ernährung gemeistert und auch über die Auswirkungen auf das Laufen berichtet. Ultraläufer Scott Jurek ist seit vielen Jahren Veganer und landete mit seinem aktuellen Buch “Eat and Run” einen Achtungserfolg. Leistungssport und vegane Ernährung bilden keinen Widerspruch.

Mitleid mit den Tieren allein hilft jedoch nicht. Organisationen wie Animal Equality sind auf Spenden angewiesen, um ihre Arbeit machen zu können. Mit unserer Spendenaktion möchten wir einen kleinen Teil zu dieser Arbeit beitragen und für eine bessere Welt für alle Tiere laufen. Die Aktion ist dauerhaft in der Leiste rechts auf unserem Blog verlinkt. Wir möchten euch motivieren mitzumachen und haben uns überlegt:

Für jeden von uns gelaufenen Kilometer des Jahres 2015 werden wir am Jahresende 5 Cent an Animal Equality spenden.

Und wenn man die Steigerungsraten der letzten Jahre hochrechnet, werden am 31.12.2015 wieder einige Tausend Kilometer auf unserem Tacho stehen. Dann schnell an die frische Luft zum Kilometersammeln. Für einen verdammt guten Zweck.

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