von Running Twin Marek am 16. Mai 2015 · 25 Kommentare · Kategorien: Wettkampfbericht

IMG_9877Diese Nacht wird uns noch einige Zeit in Erinnerung bleiben. Vielleicht ja sogar mehr als unsere erste Nacht bei unserer Premiere beim Run&Bike Neuzelle vor zwei Jahren. Das Ergebnis liest sich ernüchternd und ist es auch, ohne Wenn und Aber: DNF. DID NOT FINISH. Der Alptraum eines jeden Sportlers. Für uns wurde dieser heute Nacht das erste Mal überhaupt wahr.

Um kurz nach halb sechs in der Frühe saßen die Running Twins im Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes vor dem Klosterportal in Neuzelle. Silvana hat sich unserer angenommen und uns mit Rettungsdecken, einer warmen Standheizung und einem heißen Kaffee versorgt, so dass wir langsam wieder auftauen konnten. Zu dem Zeitpunkt war unsere zweite Teilnahme bei diesem schönen Event seit mehr als einer Stunde vorzeitig beendet. Was war passiert?

IMG_9874Mit großen Erwartungen sind wir angetreten. Und nichtmal ansatzweise konnten wir umsetzen, was wir uns für die 100km vorgenommen hatten. Es lief einfach nichts, aber auch gar nichts zusammen. Die Chronologie unseres Scheiterns: nach dem Start um 00:00 bildete sich schnell eine Gruppe mit 5 Teams, die das Feld anführten. Am Anfang läuft es locker und leicht, wir wechseln wie geplant in kurzem Rhythmus, kein Team will sich vorzeitig absetzen. FEHLER Nr. 1: wir haben die Wechsel nicht geprobt vorher. Kurz vor knapp haben wir uns für das Damenfahrrad von Britta entschieden und nicht für Mareks MTB. Damit klappt der Einstieg zwar leichter, aber der Rücktritt macht uns riesige Probleme. Nach 4km fliege ich mitsamt unserer Ladung (Gels, Trinkflaschen, Jacke, Riegel) auf die Nase und muss alles mühselig einsammeln und den Jungs hinterherheizen. Auch der Sattel ist viel zu tief. Einen Schlüssel dafür hatten wir (natürlich) auch nicht mitgenommen. Während die anderen fast mühelos wechseln, muss unser Biker immer wieder von hinten aufholen. Das Ganze zieht sich bis km20. Dann kommt der erste Verpflegungspunkt, den Henrik auf dem Rad absolviert. Stempel nicht vergessen – wo war denn gleich die Stempelkarte? Vorne setzen sich die beiden Jungs Tobias und Ron von Fortuna Marzahn ab. Keiner kann und will dem Tempo folgen, wir sind zu dem Zeitpunkt trotzdem noch mit unter 4min/km unterwegs.

Es geht an der Oder entlang. Und es wird immer kälter. Das eine paar Handschuhe hilft auf dem Rad nur kurzzeitig. Ich merke, wie meine Finger mehr und mehr einfrieren. Der Nebel ist teilweise so stark, dass auch mit der irren Beleuchtung (zwei Halogen am Rad, zwei Stirnlampen, zwei runlights am Körper) keine 2m Sichtweite herrscht. Eine Weile wechseln sich die Positionen 3, 4 und 5 miteinander ab. Dann müssen wir auch Thomas und Stefan ziehen lassen. Kurze Zeit später rücken Sebastian und Mathias nach. Wieder können wir nicht folgen. Der erste Dämpfer ist da: dass wir so “früh” den Kontakt zur Spitze verlieren, hatten wir nicht erwartet. Von da an sind wir allein unterwegs. Wir versuchen, das Tempo weiter konstant zu halten, als es auf die Straße Richtung Wiesenau geht. Endlich weg von der nebligen Oder. Nur die Temperaturen scheinen immer weiter zu fallen. Unser Getränkevorrat ist da bereits erschöpft. Das kalte Wasser wird schnell ungenießbar.

Dann ist der Verpflegungspunkt bei km53 endlich erreicht: ich übernehme diesmal den läuferischen Teil, Henrik füllt die Vorräte auf. Den Anstieg laufe ich gemächlich hoch. Dann geht es links weg Richtung Süden und siehe da – Henrik rollt mit den Vorräten heran. Ich vernehme nur kurz:

  • “Very bad news”.
  • “??? Was soll das heißen verdammt?”
  • “Glaube, wir verlieren Luft vorne im Reifen.” – ich halte an und checke.
  • “Verdammt. Kann doch nicht wahr sein!”

Ich schmeiße mich aufs Rad und schreibe unserer Supporterin Kathi per Facebook: “Pumpe!”, “Platten!”. Sie wollte bei km70 auf uns warten. Dass sie noch antwortet und die Pumpe einpackt, bekomme ich nicht mehr mit. Woher also mitten in der Nacht eine Luftpumpe organisieren? Kein Feuerwehrmann hat etwas parat. Noch ist ein wenig Luft auf dem Reifen. Kurz vor km60 fragt Henrik weiter verzweifelt jeden einzelnen, der an der Strecke ist. Und das waren zu dem Zeitpunkt nur sehr Wenige. Dann endlich scheint er Erfolg zu haben. Ich laufe schon vor und sehne die erlösende Nachricht herbei. Es zieht sich. Mir kommt das Streckenfahrzeug entgegen. Der Herr fragt, wo denn mein Kollege sei (er hatte mittlerweile von vorne eine Pumpe organisiert!). Ich werfe ihm nur “er kommt gleich” entgegen. Es keimt wieder Hoffnung auf. Plötzlich kriege ich einen Bärenhunger. Es bleibt nix erspart. Ich muss die erste Gehpause einlegen, kann dann aber weiterlaufen. Und Henrik sollte doch gleich aufschlagen mit unserer reichhaltigen Verpflegung!

Ich höre nach einer endlos erscheinenden Zeit die Radgeräusche hinter mir. Auch die nächste Konversation bleibt dauerhaft in meiner Erinnerung:

  • “Stell’ jetzt bitte keine Fragen, wir haben ein anderes Rad.”
  • “Wie meinst du das, ein anderes Rad?” (ich sehe jetzt erst den anderen Drahtesel, den Henrik bei einer Dame eingetauscht hat).
  • “Ich habe Riesenhunger. Wo ist unser Essen?”
  • “Alles dagelassen. Wir haben nix mehr jetzt. Was sollte ich machen?” (das Rad ist ein älteres Rennrad, das nicht mal eine Flaschenhalterung besitzt)
  • “Ich muss etwas essen. Sonst ist hier und jetzt Feierabend!”

Henrik zieht noch ein Gel aus der Jacke und überlässt es mir. Besser als nix. Und es hilft tatsächlich. Eine Trinkflasche hat er noch in der Hand, auch das tut gut nach dem langen Intervall. Dann geht es in den Wald. Der Sattel des Rades ist so übel eingestellt, dass ein vernünftiges Fahren nicht machbar ist. Auch die Wege werden schlechter. Nun wollen wir beide nur noch laufen. Das geht erstaunlicherweise recht passabel. Ich wuchte das Rad über die sandigen Pisten, sehe die Querspuren unserer Vorderleute. Hier wurde hart gekämpft! Und dann geht es raus aus dem Wald. Fast unbemerkt ist es mittlerweile hell geworden.

IMG_9876Wir übersehen fast Kathi bei km65. Der erste Blick haftet am Auto, die linke Vorderseite ist demoliert. “Ein Reh war das.” Ungläubig wechseln wir die Blicke, ziehen uns aber dann mit vollem Genuss den heißen Tee rein. Zu essen hat sie leider nichts dabei, wo wir doch mittlerweile jede Banane mit Kusshand nehmen würden. Wir stehen ca. 10min bei ihr. Platz 6 überholt uns. Weitermachen? Aufhören? Wir kühlen so schnell aus, ohne es zu merken. Noch einmal mobilisieren wir alle Kräfte und ich renne los. Kathi fährt nun ein paar Meter voraus, hat uns fest im Rückspiegel im Blick. Das Laufen geht erstaunlich gut. Nur Henrik wird immer kälter auf dem Rad.

Km68, direkt vor dem Eingang des Campingplatzes. Kathi wartet auf uns. Henrik kann kaum mehr treten, die Kälte ist trotz der 4 Lagen und den Handschuhen unerbittlich. Wir sprechen nur kurz miteinander. Die Entscheidung ist einstimmig: aus und vorbei. Das Risiko wäre zu groß. Kathi bietet uns noch ihren Hoodie an. Doch nochmal los? Nein, auch Henriks Kopf kann sich nicht mehr umentscheiden. Mit letzter Kraft bauen wir das Rad auseinander, setzen uns ins warme Auto und nehmen Kurs Neuzelle.

Im Ziel wollen wir erst in die Turnhalle. Die warmen Sachen aus dem Auto können wir nicht holen – mein Autoschlüssel war noch in der Fahrradtasche! Wir kommen am DRK-Wagen vorbei und fragen nach Decken. Die beiden Sanis suchen eine Ewigkeit und wir frieren entsetzlich. Dann kommt Silvana und nimmt die Sache in die Hand. Wir beobachten respektvoll aus dem Wagen, wie David und Tim mit 06:24 einlaufen. Tobias und Partner kommen zehn Minuten später, Thomas und Stefan laufen 06:39. Als ich dann in der warmen Morgensonne auf Henrik und Gregor warte (die das Rad aus Groß Lindow von Stefans Frau holen wollen!), kommen Thomas und Stefan vorbei. “Haben schon gehört von Euch. Bei uns lief es auch nicht!” So kann man es natürlich auch sehen!?. Aber auf die Medaillen blicke ich schon neidisch. Das Gefühl, ohne Medaille abzureisen, liegt mir schwer im Magen.

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Was nehmen wir mit aus dieser Nacht?

Selbstkritisch genug sind wir, um das Ergebnis richtig einzuordnen. Das war ein ordentlicher Schuss vor den Bug dieser bisher so guten Saison. Das DNF hätten wir uns natürlich an anderer Stelle gewünscht. Viele kleine auch taktische Fehler (keine Luftpumpe, keine Wechsel geprobt, zu kalt angezogen, zu schnell losgelaufen, keinen Plan B) haben wir gemacht und somit das Resultat selbst verschuldet. Hinzu kommt ein gewisses Maß an Selbstüberschätzung, dass wir das Ergebnis von vor zwei Jahren locker schaffen könnten. Doch damals hatten wir viel, viel Anfängerglück. Das war dann wohl aufgebraucht. Das DNF nur mit den Materialproblemen zu erklären, wäre zu einfach. “Ist der Lauf nicht dein Freund, ist er dein Lehrer.” Selten hat etwas besser gepasst zu dieser Nacht. DUMM gelaufen.

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Davon hatte ich schon immer geträumt: einsam in strömendem Regen gemischt mit fiesem Gegenwind durch Kuhkaffs im Outback von München zu laufen. Das klingt eigentlich grausam, aber im Rahmen des Wings for Life World Runs am vergangenen Sonntag war das eine Riesengaudi. Der wohl größte Charity-Lauf der Welt, 35 zeitgleich gestartete Läufe in 33 Ländern auf dem ganzen Globus – ein schier unermesslicher Organisationsaufwand für eine große Idee: 100% der Startgelder (in Deutschland 36 bis 54 EUR) fließen in die Stiftung “Wings for Life”, die sich für Forschung zur Heilung von Querschnittslähmung engagiert. Der bekannte Grazer Energiedrinkhersteller ließ seine Marketingmuskeln spielen und stellte das Event auf die Beine. Live-Übertragung auf dem eigenen Fernsehsender inklusive mit der “Global Race Control” an der Rennstrecke in Spielberg. Der Clou am WFLWR: es gibt keine Ziellinie, man läuft soweit, bis das WFLWR_3Catcher Car überholt. Das verfügt über mobile Transpondererfassungstechnik und erfasst beim Überholen den Zeitnahmechip des Läufers. Da das Catcher Car mit einer definierten Geschwindigkeit fährt und eine halbe Stunde nach Startschuss (weltweit einheitlich 11:00 Uhr UTC) losbraust, kann man sehr genau planen, wie weit man laufen möchte. Im letzten Jahr gastierte der WFLWR in Deutschland nur in Darmstadt, und da für 2015 ein zweiter Deutschland-Lauf mit Start in München ins Programm genommen wurde, wollte ich da unbedingt teilnehmen.

IMG_9753Das Münchner Wetter am Sonntag war aber unerbittlich: dunkle Wolken mit ergiebigem Dauerregen, aber immerhin 15 Grad – es gibt schlimmere Bedingungen, um zu laufen. Besser als Hitze! Trainerin Bianca und ich wollten mit ca. 4:30 min/Km starten, diese Pace würde für einen Marathon reichen, wenn man sie konstant durchliefe. Das war nach 200 Metern bereits Utopie, so schnell flogen wir am Olympiasee vorbei. Wir blieben an der führenden Frau Ingalena Heuck dran, die heute Großes vorhatte. Das Tempo führt zu 41:30 min auf die 10 Kilometer. Das Feld war hier schon sehr auseinandergezogen. Für mich viel zu schnell, also ließ ich Bianca und den Tross um Leni wegziehen. Vereinzelt standen sogar Zuschauer an der Strecke und jubelten den nassen Läufern zu. Die Stimmung unter den Läufern war prächtig, so wirklich volle Pulle liefen nur wenige. Ich musste das Tempo schon ab Km 15 deutlich reduzieren, schon jetzt war klar, dass der Marathon heute nicht erreichbar ist. Ich wollte mich angesichts der wichtigeren Wettkämpfe in den nächsten beiden Wochen auch nicht abschießen. Und so traf ich immer wieder auf bekannte Gesichter und konnte einen Plausch halten, mal gehend, mal laufend, aber immer guter Dinge. Der Regen zermürbte mit der Zeit doch ganz schön und die Umgebung wurde nicht reizvoller, ganz im Gegenteil. Ab Km 32 kamen noch nette Anstiege dazu. Die Oberschenkelrückseiten waren erstaunlich angegriffen und so lief ich zur Entlastung sogar 1-2 Km rückwärts und freute mich auch auf das Catcher Car. Das ließ sich dann noch bis Km 34,x Zeit. Eine ganze Kolonne zog in Überacker vorbei. Für die meisten Läufer eine wahre Erlösung.

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Der Rückweg folgte zunächst walkend zum VP bei Km 35 und dann mit einem Bus-Shuttle. Erst 4,5 Stunden nach dem Startschuss waren wir wieder im Olympiapark. Das war ein irres Event mit hohem Unterhaltungswert, ein Riesen-Kompliment an die Organisation. Marek hat als Selfie-Runner mit der App in Berlin am Lauf teilgenommen und hat sich erst nach 37,1 Kilometern vom virtuellen Catcher Car einholen lassen. Damit holt er immerhin weltweit Platz 3 der Selfie-Runner-Wertung. Ich bin mit meiner Leistung ganz zufrieden, im nächsten Jahr muss der Marathon mit einer besseren Renneinteilung aber fallen. Wir freuen uns auf den Wings for Life World Run am 8.5.2016! Und wenn es so sein soll, auch wieder im Dauerregen durch die Kuhkaffs.

von Gastautor Philipp am 29. April 2015 · 6 Kommentare · Kategorien: Ausrüstung

Unser Gastautor Philipp hat sich eine GPS-Uhr zugelegt. Er hat viel recherchiert und ist schließlich bei der adidas miCoach smart run hängengeblieben. Lest in seinem Gastbeitrag über die Erfahrungen mit der Uhr.

Foto: adidas

Foto: adidas

Zieh mich an und starte durch“ – der Slogan allein reichte zunächst nicht, mich zu überzeugen, eine Smartrun von adidas für stolze 400 Euro zu kaufen. Zu mir persönlich: ich bin Gelegenheitsläufer und bislang mit einem iPhone am Arm und Musik unterwegs. Genutzt wurden verschiedene Running-Apps wie Nike+ und Runtastic. Insbesondere die letzte App hatte mich immer zufrieden gestellt. Die Funktionsvielfalt auf dem Papier ist super. Warum also weg von einer Handy-App? Die Bedienung am Arm während des Laufens ist unbequem und bedarf viel Konzentration. Die Verkabelung der Kopfhörer kostet Zeit und man hat nie die richtige Kabellänge, so dass die Kopfhörer Halt haben und bequem sitzen.
 
 

Mit der Smartrun habe ich als Musikliebhaber die ideale Lösung gefunden. So dachte ich jedenfalls. Musik am Handgelenk mit allen Funktionen, die man sich so vorstellen kann. Darüber hinaus kann die Uhr ohne jegliches Zubehör den Puls direkt am Handgelenk messen. Ich hatte oft überlegt, einen Pulsgurt zu kaufen. Nun habe ich ja alles in einem. Die Uhr bringt einen farbigen Touchscreen und Einknopf-Bedienung mit. WLAN zur Laufdaten- und Musiksynchronisierung und zum Download von adidas Trainingsplänen ist ebenso an Bord wie eine Bluetooth-Schnittstelle zur Kopfhörerkopplung (aber kein Kopfhörereingang). Der Funktionsumfang überzeugte mich, das Geld für so ein Sport-Tool aufzubringen. Zugegeben, die UVP von adidas kann man um 100 Euro unterbieten, wenn man einen Blick bei Amazon oder eBay wagt. Also gekauft.

Für meine geliebte Musik bedurfte es nun noch neuer Bluetooth-Kopfhörer. Zugegebenermaßen bin ich sehr verwöhnt, was guten Klang angeht mit Bose Soundsystem im Auto usw.. Ich entschied mich für die Beats Solo 2 Wireless. Der Klang über die miCoach ist hervorragend. Eine Wohltat für die Ohren. Egal welches Musikformat, ob Flac, MP3, MP4, AAC – sie spielt alles ab. Auch die Bedienung super. Alben, Interpreten, Playlists oder Random-Mix, an der Uhr einfach zum gewünschten Titel/Playlist „wischen“. Um erst einmal Musik aufspielen zu können, kommt man jedoch nicht daran vorbei, seine miCoach bei adidas zu registrieren und sich ein (kostenloses) Benutzerkonto einzurichten. Die WLAN-Einrichtung ist eigentlich simpel, jedoch bei Eingabe eines langen Schlüssels nur mit viel Fingerspitzengefühl zu bewältigen. Überhaupt: für große Finger ist die Uhr grundsätzlich ungeeignet. So ist es praktisch unmöglich, jemals die richtige Auswahltaste zu treffen, da diese sehr schmal gehalten sind. Ein Tablet-Stift kann Abhilfe schaffen.

Foto: adidas

Foto: adidas

Aber nun auf zum Laufen. Ich liebe es, in Hamburg um die Alster zu laufen. Für mich die schönsten 7,68 Km Deutschlands. Schnellstart ausgewählt. Kopfhörer haben sich in wenigen Sekunden mit der Uhr verbunden und wenige Sekunden später sagt mir die Sprachsteuerung, dass mein Pulsmesser aktiv ist. Ruhepuls bei 70 – kommt hin. Man wähle nun aus einer langen Liste die Trainingsart aus (Running, Walking, Skating, Biking – alles vertreten). Die Uhr ist das erste Mal im Laufbetrieb. Es vergehen 2 Minuten, 5 Minuten. Ich frage mich, ob ich etwas falsch gemacht habe? 10 Minuten vergehen und ich mag es kaum glauben, dass der Coach mir bekannt gibt, dass GPS gefunden wurde und ich das Training durch nochmaliges Drücken der Starttaste beginnen kann. Erstaunt muss ich feststellen, dass das Display nicht die Darstellung auf der Verpackung der Uhr aufweist. Die 7,68 Km wurden exakt gemessen, das Training gespeichert und beendet. Man kann sich sein Training unmittelbar auf der Uhr anschauen (Höhen, Tiefen) und auch mit möglichen bisherigen Trainingseinheiten vergleichen. Toll! Zuhause angekommen, sucht die miCoach das WLAN und synchronisiert sich eigenständig mit der miCoach-Website.

Erster Eindruck: sie macht, was sie soll. Visuell konnte ich bei diesem Training keine aktuelle oder durchschnittliche Pace sehen. Akustisch wurde mir die Pace im 1 Km-Takt (individuell anpassbar) jedoch durchgegeben. Ein Studieren der Enzyklopädie (Anleitung wäre das falsche Wort für dieses umfangreiche Dokument) hat mich zu der Erkenntnis gebracht, dass das Display auf der Website angepasst werden kann. Gemacht, getan. Das war sehr simpel, wenn man weiß wo.

Foto: adidas

Foto: adidas

Das nächste Training steht an. Zusammen mit meiner Schwester, die zufrieden mit Ihrer Garmin Forerunner 910 XT unterwegs ist. Für eine Triathletin aus ihrer Sicht ein hervorragendes Trainingsgerät. Wenn es nach der Garmin geht: es kann losgehen. Meine miCoach sieht das anders. Pulserkennung ist aktiv. GPS, der Satellit wird geortet. Es vergehen 5 Minuten. Uns wird kalt. Ungelogen, nach knapp 10 Minuten kann es dann endlich losgehen. Die Freude über die vier zuvor am Mac neu programmierten Displayvarianten vertreibt den Frust über die lange Wartezeit bei diesem Training. Der Switch zwischen verschiedenen Displays während des Trainings ist technisch zwar möglich, jedoch mit nur leicht feuchten Hemden zum Scheitern verurteilt. Nach Trainingsende sind die Distanzen laut Garmin und adidas nahezu identisch.

Viele Trainingseinheiten sind mittlerweile vergangen. Und die Uhr hat vom Profil her alles, was sich zumindest mein Läuferherz wünscht. Aber die Umsetzung hapert gewaltig. Außer Pulsmessen konnte sie keine Funktion für mich zufriedenstellend erfüllen:

Musik
Regelmäßig verliert die Uhr die Verbindung zum Kopfhörer. Während dessen laufenden Trainings die beiden Geräte zu verbinden ist praktisch unmöglich. Das bedeutet, Training abbrechen oder ohne Musik weiterlaufen.

Akkulaufzeit
Nach einem Training rund um die Alster muss die Uhr an den Strom. Sie 24 Stunden später wieder zu verwenden, ohne sie vorher geladen zu haben, ist i.d.R. nur noch im sog. Marathonmodus möglich (ohne Musik, ohne Displaybeleuchtung, ohne Sprachcoach). Für Langstreckler mit Sicherheit ein K.O.-Kriterium. Für mich ist dieser Punkt nachrangig zu betrachten. Mein iPhone sucht nach einem Lauf um die Alster auch die Steckdose auf.

Bedienung
Ist grundsätzlich intuitiv. Auch der Menüaufbau ist logisch und verständlich. Den Ansatz mit dem Touchscreen halte ich jedoch für fragwürdig. Man braucht wirklich zierliche Frauenhände, um die richtigen Auswahlfelder zu treffen. Während eines Laufs ist es unmöglich, den nächsten Musiktitel auszuwählen oder gar eine andere Playlist. Feuchtigkeit verhindert die Bedienung der miCoach. Das bedeutet, dass man vor dem Lauf alles programmiert haben muss. Nur was macht man, wenn es dunkel ist und man feuchte Hände hat? Da hilft nur der Sprachcoach. Eine permanente Displaybeleuchtung ließ sich nicht aktivieren (obwohl diese Funktion in den Einstellungen zur Verfügung steht und aktiviert wurde). Da hat das Display meines iPhones gerade im Zusammenspiel mit Feuchtigkeit um Welten besser reagiert.

GPS
Das ist der Punkt, der mich am meisten enttäuscht hat. Im Schnitt länger als fünf Minuten auf GPS zu warten, das ist für mich nicht tragbar. Oft habe ich die Uhr beim Warmup schon in den Startmodus geschickt, damit die GPS-Suche losgehen kann. Die Weinberge Baden Württembergs sind der miCoach offensichtlich noch weniger wohl gesonnen. Hier habe ich selten überhaupt einmal ein GPS-Signal bekommen oder es ist während des Laufs schnell wieder verloren gegangen. Mein iPhone findet hier auf Anhieb GPS.

Software
Je mehr Trainingseinheiten zurückgelegt wurden, desto träger wurde die Software. Die letzten Trainingseinheiten konnten nicht mehr absolviert werden, da die Uhr immer und immer wieder abgestürzt ist (Einfrieren des Bildschirms, Neustarten durch sehr langes Drücken der einzigen Taste). Ein Zurücksetzen der Uhr auf Werkseinstellung und einer Wiedereinrichtung (WLAN-Schlüssel und Benutzerkonto erneut eingeben, Download der Vorkonfiguration von der Website) schafft Abhilfe für kurze Zeit.

Fazit
Nun ging ich davon aus, dass eventuell nur meine Uhr “buggy” ist. Der adidas-Experte auf der Marathon-Messe in Hamburg konnte zu meiner Verwunderung keine Bugs feststellen. Ein Austausch auf Kulanz ist auch nicht erfolgt. Das rundete den Gesamteindruck ab. Mein Urteil: enttäuschend. Absolut keine Kaufempfehlung. 400 Euro sind in andere Sportuhren mit weniger Funktionen und höherer Zuverlässigkeit besser investiert.

von Running Twin Marek am 21. April 2015 · 7 Kommentare · Kategorien: Kurioses, Wettkampfbericht

20150419_170104Das letzte Wochenende war geprägt von einem Experiment mit ungewissem Ausgang. Zwei Wettkämpfe innerhalb von 24h, der Halbe am Samstag und der Ganze am Sonntag – die “Läuferkrone” des Spreewaldmarathons hatte ich kurz vor Weihnachten für mich entdeckt und mich spontan angemeldet. Groß Gedanken hatte ich mir zu dem Zeitpunkt gar nicht gemacht, lief es doch Ende des Jahres richtig gut. Als ich am Samstag bei kühlen aber sonnigem Wetter am Start am Marktplatz in Lübbenau stand, war ich mir meiner Sache schon nicht mehr so sicher. Erstaunlich viele hatten eine der niedrigen Startnummern, die den Startern in dieser Sonderwertung vorbehalten waren. Ich machte mich mit André auf den Weg durch das Biosphärenreservat, wir kannten uns von der Berliner Winterlaufserie im Januar. Dort war er vor mir und gewann souverän die M40.

IMG_5772Ich weiß nicht, wie oft wir beide gesagt haben, dass wir “viel zu schnell” sind. Aber irgendwie klappt es mit dem Temporausnehmen nicht so wirklich, wenn man zusammen unterwegs ist. Und so kassierten wir schon bis zur 10km-Marke einige, die noch viel schneller losgelaufen sind als wir. Drei oder vier Brücken über die Kanäle waren bis dahin zu überwinden. Der Rhythmus ist danach erstmal weg. Zu dem Zeitpunkt hätte ich nicht für möglich gehalten, dass ganz vorne noch zwei Läufer waren, die im Kampf um die Krone ordentlich Druck machten. Nach 10km in 39min! und einem Abstecher auf die Marathonstrecke lies ich André dann ziehen. Die Natur ist sehenswert auf der Runde – der Belag mit den alten Platten aus DDR-Zeiten ist es sicher nicht. Aufgrund der Löcher und Unebenheiten ist oberste Vorsicht geboten. Erst im letzten Drittel der 22km-Runde geht es wieder an den Kanälen entlang – natürlich gespickt mit einigen Brücken. Nachdem ich kurz die Orientierung verliere und mir zurufen lassen muss, wo es dann langgeht, setzt obendrein noch ein Hagelschauer ein. Warm ist anders! Platz 9 (ich) und 10 tauschen kurz vor Schluß noch ihre Plätze. Ich laufe relativ entspannt mit 01:26 in Lübbenau ein und verzichte lieber auf den obligatorischen Endspurt. “Kontrollierte Offensive” würde einer (Otto Rehagel) meinen. Zu dem Zeitpunkt bilde ich mir ein, dass ich nicht alle Kräfte eingesetzt habe und mir zumindest ein paar Körner für den Marathon aufbewahrt habe. Aber sicher bin ich mir überhaupt nicht. Nach dem Halben bin ich auf Platz 4 der Sonderwertung. André ist knapp 2min vor mir, die anderen beiden nochmal schneller mit 01:22 und 01:23. Und auch hinter mir geht es sehr eng zu. Das, was ich schon zum Start geahnt habe, bewahrheitete sich: ein Klassefeld ist dabei, das um Längen besser ist als bei der Premiere der Läuferkrone 2014. Ich fahre im Anschluß nach Lübben, um Britta im Ziel ihrer Radtour zu empfangen.

IMG-20150419-WA0003Die Beine fühlen sich Sonntag früh, am Tag des Marathons in Burg, erstaunlich locker an. Große Nachwirkungen des Halben kann ich nicht entdecken. Oder ist der Wunsch nur Vater des Gedanken? Die Anreise und das Drumherum vor dem Start in Burg sind wesentlich stressbehafteter als in Lübbenau. Der Parkplatz ist weit weg, ein ziemliches Gewusel herrscht im Start-Ziel-Bereich und nur wenige Klos sind vorhanden. Auf das Warmmachen muss ich aus Zeitgründen elegant verzichten. Wenigstens das Wetter spielt super mit: Sonne pur und ein paar Grad wärmer als am Samstag. Alle bekannten Gesichter vom Halbmarathon reihen sich ganz vorne ein, ich stehe mit André zwei Reihen dahinter. Er hat vier Flaschen mit am Gürtel und ich: nichts. Nichtmal ein Gel kann ich aufbieten. Vor lauter Aufregung hatte ich auch noch vergessen, etwas vorher zu trinken. Nun ist es zu spät. Das Rennen läuft, wir kommen gut weg. Die 10km-Läufer verabschieden sich schnell, von da an geht es für die Halbmarathonis und die Marathonis auf die große Runde quer durch den Spreewald. Ich nehme schon am Anfang wirklich jeden Verpflegungspunkt mit, habe ich doch schnell ordentlich Durst. Nur richtig trinken klappt einfach nicht beim Rennen. André schließt nach 7km auf und wir bringen die erste Runde relativ ereignisarm hinter uns. Das gleiche Spiel wie am Samstag: ständig das Gejammere über das Tempo, aber keiner bekommt es auf die Reihe, langsamer zu laufen. “Luxusprobleme” haben wir anscheinend. Aber schon vor km20 merke ich, dass es mit dem Tempo um die 04:10/km nicht mehr lange weiter gehen wird.

20150418_090417Andrés Trainer schaut von nun an öfters mit dem Rad vorbei und gibt erste Tips zur Lage der Marathon-Nation. Kurz hinter der (einzigen) Brücke bei km20 halte ich erstmal an und trinke alles, was ich kriegen kann. Die Lücke ist schnell da, aber mir war es auch nicht ganz unrecht. Ich nahm Tempo raus und versuchte, wenigstens etwas die Kräfte zu schonen. Ich realisierte ja längst, dass es noch verdammt hart werden würde auf der zweiten Runde. Einen Schub bekomme ich, als mir berichtet wird, dass einer der beiden Führenden rausgehen musste. Plötzlich ist sie wieder da, die Chance aufs Podium! Aber ich baue zu schnell ab. Kilometer um die 04:45 bei der 25km-Marke verheißen nichts Gutes für den Rest. War der Lauf gestern doch so kräfteraubend? Ich versuche, ein paar klare Gedanken zu fassen und entscheide mich, das Tempo nicht weiter zu forcieren. Die Angst vor der ersten Gehpause war zu groß. Wenigstens km28 (da war doch was vor 3 Jahren!) überstehe ich noch laufend. Jeder Verpflegungspunkt ist ein Highlight in meinem einsetzenden Marathon-Delyrium. Cola, Iso, Wasser – ich schütte alles in mich rein, was zur Verfügung steht. Fürs Kuchenessen bleibt leider keine Zeit mehr. Ein wenig erinnert das Ganze an den Médoc – nur ohne Alkohol. Oder gabs da etwa auch Bier? Es muss aber noch vor km30 gewesen sein, als ich das erste Mal walke. Erstaunlicherweise nehme ich es fast mit Humor. Was habe ich denn erwartet? Bei einem Marathon wünscht man sich, dass die Schmerzen erst ganz spät kommen. Möglichst kurz vor dem Ziel. Wenn die Zuschauer einen nach vorne klatschen. Wenn der Punkt greifbar nahe ist, an dem man die Uhr anhalten kann. Wenn die Familie einem zujubelt und die Kids sich freuen. Nur bin ich noch weit weg vom Ziel. 12km können unendlich lang sein. Die einzigen Menschen auf und an der Strecke sind die Kanuten, die gelegentlich Beifall klatschen. Und natürlich die Verpflegungspunkte. Meine Rettungsanker im stetig sinkenden Spreewald-Kahn.

zielHier nimmt man wohlwollend zur Kenntnis, dass ich gestern schon unterwegs war und die Natur in ihrer Schönheit bestaunt habe. “Du bist schnell unterwegs.” Oh, schön zu hören. Mir kommt es schon lange nicht mehr so vor. “Aber die Konkurrenz vor dir ist noch ein bißchen schneller.” Eine schöne Motivationsspritze! Ich schlürfe weiter durch die Landschaft. Phillip fliegt förmlich an mir vorbei. Es muss schon ein wenig ungleich ausgesehen haben. Kimetto gegen Calmund. Ich habe NICHTS entgegenzusetzen. Da er nachgemeldet hat, realisiere ich zu dem Zeitpunkt nicht komplett, dass er auch die Läuferkrone angeht. Aber ich ahne es bereits. Von Punkt zu Punkt denken. Schritt für Schritt. Laufen wechselt sich mit Gehen ab. Kurioserweise kann ich mich genau an meine Gehpausen von vor drei Jahren erinnern. Und lege jedesmal wieder eine ein. Auch die Strecke hätte ich ohne Probleme ablaufen können, zu gut war sie noch in meinem Kopf drin. Viel tut sich nicht mehr bis km38, wo mich die beiden Herren mit Fernglas und Mikro versuchen zu verorten. Die Nr. 12 finden sie aber nicht auf ihrem Zettel. Bis sie doch noch realisieren, dass ich Wiederholungstäter bin. Sie “peitschen” mich förmlich weiter. Im Hintergrund sagen sie den nächsten Läufer an und ich realisiere sofort, dass der Dietmar, ein direkter Konkurrent, mir im Nacken sitzt. Kurz vor km40 geht er vorbei. SiegerehrungIch muss auch ihn ziehen lassen. Plötzlich taucht Steffen von den Profilläufern auf dem Bike vor mir auf. “Marek – du hier?” Ja ist richtig. Mehr als ein “Na sch… Marathon” kriege ich nicht raus. Entsprach aber voll und ganz der Wahrheit. Dietmar kommt schon von der letzten Wendeschleife zurück und läuft mir entgegen. Wir klatschen uns ab. Groß ist der Respekt trotz aller Konkurrenz. Eine letzte Gehpause genehmige ich mir noch, dann sammele ich alle Kräfte und laufe den letzten Kilometer auf dem sandigen Weg in Richtung Ziel. Es wird eifrig applaudiert und gerufen. Zumindest mein Zieleinlauf hatte noch etwas mit Laufen zu tun. Die Familie herzt mich nach über 3h Wartezeit in der Sonne. Schneller ging es leider nicht. Am Ende wird es in der Gesamtwertung der Läuferkrone der 4. Platz werden. Ralf gewinnt sogar noch den Marathon. André holt souverän Platz 2 mit einem 3h-Marathon und auch Phillip überzeugt mit einem richtig guten Lauf am 2.Tag.

IMG-20150419-WA0008Was bleibt von dem Experiment “Läuferkrone”? Natürlich hätte ich mir einen schnelleren Marathon gewünscht. Aber ich habe alles gegeben und bin deshalb mit dem Wochenende auch zufrieden. Eine silberne und eine goldene Spreewaldgurke bekommen einen Ehrenplatz zuhause. Platz 4 erscheint auf den ersten Blick unglücklich. Nur war der Abstand zu Ralf, André und Phillip zu groß, um darüber enttäuscht zu sein. Die Jungs waren um Längen besser an dem Wochenende und das habe ich zu respektieren. Ich bin dankbar, dass ich mit André einen erfahrenen Läufer an meiner Seite hatte, der das Experiment einfach besser gemeistert hat als ich und von dem ich mir noch Einiges abschauen kann. Nächstes Jahr wieder? Die Frage stellt man sich zwangsläufig, aber eine Antwort muss erstmal ausbleiben. Sobald alles verarbeitet ist, denke ich in Ruhe darüber nach. Eines ist sicher: die Krone wird auch 2016 wieder vergeben.

von Henrik am 18. April 2015 · 3 Kommentare · Kategorien: Strecken, Zukünftiges

IMG_9624Zugegeben, ein wenig viel “Challenge” ist momentan. Ständig wird man zu Challenges aller Art eingeladen. Besonders Laufveranstalter meinen, ohne das Wort “Challenge” im Namen ihres Events kann man keine Teilnehmer mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Spontan fallen mir “Challenge Roth”, “Brocken Challenge” oder “Zugspitz Trailrun Challenge” ein. Und nun auch noch die “Bavarian Lakes Challenge“. Den beiden Veranstaltern Jan und Matthias sei es verziehen. Und wie klingt schon “Bayerische Seen Herausforderung”? Die BLC ist auch keine Laufveranstaltung an sich. Jeder Teilnehmer hat es sich zum persönlichen Ziel gesetzt, die zehn größten bayrischen Seen im Jahr 2015 zu Fuß zu umrunden.

Ich fand die Idee gleich spannend, da ich bereits im letzten Jahr die beiden größten (Starnberger See, Chiemsee), zwei der mittelgroßen (Tegernsee, Walchensee) sowie den wohl schwierigsten (Königssee) bereits umlaufen hatte. Alle Seen hatten ihren eigenen Charme und bieten berauschende Naturerlebnisse. Das Who-is-who der zur Challenge gehörenden Seen liest sich wie folgt (in Klammern der Umfang der Wegstrecke):

  • Kochelsee (14,5 km)
  • Waginger See (18,5 km)
  • Simssee (19,1 km)
  • Staffelsee (19,3 km)
  • Tegernsee (20,0 km)
  • Walchensee (23,0 km)
  • Königssee (35,2 km)
  • Ammersee (44,1 km)
  • Starnberger See (53,3 km)
  • Chiemsee (54,5 km)

Ca. 30 Teilnehmer stellen sich der Herausforderung und wollen die insgesamt etwa 300 Km Uferweg in diesem Jahr zurücklegen. Ehrensache, dass nicht mit der Fähre oder dem Fahrrad abgekürzt bzw. betrogen wird. Mit dem Einsatz von 20 Euro kann man sich in die “Hall of Fame” eintragen lassen. Dafür besteht laut Regelwerk kein Preis-Anrecht, aber das dürfte dem Großteil der Teilnehmer nicht so wichtig sein. Die Herausforderung an sich ist die Motivation. Denn die über 50 Km lange Strecke um den Chiemsee dürfte selbst für die Marathon-erfahrenen Teilnehmer ein läuferisches Unterfangen sein, an das sie bisher noch nicht gedacht haben. Auch auf der legendären Königssee-Runde mit ca. 2.200 Höhenmetern werden einige Teilnehmer in ganz neue Dimensionen vorstoßen. Es geht schließlich nicht um Geschwindigkeit. Ich freue mich sehr darauf, neue Ausblicke zu bekommen und neue Gleichgesinnte kennenzulernen. Dann darf es auch etwas zu viel der Challenge sein.

Citytrail_07Irre Trailrunning Events stehen vor der Tür und die Hochglanzmagazine sind voll von Bildern schöner Läuferinnen und Läufer auf noch schöneren Trails. Der “Laufmoment” der April-Ausgabe der RunnersWorld zeigt den Roque de los Muchachos auf der Kanareninsel La Palma. Dort führt auch die Strecke des legendären “Transvulcania“-Ultratrails lang. Auf Madeira traf sich am vergangenen Wochenende die Szene, um den “MIUT” zu begehen, ein nicht minder spektakuläres Laufevent in bergigen Gefilden. Doch nicht jeden Läufer zieht es in den Wald oder gar in die Berge. Warum auch, wenn die Stadt so nah ist und auch tolle Möglichkeiten bietet?

Cityrunning ist ebenso trendy wie Trailrunning!

Nun birgt der Begriff “Citytrail” in sich schon einen Widerspruch. Aber wir wollen hier nicht so engstirnig sein. Ein Trail kann im weitesten Sinne auch als Betonpiste mit ein paar Hindernissen aufgefasst werden. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt: ob man Treppen von U-Bahnhöfen bezwingt, über Fahrradständer springt, Klettergerüste entlanghangelt, abseits der Wege durch den Stadtpark rennt oder Parcours zwischen Häuserschluchten springt (ok, machen wir eher weniger) – alles ist erlaubt, solange man sich natürlich brav an die Straßenverkehrsordnung hält. Ihr lauft doch wohl nicht über rote Ampeln? Ich bin Abendläufer, das ist meine Zeit. Und es gibt so Abende, da habe ich einfach keine Lust, zum gefühlten 500. Mal an der Isar entlangzutraben und die immer gleichen Steine zu begrüßen. Ja ok, die Isar ist auch beim 500. Mal noch schön, aber Abwechslung ist die am leichtesten umzusetzende Motivationskomponente. Also geht es in Richtung City. Ein wenig planen kann man vor dem Start schon, um nicht übermäßig viele Ampeln kreuzen zu müssen. Muss man aber nicht. Salomon hat dem “Citytrail” u.a. in München eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die der Sehnsucht nach Laufen in der Großstadt nachkommt. Auch die “Urban Runners Munich“, eine noch ganz junge Laufgruppe, widmet sich ganz dem Citylaufen unter Gleichgesinnten. Mein Tipp: sobald die Sonne abgetaucht ist, bieten sich in München eindrückliche Möglichkeiten für eine Stadterkundung im Laufschritt. Dann ist die Innenstadt nicht mehr verstopft und die Temperatur angenehm zum Laufen. Eine Schleife vom Sendlinger Tor zur Münchner Freiheit und zurück? Nur wenige Ampeln werden dich hier ausbremsen. Vorbei am Siegestor, Odeonsplatz und Marienplatz hat man eine flotte Stadtbesichtigung. Den Königsplatz kann man spontan einbauen. Ein Klassiker ist die Runde um die Theresienwiese. Hier geht es zwar nicht ganz so eng wie an der Außenalster in Hamburg zu, aber die Runde mit 2,6 Km Länge bietet viel Platz, schöne Aussichten auf die Bavaria und sogar ein paar Höhenmeter auf die Schwanthalerhöhe. Die Wege an der Isar schmecken schon gar nicht mehr nach “City”, das Flussufer ist das Naherholungsgebiet für die Münchner. An sonnigen Tagen würde ich die Wege meiden, weil hier viele Spaziergänger unterwegs sind und Slalomlaufen angesagt ist. Zu den Randzeiten bietet sich aber eine flache und Ampel-freie Laufstrecke, die sogar zum Tempotraining genutzt werden kann. Von der Brücke über den Mittleren Ring in Richtung stadtauswärts sind es bis zum Stauwehr Oberföhring gute 12 Kilometer.

Braucht es spezielle Ausrüstung für das Laufen in der City? Sicher nicht. Da mehrheitlich auf Asphalt gelaufen wird, braucht man keinen speziellen Schuh (auch nicht unbedingt Salomons Citytrail-Kollektion, obwohl die sehr schnieke ausschaut). Nach Sonnenuntergang empfehle ich grundsätzlich ein gut reflektierendes Oberteil und eine (Minimal-)Stirnlampe mit rotem Rücklicht, damit man von Rad- und Autofahrern gesehen wird. Diese unterschätzen das Tempo eines Läufers erfahrungsgemäß oft. Ein Ausrüstungsgegenstand gehört in der Stadt sicher nicht dazu: der iPod.

Auf in die City!

von Running Twin Marek am 12. April 2015 · 1 Kommentar · Kategorien: Trainingstagebuch, Wettkampfbericht

ASL1Der Countdown läuft. Nur noch 6 Tage sind es bis zum Frühjahrshighlight im Spreewald! Mir geht ganz schön die Pumpe. Dass ich optimal vorbereitet an den Start gehen werde, habe ich mittlerweile abgehakt. Die Erkältung, die mich einige Tage vor dem Berliner Halbmarathon erwischt hat, habe ich erfolgreich verschleppt und bin sie immer noch nicht 100% los. Dabei war der Plan doch eigentlich ganz anders: nach dem Halben Ende März (und überstandener Erkältung) wollte ich nochmal 2 Wochen richtig Kilometer machen. Aber die nasskalten Bedingungen an jenem Sonntag haben mir da wohl einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun muss ich damit leben, dass die letzten zwei Wochen (um ehrlich zu sein auch die Woche vor Berlin) fast nichts zusammenlief. Nur wenige Kilometer kamen zusammen und auch das Tempogefühl verschwand einfach so von heute auf morgen. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als die drei Wochen als Super-Tapering zu betrachten und nun nach vorne zu schauen.

Um noch etwas Selbstvertrauen zu tanken, habe ich heute spontan den Köpenicker Altstadtlauf mitgenommen. 10km geht es dort vom Müggelturm in die schöne Köpenicker Altstadt. Wir waren dort vor 2 Jahren gemeinsam am Start, im letzten Jahr haben wir den Damen den Vortritt gelassen. Für “günstige” 18,- meldete ich mich nach, nach dem Einlaufen stellte ich schnell fest: nur wenige bekannte Gesichter. Der erste Kilometer geht ordentlich rauf, bevor es über ein paar steile Serpentinen wieder kräftig nach unten geht. Sven ist schnell weg und kurz vor dem Abstieg kassiert mich auch Christian. ASL2Dann geht es über meine ehemalige Hausstrecke vorbei am Ufer des Müggelsees zurück Richtung Altstadt. Mein Tempo wird zusehends langsamer, im Vollbesitz meiner Kräfte bin ich anscheinend nachwievor nicht. Trotzdem laufen wir zu dritt bis zur 8km-Marke zusammen, ich darf bis dahin artig den Windschattengeber spielen. Als wir gerade wieder Asphalt unter den Füßen haben, ziehen beide an mir vorbei. Gerechnet hatte ich damit schon viel früher. Das sind genau solche Momente beim Laufen, bei denen einzig und allein der Kopf gefragt ist. Das Tempo war jetzt nicht übermäßig schnell, trotzdem ist die Lücke schnell 15m groß und ich gebe mich geschlagen. Fast. Nach einigem gedanklichen Hin und Her verpasse ich mir einen Tritt in den Allerwertesten und laufe die Lücke wieder zu. So weit war es ja nun nicht mehr! Einmal Tempo aufgenommen, ziehe ich wieder an beiden vorbei. Der Atmung nach zu urteilen bleibt nur Geoffrey dran und klebt an mir wie eine Klette. Die letzten Kurven durch die Altstadt ziehen sich wie Kaugummi, aber es klappt: ich kann ich die Position bis ins Ziel in der Freiheit 15 retten. Auch wenn am Ende wieder gut 20s auf die Bestzeit fehlen, bin ich doch froh, dass ich zum Schluß nochmal zulegen konnte. Und die Ausrede, dass dies keine Bestzeitenstrecke ist, die gilt doch immer *G*?

Soviel wird jetzt diese Woche nicht mehr passieren. Ich darf mein Super-Tapering nicht mehr gefährden! Zwei lockere Läufe sollten noch drin sein, bevor es dann am Samstag nach Lübbenau geht. 22km Einrollen durch das Biosphärenreservat, um dann am Sonntag in Burg am Marathonstart zu stehen. Meine letzte Generalprobe vor 3 Wochen lief völlig problemlos. Zeitvorgaben mache ich mir fast keine. Ein nice-to-have Ziel wäre eine 2 vor dem Komma am Sonntag. Und wenn es nicht klappt: ich gehe das Experiment “Läuferkrone” (HM+M) ganz bewußt ein – auch mit der Option zu scheitern. Vielleicht sage ich ja auch im Nachhinein: Marek, das war eine Nummer zu groß für dich. Obwohl ich an diese Möglichkeit (fast) keinen Gedanken verschwende. So, ich muss jetzt weitertapern.

von Running Twin Marek am 29. März 2015 · 15 Kommentare · Kategorien: Wettkampfbericht

11046359_843600579047103_5835966622021951267_oEtwas ruhiger ist es geworden nach Henriks erstem Ultra-Trail in den Bergen Gran Canarias Anfang des Monats. Bei ihm standen die Zeichen auf Regeneration, die ist ja bekanntermaßen genauso wichtig wie das Training selbst. Ein richtig schneller Halbmarathon kam deshalb heute für ihn nicht in Frage. Bei mir war die Ausgangslage etwas anders: ich wollte den Lauf drei Wochen vor dem Spreewald-Marathon als echten Formtest benutzen. Die Umfänge im März waren ausnahmslos gut, so dass ich mir berechtigte Hoffnungen auf eine Zeit unter der Marke von 01:20 machte. Aber es sollte nicht sein heute: die Wunschzeit hatte ich schon nach 10km gedanklich abgehakt. Hier war ich zwar zeitlich noch im Soll, aber es fehlte die Lockerheit in den Beinen. Ich musste einiges zusetzen für das geplante Tempo und hatte nicht die nötige Kraft für Hälfte zwei. Dass heute kein Tag der Bestzeiten war, lag mit Sicherheit auch an den äußeren Bedingungen. Der Wind pustete an mehreren Stellen sehr ordentlich, meistens genau dann, wenn ich alleine unterwegs war und keinen Windschatten nutzen konnte. So konzentrierte ich mich letztendlich darauf, das Rennen vernünftig zu Ende zu bringen und nicht einzubrechen. Wenigstens das klappte dann, die Unterstützung der Zuschauer hat aber einiges dazu beigetragen. Immer wieder schön zu sehen, wieviele in Berlin (trotz des miesen Wetters) an der Strecke stehen und unermüdlich anfeuern und motivieren. Und so wurden es am Ende Zeiten, mit denen wir zwar zufrieden waren, die aber noch Luft nach oben bedeuten:

  • Henrik: 01:29:46 (53s fehlen zur PB)
  • Marek: 01:21:40 (12s fehlen zur PB)

Auch viele Top-Läufer konnten heute die hohen Erwartungen nicht erfüllen: Arne Gabius musste sich bei km13 mit Bauchkrämpfen übergeben und – das verdient großen Respekt – joggte mit “uns” noch locker nach 01:21 ins Ziel.

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Nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf. Die nächste Zeit steht ganz im Zeichen der Vorbereitung auf die in 3 Wochen anstehenden Aufgaben. Und Selbstvertrauen kann man nicht nur mit Bestzeiten tanken. Auch ein Lauf, der schwerer ist als erwartet und bei dem man auf die Zähne beißen muss, hilft enorm, um sich mental aufzubauen. Heute freuen wir uns über den sicher nicht perfekten, aber nach 4 Jahren Abstinenz für uns erfolgreichen Berliner Halbmarathon. Schon in 6 Wochen starten wir wieder gemeinsam in der Hauptstadt beim BIG25, bevor es eine knappe Woche später zum nächtlichen Run&Bike nach Neuzelle geht. Dann hoffentlich bei wärmeren Temperaturen und mit viel Sonnenschein!

von Henrik am 16. März 2015 · 12 Kommentare · Kategorien: Aktuelles, Ausrüstung

UA_Training_Challenge_Munich_1Etwas zu militärisch angehaucht kommt diese Überschrift daher. Doch im übertragenen Sinne rollt ein frischer Anbieter gerade den Laufmarkt in Deutschland auf. Von Under Armour hat man schon mal gehört und vielleicht das eine oder andere Kleidungsstück im Schrank, vor allem bei den Kompressionsshirts. Die Offensive auf deutschem Boden ist beispiellos. Was steckt dahinter? Müssen sich die Platzhirsche wirklich vor dem amerikanischen Hersteller und seiner Marketingarmada fürchten? Und was taugen die Klamotten? Eine Einschätzung.

Für Sichtbarkeit hat jüngst die Meldung gesorgt, dass Adidas auf dem amerikanischen Markt von UA auf den dritten Platz verdrängt wurde. Gegen Nike ist kein Kraut gewachsen und der amerikanische Markt ist seit jeher für Adidas schwierig. Aber dass UA nun auf dem deutschen Markt im Fitness- und Running-Segment voll angreift, wird spannend zu beobachten sein. In drei Jahren möchte man unter die Top 3. Bescheidenheit ist Fehlanzeige. In München startete UA in Sichtweite zum ISPO-Gelände die “Earn Your Armour”-Kampagne mit einem gutbesuchten Outdoor-Trainingscamp.  (c) facebook.com/underarmourEs soll wohl recht kühl gewesen sein. Ich hätte gerne teilgenommen, laborierte aber an Kniebeschwerden. Die neue Deutschland-Zentrale entsteht derzeit in München-Thalkirchen und wird noch im 2. Quartal den Betrieb aufnehmen. Als ob das nicht genug sei: früher oder später wird UA auch direkt in Adidas’ Domäne wildern und einen Verein der 2. Fußball-Bundesliga ausrüsten. Der deutsche Onlineshop wurde bereits im September 2014 an den Start gebracht.

UA_Apps_LogosIm Februar hat UA die Fitness-Plattformen MyFitnessPal und Endomondo übernommen. Bereits 2013 wurde MapMyFitness gekauft. Zusammen kommen alle drei Anbieter Schätzungen zufolge auf mehr als 130 Millionen Nutzer. Es ist anzunehmen, dass eine gemeinsame Community geformt werden soll. Mehrheitlich dürften Läufer Endomondo & Co. nutzen. Doch die Konkurrenz ist knüppelhart und hat teilweise eigene Hardware. Nike Running hat erst kürzlich die Plattform für Apps von Drittanbietern geöffnet. Es bleibt abzuwarten, ob UA die übernommenen Angebote wirklich zu einer einheitlichen, schlagkräftigen Plattform zusammenführen kann. Zumindest die Nutzerbasis ist da. Aber die muss man erstmal halten bei dem intensiven Wettbewerb auf dem Gebiet der Fitnesstracker.

ÖjendorferSeeMRT_4Durch den Winter bin ich mit so einigen Stücken aus der ColdGear-Kollektion gelaufen. Vor allem die Evo Compression-Legging (ok, an dem Namen muss man noch arbeiten) hat es mir angetan. Früher bin ich im Winter auch gern in kurzen Hosen gelaufen. Aber warum, wenn eine lange Hose die Beweglichkeit kaum einschränkt und so warmhält. Zudem half mir das ColdGear Infrared Longsleeve Tee unter der Laufjacke über so manche sehr kalten Läufe. Die Handschuhe taugten leider nichts, was aber auch an meiner hohen Empfindlichkeit an den Händen liegen mag. Als zweite Schicht haben sie aber ihren Dienst erfüllt. Die ColdGear Infrared Chrome Lite-Laufjacke habe ich leider nicht testen können. Die Kompressionsshirts finden wir beide richtig gelungen. Im Winter dienen sie als erste Schicht, im Sommer kann man die zum Laufen auch getrost als einzige Schicht ausführen. Auf den StormFit Hoodie haben wir sogar mal unser Logo aufnähen lassen. Hier sind auf jeden Fall konkurrenzfähige Produkte im Angebot. (c) underarmour.deBei den Schuhen wird es kniffliger. Die SpeedForm-Serie ist die Laufschuhreihe. Mit dem extrem leichten SpeedForm Apollo Vent (Sprengung: 8 mm) und dem SpeedForm Gemeni sind zwei recht gewagte Produktvariationen im Angebot. Ein mahnendes Beispiel sollte K-Swiss sein. Im Jahr 2013 gab K-Swiss den Vertrieb von Laufschuhen in Deutschland auf. Und inzwischen kämpfen noch einige mehr um ein Stück von dem Kuchen. Habt ihr schon Erfahrungen mit den Schuhen machen können?

Am vergangenen Samstag gab es einen Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Monaten folgen wird.

In einem großen Sporthaus in München veranstaltete UA die “Training Challenge” und bat Besucher spontan auf die Hantelbank, an die Kettlebell und Klimmzugstange. Wer die meisten Wiederholungen an dem Tag schaffte, konnte eine Vollausstattung mitnehmen. Die sportlichen Besucher waren sehr angetan und machten eifrig mit. Nun zielte die Aktion vor allem auf die Fitnessstudio-Gänger. Beim nächsten Mal wird bestimmt eine Challenge auf dem Laufband angeboten. Genug Rüstzeug ist jedenfalls vorhanden. Die Platzhirsche sollten sich ihres zurechtlegen.

TGC_Titelbild_1Als ich im Anfang Januar die Anmeldung für den Transgrancanaria Advanced elektronisch nach Las Palmas schickte, war ich mir meiner Sache sehr sicher. Es sollte mein erster Ultratrail werden, gedanklich hatte ich das sehr viel früher beschlossen. Die Form war so gut wie nie, noch im Dezember lief ich fast locker meine lang ersehnte Marathonbestzeit. Nichts sollte dem Abenteuer Transgrancanaria im Weg stehen. Aber es lief zu gut. Nach dem 15 Km-Lauf der Münchner Winterlaufserie hatte ich schlagartig Kniebeschwerden und auch die Hüftmuskulatur bereitete nie gekannte Probleme. Die jährliche Leistungsdiagnostik nach zwei Wochen Laufpause brachte ein durchwachsenes, aber zumindest kein vernichtendes Ergebnis. Zwei Wochen vor dem Start setzte mich die erste Erkältung nach zwei Jahren außer Gefecht. Zudem war klar, dass Marek keinen Startplatz mehr bekommen würde. Kann man unter diesen Voraussetzungen einen Lauf über 84,7 Km mit 4.800 Höhenmetern wagen? Noch nie war ich mehr als 56 Km am Stück gelaufen.

Transgrancanaria 2015 02Auf Gran Canaria stellte sich die Situation gleich freundlicher dar. Die Sonne, eine Landhaus mit irrer Kulisse in den Bergen und gleich ein lockerer Lauf auf dem letzten Teil der Strecke, das gab mir einen Schub. Ultratrailer Andi machte mir Mut, er hatte das Rennen im letzten Jahr auf dem 16. Platz beendet und kannte die Strecke. “Irgendwann ist es egal, wie lange du läufst”. Marek und ich waren beim Run&Bike mal 7h unterwegs. Aber mehr als 12 Stunden? Ein letztes Training am Dienstag auf der Strecke mit dem Aufstieg zum Roque Nublo konnte mich zumindest nicht entmutigen. Und als ich die Startnummer am Donnerstag eingesackt hatte, war der Point-of-no-return erreicht. Ich würde mich am Samstagmorgen um 7:00 Uhr in Fontanales an die Startlinie stellen. Ich kannte drei Viertel der Strecke, hatte zweimal den Transgrancanaria Marathon gefinished (der mit seinen 44 Km im Übrigen kein Marathon ist). Das musste jetzt reichen. Niemand würde mich abhalten, mittendrin auszusteigen und mich von Gregor einsammeln zu lassen. Außer mir selbst.

Transgrancanaria 2015 08Im Startbereich ging mir sowas von die Düse. Ein wüstes Gemisch aus Adrenalin, Nervosität, berauschender Atmosphäre, Ungläubigkeit, ich konnte es nur geschehen lassen, ohne Einfluss auf die Dinge zu nehmen. Wie lange stand ich im Startbereich? Kann mich nicht erinnern. Schon knallte es und die angestachelte Meute hetzte hoch Richtung Sonnenaufgang. Die Beine waren Blei, ich musste mich konzentrieren, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Bloß nicht mitreißen lassen, Stau vor dem ersten Singletrail ist gut. Sehr langsam kam ich in Bewegung. Die erste und einzige mentale Krise kam beim Km 80-Schild. Noch 80 Km bis ins Ziel? Ja, ich hatte richtig gelesen. Noch war Zeit umzudrehen. Es ist ein Fehler, über die Distanz nachzudenken. Besser, von Meilenstein zu Meilenstein denken. Und so beschloss ich, die Kilometerangaben zu ignorieren. Ich zog in aller Ruhe die Windjacke aus und schob mich mit der Läuferschlange runter in das Bergdorf Teror. Dort würde Gregor auf mich warten.

Eine interessante Mischung von Leuten nimmt an so einem Lauf teil. Da sind die Ultrafreaks, die sich mit Hightech-Ausrüstung ununterbrochen redend auf einen langen Spaziergang begeben. Da sind junge Mädels, die mit pinkem Laufrock und Minimalausrüstung die Berge hochschweben. Und junge Männer, die sich mal auf ein richtiges Abenteuer begeben wollen. Man hat viel Zeit, um mit anderen Läufern in Kontakt zu kommen. So manchen habe ich gefühlte zehn Mal überholt. Weitgehend ist das Rennen jedoch einsam. Aber für ein paar Kilometer kommt dann doch wieder jemand, der dich den Anstieg hochzieht und ein paar aufmunternde Worte für dich hat. Es ist ein sehr höflicher Umgang miteinander, den ich noch bei keinem anderen Lauf erlebt habe. Jeder hat so seine Krisen. Und als mir später wirklich kurz vor dem Verpflegungspunkt das Wasser ausging, ich bin mir sicher, jeder Läufer hätte mir ausgeholfen. Es ist irgendwie auch schön, dass es eben nicht auf jede Minute ankommt.

Transgrancanaria 2015 12In Teror war ich etwas vor der geplanten Zeit. Aber das hieß gar nichts. Es war immer noch warmlaufen. Der Wassertank war bereits leer – ich hatte auf 13,6 Km bereits 1,5 Liter getrunken. Am Ende des Tages werden es mehr als 10 Liter Wasser und 2 Liter Cola sein. Ein kurzer Plausch am Verpflegungspunkt, weiter ging es nach oben über viele Treppenstufen. Die ersten hatten hier schon schwer zu kämpfen. Nichts gab es auf dem ersten und längsten Anstieg zum Cruz de Tejeda, dem geografischen Mittelpunkt der Insel, zu gewinnen. Der Weg führte über Talayon, oben war es streckenweise stürmisch und wir mussten aufpassen, nicht vom Hang gefegt zu werden. Einen Teil des Weges sind wir beim Marathon vor zwei Jahren in anderer Richtung gelaufen. Der Abstieg nach Tejeda machte richtig Spaß und zum ersten Mal ließ ich es etwas laufen. Die Sonne hielt sich zurück, das machte das Laufen sehr angenehm. Unten angekommen holte mir Gregor fix eine Cola aus der Bodega und keine 10 Minuten später war ich auf dem Weg zur Königsetappe. Ich fühlte mich gut, aber das hieß gar nichts nach noch nicht einmal 30 Kilometern.

Was nimmt man so mit auf die lange Reise? Vorgeschrieben sind eine Wind-/Regenjacke, ein Wassertank mit mindestens 1,5 Liter Volumen, eine Rettungsdecke, Stirnlampe mit Ersatzbatterien, rot blinkendes Rücklicht, Telefon und ein Plastikgefäß für das Abfüllen von Getränken. Der Rucksack kommt somit schnell auf 3 Kg Gewicht. Der Veranstalter behält sich vor, Teilnehmer zu disqualifizieren, die beim Materialcheck nicht alles vorzeigen können. Im letzten Jahr hatte Arista den TGC-Sieger Ryan Sandes disqualifiziert, er hatte die Frage nach der Rettungsdecke verneint. Alles nur ein sprachliches Missverständnis, wie sich später total überraschend herausstellte. Mit der englischen Sprache hat man es nicht so, aber trotzdem versteht man in Sachen Mindestausrüstung keinen Spaß. Ich fragte mich schon, wie in so manche Ein-Hauch-von-nichts-Rucksäcke 1,5 Liter Wasser reinpassen sollten. Obwohl The North Face der Titelsponsor ist, ist der Transgrancanaria ein Salomon-Festival. Stöcke sind nicht verpflichtend und ich habe keine genommen, damit würde ich nur andere Läufer verletzen. Viele merken aber gar nicht, wie weit sie mit ihren Stöcken nach hinten ausschlagen und dass es auf schmalem Wege schwerer ist, einen Stocknutzer zu überholen. Und dieses ständige Geklacker…

Transgrancanaria 2015 20Landschaftlich ist der Transgrancanaria ein extrem reizvoller Lauf. Gran Canaria wird aufgrund der zahlreichen Vegetationszonen als Miniaturkontinent bezeichnet. Man kann spektakuläre Ausblicke genießen auf dem Weg gen Süden, wenn man nur Zeit hätte. Ab und zu knipste ich ein Selfie, ich hatte es nicht so eilig. Die Strecke führt auch über den Roque Nublo – das Wahrzeichen Gran Canarias. Der “Wolkenfels” ist ein zusammengefallener Vulkankegel, von dem nur noch das Kerngestein übrig ist. 50 Meter vor dem Roque ist ein Checkpoint mit Zeitnahme. Der Aufstieg fiel mir nicht schwer, ich hatte den Abschnitt am Dienstag vorher belaufen und sammelte auch mit nur zügigem Hochgehen einige Läufer ein. So langsam fing das an, Spaß zu machen. Vielleicht war ich hier etwas besoffen vom Flow. Oben schiebt man sich vorbei an den Touristen auf der Pendelstrecke erst hoch, lässt den Chip scannen und läuft wieder runter zum Parkplatz. Nach 5:30h steuerte ich schon nach unten. Das war eine halbe Stunde vor Plan.

Auf dem Campingplatz von El Garañón, Startpunkt des Marathons auf ca. 1.600 m, kam ich um 13:00 Uhr an. Das ist Km 39 für den Advanced und Km 82 für die 127,5 Km-Läufer. Hier gibt es Suppe, ein paar Schlafstellen und mehr Ultra-Verpflegung. Es fühlt sich wie Halbzeit an. Dieser Punkt ist mental ein enorm wichtiger Meilenstein. Jetzt kam ja schließlich nur noch die Marathonstrecke vom letzten Jahr. Diese beginnt aber mit dem Anstieg auf den höchsten Punkt der Strecke: den Pico de las Nieves. Gute 300 Höhenmeter sind auf einem recht steilen Waldstück zu klettern. Hier kam ich schnell an meine Grenzen und musste mehrere Pausen einlegen. Im Schneckentempo stapfte ich mit zwei anderen Läufern hoch. Das war knüppelhart. Auf etwas über 1.900 m durchläuft man einen Messpunkt und von nun an geht es (fast) nur noch runter. Der Weg nach Tunte ist ein recht steiniger Downhill, der aber gut zu laufen ist. Da mich der Weg zum Pico viel Kraft gekostet hatte, lief ich nun sehr langsam und vorsichtig – noch war es ein weiter Weg, noch war nichts gewonnen.

Selbstverständlich hat jeder Möchtegern-Trailläufer eine GPS-Uhr dabei. Ich hatte mir im letzten Jahr die Suunto Ambit 2S zugelegt, in der Hoffnung, dass ich damit auch mal ein längeres Rennen aufzeichnen könnte. Leider stellte die Uhr nach knapp 7 Stunden auf dem Abstieg nach Tunte mit der Meldung “Batterie laden” den Dienst ein. Immerhin bleibt sie an und zeigt noch die Uhrzeit an, das war für mich weiterhin wichtig. Die Genauigkeit der GPS-Erfassung war auf Stufe 2 von 4 eingestellt, also nur “gut”. Die avisierten 12h erreicht man damit jedoch nicht. Das Aufzeichnungsintervall war nur auf 10s gestellt. Das ist schon schwach für eine Uhr, die auf längere Touren ausgelegt ist, hier hatte ich mir von der Ambit mehr erwartet. Aber selbst mit Aufzeichnung bewegen sich die Beine nicht von allein. Wer sich Zeit für einen Blick in westliche Richtung nimmt, ist erstaunt, wie weit der Roque Nublo schon weg ist.

Transgrancanaria 2015 30Mehr als 30 Minuten langsamer als beim letztjährigen Marathon war ich auf dem Abschnitt nach Tunte. Die steinigen Wege liefen sich jetzt nicht mehr so flüssig. Auch der Kopf wurde zunehmend müde und erst die Cola am Verpflegungspunkt machte mich wieder wach. Gute 33 Kilometer inkl. eines kleineren Anstiegs standen noch zwischen mir und dem Ziel. Es geht aus Tunte, übrigens der alte Name für San Bartolmé de Tirajana, erstmal hoch auf die Bundesstraße und dann rechts weg auf einen Wanderweg. Ich lief die Steigungen nicht, um Kraft für den noch vor mir liegenden sehr unangenehmen Downhill nach Arteara zu sparen. Wenn ich bis 17:00 Uhr unten bin… Die Rechnung war spätestens hinfällig, als ich mich hinlegte. Es ist nur eine Geröllhalde, die aber sehr viel schwieriger zu passieren ist, wenn man bereits 65 Kilometer in den Beinen hat. Langsam und ohne weiteren Sturz quälte ich mich runter und machte drei Kreuze, als ich endlich Gregor am Checkpoint traf.

Was denkt man so auf dem Weg? Ich bin ja nicht der große Nachdenkliche während des Laufens. Die Strecke bietet kaum eine Gelegenheit, um sich gedanklich woanders hintragen zu lassen. Eine Unkonzentriertheit, ein falscher Tritt und das Rennen endet mit Knochenbruch im Krankenhaus – wie leider für so einige. Trotzdem arbeitet das Hirn. Ich habe oft an den Abend gedacht und den Wunsch, es pünktlich zum Essen zu schaffen. Zu keinem Moment aber an Aufhören. Spätestens nach der “Halbzeit” in Garañón war ich mir sicher, dass ich ankomme. Der mentale Anteil an so einem Unternehmen ist hoch: körperliche Fitness ist die notwendige Bedingung. Hinreichend ist aber die Bereitschaft, alles zu geben und die Überzeugung, dass es möglich ist. Niemals darf man den Respekt vor der Strecke, vor der Natur und vor der Aufgabe verlieren.

Transgrancanaria 2015 31Was sollte schon noch passieren auf den finalen 18 Kilometern? Der wirklich letzte Anstieg durch die Nekropolis von Arteara (mal wieder Steine, yeah) war harmlos, dann hangelte ich mich mit abwechselndem Laufen und Gehen durch. Gerne wäre ich hier wie im letzten Jahr zügig gelaufen, aber die Beine waren nicht mehr verhandlungsbereit. Mit den letzten Sonnenstrahlen erreichte ich den letzten Verpflegungspunkt, setzte mich ein paar Minuten, plauderte mit den anderen Bekloppten, füllte nochmal den Wassertank auf lief auf die “Zielgerade”. Es geht unter der Autobahn durch auf einen Feldweg und dann direkt in ein trockenes Flussbett, gern “Flussbett des Grauens” genannt. Der Boden ist uneben und man muss aufpassen, um nicht zu stolpern. Gute vier Kilometer zieht sich der Kanal, bevor man auf den Weg zum Strand gelassen wird. Ich war zu faul, die Stirnlampe rauszuholen. Als Schmankerl schickte uns der Streckenposten dann noch 500 Meter durch den Sand bis zum Leuchtturm. Fluchten hier einige? Verschwendete Energie. Mit jedem Schritt wurde ich schneller und flog gefühlt die Strandpromenade von Meloneras rauf. Hier war das Rennen im letzten Jahr beendet, warum nun noch 1.500 Meter vorbei am Einkaufszentrum und hoch zur Expo folgten, bleibt das Geheimnis von Arista. Die Jungs sahen mich von weitem auch ohne Stirnlampe und einen Kreisverkehr plus Ehrenrunde später war es passiert.

Angekommen nach 12 Stunden, 57 Minuten, 31 Sekunden.

TGC_6Ein unbeschreibliches Gefühl. So ganz hatte ich das noch nicht geschnallt, dass ich das gesamte Tageslicht lang fast 85 Km über diese Insel gelaufen bin. Vielleicht war das der Schlüssel. Träume gehen von Träumen nicht in Erfüllung. Man muss es einfach machen. Noch lange werde ich an diese unvergesslichen 13 Stunden zurückdenken. An diese Stunden zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.

 
 
 

Einen tollen Clip hat der Bert zusammengeschnitten:

Ausrüstung:

  • Kopfbedeckung: Buff High UV Protection
  • Sonnenbrille: Oakley Flak Jacket XLJ
  • Jacke: Puma Lighweight Laufjacke
  • Hose: Salomon S-lab Exo Short Tight
  • Beinlinge: Salomon Exo Calves
  • Schuhe: Brooks PureGrit 3
  • Trinkrucksack: Salomon Advanced Skin 5
  • GPS-Uhr: Suunto Ambit 2S
  • Schweißband: x-Bionic Wallabe