von Running Twin Marek am 26. Juni 2015 · 1 Kommentar · Kategorien: Kurioses, Reisen, Strecken

Appalachian-Trail-signEs soll das Meisterstück seiner Karriere werden. Eine denkwürdige Verabschiedung von der professionellen Ultra-Laufszene. Dafür hat sich Scott Jurek ein großes Ziel gesetzt: die Durchquerung des „Appalachian Trail“ in einer neuen Rekordzeit. Der Trail, eine Art Fernwanderweg, führt durch 14 US-Bundesstaaten und ist laut der gleichnamigen Website der „berühmteste Kletter-Trail der Welt“. Über 3500km und knapp 160.000 Höhenmeter sind dabei zu bewältigen. Für manche ist das ein monatelanges Unterfangen, die meisten nehmen auch „nur“ eine Teilstrecke in Angriff. Nicht so Jurek. Sein Ziel ist die Pulverisierung des bisherigen Streckenrekordes, der bei 46 Tagen, 11 Stunden und 20 Minuten liegt. Aufgestellt wurde dieser von Jennifer Pharr-Davis im Jahr 2011. Seither gab es mehrere Versuche, diese Zeit zu unterbieten u.a. von Karl Meltzer. Ohne Erfolg.

jurek-app-map-v3-1-1024x683Jurek, der in seiner Karriere alle großen Ultra-Rennen gewonnen hat (u.a. den Spartathlon, 7x in Folge den Western States 100, den Badwater und viele mehr) und einen gott-ähnlichen Status in der Szene genießt, weiß um die Schwierigkeit der Strecke. Er läuft von Georgia im Süden nach Maine im Norden. Auf dem Weg wird die Strecke immer anspruchsvoller und technischer. Der Start fand am 27. Mai statt, seitdem hat er bereits über die Hälfte geschafft und sich dabei auch von einer Zerrung im Oberschenkel nicht aufhalten lassen. Über 80km pro Tag sind für den Rekord notwendig, d.h. mindestens 13h täglich in Bewegung zu sein. Selbst für einen so erfahrenen Ultra-Läufer ist das ein Pensum, das er nie zuvor in seinem Leben bewältigt hat. Die bisherige Planung sah vor, dass das Ziel bereits nach 42 Tagen erreicht sein soll (am 4. Juli), das wären ganze 4 Tage schneller als die bisherige Bestmarke. Bildschirmfoto 2015-06-26 um 21.38.08Dafür ist aber eine erhebliche Steigerung der Umfänge auf dem zweiten, anspruchsvolleren Teil erforderlich. Updates kommen täglich über die sozialen Netzwerke (siehe Instagram), unterstützt wird Jurek von einer Support-Crew, u.a. von seiner Frau Jenny.

Bildschirmfoto 2015-06-26 um 21.30.16Eine sehr eindrucksvolle Darstellung, wo sich Jurek gerade befindet, gibt die Google-Earth Tour, die leider nur mit einem speziellen Browser-Plugin läuft. Hier wird recht schnell ersichtlich, welch immense Distanz der Trail hat. Nach nunmehr 30 Tagen hat er die Grenze Connecticut – Massachusetts erreicht und scheint im Plan zu liegen. Die aktuelle Position ist auf dieser Karte ersichtlich. So dürften es dann nicht einmal zwei Wochen sein, wenn Jurek sein ehrgeiziges Ziel in Maine wirklich erreichen sollte. Die Unterstützung der Community ist ihm sicher. Im Anschluß an den Rekordtrail hat er sich bereits weitere Ziele gesetzt, die allerdings einen weniger hohen Kilometerumfang erfordern: eine Familie gründen und Kinder haben.

logo_swissalpine_RGBDen „wohl anspruchsvollsten Berglauf der Alpen“ habe ich mir ausgesucht. Am 25.07. steigt die inzwischen 30. Auflage des Swissalpine, einer altehrwürdigen Berglaufveranstaltung rund um Davos im Schweizer Graubünden. Es sind sechs Laufstrecken von 10 bis 76 Km im Angebot. Zum Glück hatte ich mich bei der Planung für den „K42“ und nicht für die Ultra-Distanz entschieden. Denn auch der Marathon hat es in sich: Auf- und Abstiege „hart wie Granit“, raue Bergtrails, hochalpine Streckenführung bis auf 2.600 m Höhe und 1830 positive Höhenmeter – das sind keine leichten Rahmenbedingungen. Nur gute 100 Leute sind im letzten Jahr unter 5 Stunden gelaufen. Ein sicheres Zeichen, dass das kein Zuckerschlecken wird. Im letzten Jahr hat Dauerregen zudem für einen besonders harten Wettkampf gesorgt. Die Teilnehmer berichten regelmäßig von einer perfekten Organisation und reibungslosen Abläufen, die mit der langen Erfahrung des Veranstalters einhergehen. Die Startgebühr ist wahrlich kein Schnäppchen (ab 130 CHF), darin enthalten ist aber unter anderem ein ÖPNV-Ticket für das gesamte Rennwochenende und das exklusive Finishershirt, das seinem Namen alle Ehre macht und nur an Finisher ausgegeben wird. Der Swissalpine K42 passt perfekt in meine Saisonplanung. Er liegt genau zwischen dem Bloggercamp und dem Stockholm 50K Ultramarathon. Jetzt muss nur noch das Training entsprechend hochgefahren werden. Die Woche in den Dolomiten beim RUNNING Company Laufcamp war schon eine richtig gute Grundlage. Übrigens dürfen in den Laufdisziplinen keine Stöcke eingesetzt werden. Für mich nicht schlimm, da ich noch kein Rennen mit Stöcken gelaufen bin. Ich freue mich auf ein spektakuläres Wochenende in den Schweizer Bergen und auf die Premiere beim Swissalpine. Das mit dem Granit wird sich wohl bewahrheiten. Das mit dem Juwel hoffentlich auch.

DAVOS, 26JUL14 - Ganz schoen steil: Die Auf- und Abstiege, die Hoehenlage sowie die teilweise rauhen Bergtrails verlangen den Marathon Laeufern beim Aufstieg zum Sertigpass alles ab. Impression vom 29. Swissalpine am Samstag, 26. Juli 2014. swiss-image.ch/Photo Andy Mettler

DAVOS, 26JUL14 – Ganz schoen steil: Die Auf- und Abstiege, die Hoehenlage sowie die teilweise rauhen Bergtrails verlangen den Marathon Laeufern beim Aufstieg zum Sertigpass alles ab. Impression vom 29. Swissalpine am Samstag, 26. Juli 2014.
swiss-image.ch/Photo Andy Mettler

von Henrik am 14. Juni 2015 · 3 Kommentare · Kategorien: Strecken, Zukünftiges

Logo-250x137Dennis Kimetto muss jetzt ganz stark sein. Die verrückten Leute von der Bestzeitmarathon Groundcrew wollen es wirklich wissen in diesem Jahr. Sie haben wieder mit dem Zeittunnelkomitee verhandelt und wollen zum vierten Mal mutige Marathonläuferinnen und -läufer in diesen Zeittunnel schicken. Mit dem Ziel, endlich den Marathon-Weltrekord nach München zu holen. Dafür wurde die „Luis-Trenker-Gedächtnisstrecke“ aus dem Jahr 2014 verworfen und der flachste Kurs gewählt, den man überhaupt im Münchner Stadtgebiet finden kann. Im Riemer Park (wegen der längst vergessenen Bundesgartenschau 2005 auch „BuGa-Park“ genannt) wird sich am 24.10.2015 um Mitternacht wieder Fantastisches ereignen. Menschen werden im Kreis um den See rennen, manche 10, manche 20 Runden, in der Hoffnung, dass ihnen der Zeittunnel eine Stunde ihrer Marathonzeit schenken möge. Die Öffnung des Zeittunnels ist für 03:00 Uhr MESZ vorhergesagt, aber niemand kann eine belastbare Aussage darüber treffen, ob das klappen wird. Die Geschichte des Bestzeitmarathons ist eben auch eine Geschichte voller Missverständnisse. Nicht wenige Menschen sprechen sogar von „Betrug“ und vom „Mogelmarathon“. Die Groundcrew kann das mal wieder nicht abschrecken. Ganz im Gegenteil: in diesem Jahr werden wieder hochkarätige Partner an Bord sein, die dem Bestzeitmarathon zu nie vorhersehbarer Präsenz verhelfen werden. Vielleicht sogar in den Bestenlisten dieser Welt. Wir mussten selbst ein wenig schlucken, wie sich das alles so entwickeln konnte:

  • 2012: Geburtsstunde – im Schneetreiben gewinnt Henrik die Premiere des Bestzeitmarathons
  • 2013: Zeitsprung 2.0 – die Verrückten wiederholen es und verpassen den Weltrekord haarscharf
  • 2014: Aller guten Dinge sind drei – auf neuen Pfaden im Ostpark wird Rekordbeteiligung gefeiert

Du bist auch nicht so ganz „gewöhnlich“ und willst dich unter die Bestzeitmarathonis mischen? Ein Start um 24:00 Uhr ist für dich eher Routine als Herausforderung? Dann wollen wir dich mal nicht aufhalten, zur Anmeldung geht es hier entlang. Auch in diesem Jahr ist das Teilnehmerfeld limitiert. Schnell sein lohnt auch deshalb, weil bis Monatsende noch die Preise vom letzten Jahr gelten. Wo gibt es denn noch sowas? Halt nur bei diesen Verrückten von der Groundcrew.

Langkofelumrundung_04Die Dolomiten sind ein Paradies für Läufer. Insbesondere die Seiser Alm und deren Umgebung im Grödnertal hat sich in den letzten Jahren einen Namen bei Trailläufern gemacht. Dazu beigetragen hat die Kartografierung eines Running Parks, in dem die schönsten Laufstrecken aufgeführt werden. Aber nicht nur die Seiser Alm an sich, die mit der Dolomiten-Berglandschaft übrigens zum UNESCO Welterbe zählt, bietet eine atemberaubende Kulisse für Landschaftsläufe. Das gesamte Tal und die angrenzenden Gipfel sind viel zu schön, um sich „nur“ auf die Seiser Alm zu beschränken. Diese ist flankiert vom Schlern und den beiden „Wahrzeichen“, dem Langkofel und dem Plattkofel. Schon Luis Trenker bewunderte die Kulisse mit den beiden schroffen Postkartenschönheiten, die vom Sonnenlicht und Wolken zu jeder Tageszeit anders gefärbt werden. Der Gipfelsturm des Langkofels ist den Kletterern vorbehalten. Als Wanderer kann man immerhin durch die Langkofelscharte bis zur Toni-Demetz-Schutzhütte aufsteigen. Die Läufer begnügen sich mit der Umrundung des Bergs und seinem kleinen Bruder auf etwas tieferer Ebene.

Die Langkofel- und Plattkofel-Umrundung zählt zu den schönsten Touren im gesamten Grödnertal.

Postkartenkulisse - so schönDer Startpunkt ist variabel, je nach Höhe muss man zunächst etwas aufsteigen. Gut geeignet ist das Plateau am Monte Pana mit dem Hotel Cendevaves, das auf etwas über 1.600 Meter Höhe liegt und bequem mit dem Auto von St. Christina angefahren werden kann. Von dort aus folgt man dem Wanderweg 528 in Richtung Langkofel, der erst gemächlich und dann zügig ansteigt. Der Weg ist teilweise Skipiste im Winter, entsprechend geröllig ist der Untergrund. Trailschuhe sind Pflichtausrüstung! Langkofelumrundung_08Nach etwa drei Kilometern gelangt man in die ersten Ausläufer der „Steinernen Stadt“, das Resultat eines riesigen Felssturzes vom Langkofel. Man hält sich weiter linksseitig und gelangt ca. 2.000 Meter später zur Comici-Hütte, die nach übereinstimmender Meinung mit das beste kulinarische Angebot der Berghütten in den Dolomiten bereithält. Wir halten uns hier aber nicht lange auf und steuern südlich vorbei am Langkofelhang. Immer besser wird der Blick auf das Sella-Massiv zur linken Hand, bekannt durch die legendäre Sella Ronda. Übrigens, die Sella Ronda ist nicht nur für Ski- und Radfahrer gut machbar. Wie wäre es mal mit einer Laufrunde? ;)

Langkofelumrundung_09Es geht auf welligem Weg, der gut laufbar ist, bis das Passo Sella-Ressort in Sichtweite kommt. Das kann man passieren und dann auf der Straße weiter zum Friedrich-August-Weg hochlaufen. Oder aber aber man biegt vorher rechts direkt auf die Skipiste, die etwas steiler nach oben führt. Von dieser aus führt auch der steile Weg direkt hoch zur bereits erwähnten Demetz-Hütte. Es ist der letzte größere Anstieg der Umrundung mit ca. 250 Höhenmetern. Oben biegt man direkt auf den Friedrich-August-Weg. Der Sachsenkönig war vom Panorama so begeistert, dass er einen Höhenweg anliegen ließ. Wir bewegen uns nun bereits an den Südhängen unterhalb des Plattkofels direkt auf die Friedrich-August-Hütte zu. Langkofelumrundung_12Der Weg ist schmal, aber nicht zu steil, so dass man zügig laufen kann. Kleinere Kletterpartien unterbrechen den Flow. Dafür gibt es grandiose Aussichten. Bis zur Plattkofelhütte legen wir etwa 4,5 Km zurück. Ist diese passiert, folgt der Abzweig des Weges zur Plattkofel-Spitze. Diese lassen wir liegen und biegen erst 200 Meter später auf den Singletrail, der uns am Westhangs des Massivs entlangführt. Der Weg führt nun zunächst abwärts durch waldreiches Gebiet. Konzentration ist geboten, denn spitze Steine laden zum Umknicken ein. Es bleibt geröllig auf dem Wanderweg 527, der zunächst in nördliche und später in östliche Richtung führt. Die Langkofelhütte ist nun angeschlagen, ein schöner Meilenstein auf diesem langen und teilweise anspruchsvollen Teilstück. Wer die Runde abkürzen will (wie in der Karte), nimmt den direkten Weg über eine große Alm zum Monte Pana. Dafür der etwas unscheinbaren Markierung „St. Christina“ folgen. Dieser Weg führt auf die 525 und dann auf den Forstweg Nr. 30 zurück zum Ausgangspunkt zum Monte Pana. Wer sich alles geben will, läuft weiter und steigt nochmal etwa 200 Höhenmeter zur Langkofelhütte auf. Von dort führt ein gut ausgebauter Schotterweg auf die 526B, ein wunderbarer Panoramaweg, der nach etwa 4 Kilometern am Hang die Runde schließt.

Die Umrundung des Langkofelmassivs ist auch für weniger geübte Trailrunner machbar. Mit 700-1.000 Höhenmetern (je nach Route) und 20-22 Kilometern hat man eine Panorama-Tour mit irren Aussichten, die nicht alles abverlangt. Je nach Pace schafft man die Runde in 2,5h (größtenteils laufen) bis 5 Stunden (größtenteils gehen). Trailschuhe, Trinkrucksack mit ausreichend Wasser und Nahrung sowie die Regenjacke sind unverzichtbar. Das Wetter ist gefürchtet wechselhaft und auch über die Öffnungszeiten der Hütten sollte man sich vorab informieren.

Ausrüstung:
  • Jacke: Salomon Bonatti WP Jacket
  • Hose: Salomon S-lab Exo Short Tight
  • Schuhe: Salomon S-lab Sense 3
  • Trinkrucksack: Salomon Advanced Skin Pro 14+3
  • GPS-Uhr: Suunto Ambit 2S
  • Sonnenbrille: Oakley Flak Jacket XLJ
  • Schweißband: x-Bionic Wallabe
  • Energy Gels: High5 Energy Liquid
von Running Twin Marek am 01. Juni 2015 · 1 Kommentar · Kategorien: Wettkampfbericht

DSC_0100Der Termin ist mittlerweile zu einer festen Größe im Terminkalender geworden: Mitte Mai geht es über die klassischen 10km über zwei Runden in den Grünauer Forst. Die Strecke ist schön im Wald gelegen, sehr flach, exakt vermessen und bietet ideale Bedingungen für schnelle Zeiten. Zudem ist die Veranstaltung liebevoll organisiert und hat den Charakter eines Volkslaufes mehr als verdient. Als „Resident“ der vergangenen 4 Jahre (ich konnte bisher immer teilnehmen) gab es im Anschluß an die 5. Auflage sogar noch einen Ehrenpreis für mich. Wie schon in den vergangenen Jahren war die „Grünauer Meile“, ein Wettbewerb der Grundschulklassen, der Magnet schlechthin: mit 350 Meldungen hieß es diesmal bereits vor dem Start: AUSVERKAUFT! Beeindruckend, wie viele Schüler und Eltern hier mit großem Einsatz dabei sind und für ihre Klasse um das Preisgeld von 150,- kämpfen. Hier hat sich ein Wettbewerb etabliert, der in der Berliner Umgebung seinesgleichen sucht.

DSC_0082Als Ehrengast war diesmal Bernd Hübner „Hübi“ zu Gast, die Berliner Lauflegende mit den meisten Berlin-Marathon-Teilnahmen. Bernd lies es sich nicht nehmen, die Siegerehrungen durchzuführen und hielt während der Veranstaltung die eine oder andere Anekdote aus seinem immensen Lauf-Fundus bereit. Auch Günther Hallas, der erste Berlin-Marathon-Sieger, war dabei und lief sogar die 5km-Strecke mit! Als wenn nicht schon diese Gäste allein großes Staunen hervorrufen würden, wurde das von der sportlichen Klasse der Läufer sogar noch überboten. Mit Paul Schmidt kam überraschenderweise auch einer, der sich im letzten halben Jahr in die deutsche Elite gelaufen hat. Mit einer Bestzeit von 29:58 von den Deutschen Meisterschaften angetreten, lief er am Nachmittag über die 5km eine 14:43 bei den Berlin-Brandenburgischen Meisterschaften, um nur 2,5h später in Grünau über die 10km am Start zu stehen. DSC_0132Da er sich aber „nicht 100% ausbelastet“ habe bei dem vorigen Rennen, sind auch zwei Starts in so kurzer Zeit bei so leistungsstarken Läufern mal so eben machbar. Auch Jonas Engler, Sieger der letzten 4 Ausgaben im Grünauer Forst, war trotz anhaltender ISG-Probleme und einer 3-monatigen Laufpause(!) mit am Start. Jonas hat den Leistungssport mittlerweile an den Nagel hängen müssen, aber Läufer solchen Niveaus sind natürlich weiterhin dem Laufsport verbunden und auch ohne geplantes Training zu außerordentlichen Leistungen fähig.

IMG_4900Die Umfänge hatte ich unter der Woche ordentlich reduziert, so dass ich ausgeruht und fit an den Start gehen konnte. Nachdem es die letzten Jahre mit der Bestzeit nicht geklappt hatte, wollte ich dieses Jahr unbedingt einen neuen Anlauf nehmen. Dass Jonas ein ähnliches Tempo plante und mit mir „mitlaufen“ wollte, paßte mir natürlich bestens in den Kram. Paul war schon bald nach dem Start außer Sichtweite. Dominik von der LG Nord eilte ihm hinterher. Jonas versuchte ihm zu folgen, gesellte sich dann aber nach 2km zu mir und wir liefen fortan zusammen. Hier war schon klar: mit dem Podium wird es unter den gegebenen Umständen nichts werden. Aber auch so ein 10km-Rennen ist immer für Überraschungen gut. Als wir nach der ersten Runde bei ca. 17:50min hinter dem 5km-Sieger in die Wendeschleife gingen, waren wir plötzlich hinter Paul. Wo war denn Dominik geblieben? Er kam uns dann bei km6 entgegen. Später stellte sich heraus, dass er sich bei der Schleife im hinteren Teil des Kurses vertan haben und an einer Abzweigung geradeaus gelaufen sein muss. Die Lücke zu uns konnte er nicht mehr zulaufen, das war zu dem Zeitpunkt bereits klar. Ärgerlich für ihn, da er sich bereits über 30s Vorsprung rausgelaufen hatte, die wir niemals hätten aufholen können.

DSC_0111Mit Jonas zusammen lief es super. Wir wechselten uns mit der Führungsarbeit ab und konnten bis auf einen Ausreißer (km6) das Tempo recht gut halten. Der Verfassung und Verletzung geschuldet, konnte Jonas natürlich nicht an seine früheren Top-Leistungen anknüpfen. Aber für mich war es „schön“ zu sehen, dass auch er ordentlich kämpfen musste, um dranzubleiben. Bei km7 konnte ich eine kleine Lücke erkämpfen, die Jonas aber recht schnell wieder zulaufen konnte. Die Führung wechselte ständig, bevor es auch schon in Richtung Ziel ging. Hier spielte er seine ganze Erfahrung aus und ich konnte schlußendlich nicht mehr kontern und vorbeigehen. Vielleicht wäre es beim Kampf um Platz 3 anders gewesen! IMG_4909So aber liefen wir im 2s-Abstand ein und beim Blick auf die große Zieluhr wußte ich bereits, dass es diesmal zur Bestzeit gereicht hatte – und das sogar noch unter den 36min! Wow. Welch ein Rennen! Damit war ich super zufrieden. Die alte 10k-Bestzeit hatte jetzt über drei Jahre lang Bestand und endlich habe ich auch die so lange ersehnten 35min „zu stehen“. Ich bedankte mich bei Jonas für das tolle Rennen und wir sahen noch gemeinsam, wie Dominik mit 37min ins Ziel als undankbarer Vierter einlief. Paul war zu dem Zeitpunkt schon mit dem Siegerinterview fertig, er pulverisierte den bis dahin von Jonas gehaltenen Streckenrekord um bescheidene 01:36min und kam mit 30:43 ins Ziel gesprintet. Das lässt für die kommende Zeit einiges von ihm erwarten. Zeiten um die 29:30 sind für ihn mit Sicherheit möglich, immer Verletzungsfreiheit vorausgesetzt. Obendrein ist er ein sympathischer Kerl, der trotz der plötzlichen Erfolge mit beiden Beinen am Boden geblieben ist (mal abgesehen vom Laufen, da fliegt er mitunter).

IMG_5157Auch bei den Damen fiel der Streckenrekord: Karsta Parsiegla vom SCC Berlin lief mit 39:50 über eine Minute unter der alten Rekordzeit ein einsames Rennen und wurde insgesamt mit dem 5. Platz belohnt. Der Lauf stand schon wie in den letzten Jahren unter dem Motto „Run For Kenya“. Da die Teilnahme kostenlos ist, wird um Spenden für die Kenyan Kids Foundation von Wesley Korir gebeten. Und auch diesmal ließen sich die Läufer nicht lumpen und packten ca. 1000,- in die Spendenbox. Ein großartiges Ergebnis einer großartigen Veranstaltung, die den Namen „Volkslauf“ mehr als verdient hat. Gerade auf der 5km- und 10km-Distanz hat der Lauf sicher noch einige Mitstreiter mehr verdient. Vielleicht ja im Mai 2016 zur 6. Auflage?

Fotos von Madita Schulz, Malin Winter und Hans Uhthoff, vielen Dank dafür!

von Running Twin Marek am 28. Mai 2015 · 1 Kommentar · Kategorien: Ausrüstung

DECATHLON_PressDay6Nicht mehr lange ist es hin, da eröffnet auch in Berlin ein Shop der französischen Marke Decathlon. Bisher war mir die Marke gänzlich unbekannt. Ende Mai hatte ich die Möglichkeit, die zahlreichen Produkte von Decathlon einmal genauer unter die Lupe zu nehmen: im Rahmen des Press Day im Speicher an der Berliner Oberbaumbrücke präsentierten sich alle Marken, die unter dem Dach von Decathlon angesiedelt sind. Und das sind einige: neben den „typischen“ Sportarten wie Laufen, Schwimmen oder auch Walken sind auch Nischenprodukte wie z.B. für den Reitsport oder den Golfsport zu haben. Jede Sportart wird durch eine Eigenmarke repräsentiert, aber es gibt ebenso die bekannteren Marken, so dass eine Vergleichbarkeit der Produkte einfach möglich ist.

DECATHLON_PressDayEinen etwas genaueren Blick haben wir auf die Produkte der Laufmarke Kalenji gewagt. Besonderen Wert legt Decathlon auf das Preis-Leistungsverhältnis. Die Produkte werden allesamt in Frankreich entwickelt, wobei bekannte Sportler ihre Erfahrungen mit einbringen dürfen. Da wäre z.B. der Trinkrucksack „Trail“ oder das Brustlicht „Runlight“. Der Rucksack schaut auf den ersten Blick sehr durchdacht aus. Über die Qualität kann man schwer urteilen, aber der Preis liegt ein Vielfaches unter dem der anderen bekannten Hersteller von Trinksystemen. Auch ein speziell angepaßtes Damenmodell ist erhältlich. Das Brustlicht hatten wir bereits beim nächtlichen Run&Bike getestet. Es hat uns komplett überzeugt. Der Lichtkegel ist verdammt hell und läßt sich dreistufig einstellen. Zudem gibt es auf der Rückseite ein blinkendes Rotlicht. Es ist äußerst bequem zu tragen und stört überhaupt nicht. Eine gute Alternative für alle, die sich mit einer schweren Stirnlampe nicht anfreunden können.

DECATHLON_PressDay1Auch die Laufschuhe liegen im unteren Preissegment. Neben den üblichen Straßentretern gibt es auch ein Trailmodell im Angebot. Das steht bei mir momentan noch im Schrank und wartet darauf, ausgeführt zu werden. Natürlich kann man auch die üblichen Lauftextilien erwerben. Aber auch andere Produkte, die eher im Freizeitbereich angesiedelt sind, haben mein Interesse geweckt. Da ist z.B. die Schnorchelmaske EasyBreath zu nennen, die es ermöglicht, auch unter Wasser zu atmen. Oder die platzsparenden Fußballtore „The Cage“, die man schnell am Strand zum Kicken aufstellen kann.

DECATHLON_PressDay3Die Vielseitigkeit von Decathlon hat mich ehrlich gesagt überrascht. Egal, welche Sportart man betreibt, hier hat man eine gute Chance, dass man auch das Passende dazu finden kann. Und das zu attraktiven Preisen. Seien wir doch mal ehrlich: mehr als 100,- für ein Laufshirt oder 180,- für ein paar Laufschuhe auszugeben, ist i.d.R. reichlich übertrieben. Natürlich sagt allein der Preis nichts über die Qualität der Sachen aus. Ich freue mich schon, wenn ich ich im Juni in Berlin durch den Shop schlendern kann und mit Sicherheit das eine oder andere Produkt für den Sommerurlaub oder den Laufherbst in dieser Saison mitnehmen werde.

DECATHLON_PressDay5

von Running Twin Marek am 16. Mai 2015 · 25 Kommentare · Kategorien: Wettkampfbericht

IMG_9877Diese Nacht wird uns noch einige Zeit in Erinnerung bleiben. Vielleicht ja sogar mehr als unsere erste Nacht bei unserer Premiere beim Run&Bike Neuzelle vor zwei Jahren. Das Ergebnis liest sich ernüchternd und ist es auch, ohne Wenn und Aber: DNF. DID NOT FINISH. Der Alptraum eines jeden Sportlers. Für uns wurde dieser heute Nacht das erste Mal überhaupt wahr.

Um kurz nach halb sechs in der Frühe saßen die Running Twins im Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes vor dem Klosterportal in Neuzelle. Silvana hat sich unserer angenommen und uns mit Rettungsdecken, einer warmen Standheizung und einem heißen Kaffee versorgt, so dass wir langsam wieder auftauen konnten. Zu dem Zeitpunkt war unsere zweite Teilnahme bei diesem schönen Event seit mehr als einer Stunde vorzeitig beendet. Was war passiert?

IMG_9874Mit großen Erwartungen sind wir angetreten. Und nichtmal ansatzweise konnten wir umsetzen, was wir uns für die 100km vorgenommen hatten. Es lief einfach nichts, aber auch gar nichts zusammen. Die Chronologie unseres Scheiterns: nach dem Start um 00:00 bildete sich schnell eine Gruppe mit 5 Teams, die das Feld anführten. Am Anfang läuft es locker und leicht, wir wechseln wie geplant in kurzem Rhythmus, kein Team will sich vorzeitig absetzen. FEHLER Nr. 1: wir haben die Wechsel nicht geprobt vorher. Kurz vor knapp haben wir uns für das Damenfahrrad von Britta entschieden und nicht für Mareks MTB. Damit klappt der Einstieg zwar leichter, aber der Rücktritt macht uns riesige Probleme. Nach 4km fliege ich mitsamt unserer Ladung (Gels, Trinkflaschen, Jacke, Riegel) auf die Nase und muss alles mühselig einsammeln und den Jungs hinterherheizen. Auch der Sattel ist viel zu tief. Einen Schlüssel dafür hatten wir (natürlich) auch nicht mitgenommen. Während die anderen fast mühelos wechseln, muss unser Biker immer wieder von hinten aufholen. Das Ganze zieht sich bis km20. Dann kommt der erste Verpflegungspunkt, den Henrik auf dem Rad absolviert. Stempel nicht vergessen – wo war denn gleich die Stempelkarte? Vorne setzen sich die beiden Jungs Tobias und Ron von Fortuna Marzahn ab. Keiner kann und will dem Tempo folgen, wir sind zu dem Zeitpunkt trotzdem noch mit unter 4min/km unterwegs.

Es geht an der Oder entlang. Und es wird immer kälter. Das eine paar Handschuhe hilft auf dem Rad nur kurzzeitig. Ich merke, wie meine Finger mehr und mehr einfrieren. Der Nebel ist teilweise so stark, dass auch mit der irren Beleuchtung (zwei Halogen am Rad, zwei Stirnlampen, zwei runlights am Körper) keine 2m Sichtweite herrscht. Eine Weile wechseln sich die Positionen 3, 4 und 5 miteinander ab. Dann müssen wir auch Thomas und Stefan ziehen lassen. Kurze Zeit später rücken Sebastian und Mathias nach. Wieder können wir nicht folgen. Der erste Dämpfer ist da: dass wir so „früh“ den Kontakt zur Spitze verlieren, hatten wir nicht erwartet. Von da an sind wir allein unterwegs. Wir versuchen, das Tempo weiter konstant zu halten, als es auf die Straße Richtung Wiesenau geht. Endlich weg von der nebligen Oder. Nur die Temperaturen scheinen immer weiter zu fallen. Unser Getränkevorrat ist da bereits erschöpft. Das kalte Wasser wird schnell ungenießbar.

Dann ist der Verpflegungspunkt bei km53 endlich erreicht: ich übernehme diesmal den läuferischen Teil, Henrik füllt die Vorräte auf. Den Anstieg laufe ich gemächlich hoch. Dann geht es links weg Richtung Süden und siehe da – Henrik rollt mit den Vorräten heran. Ich vernehme nur kurz:

  • „Very bad news“.
  • „??? Was soll das heißen verdammt?“
  • „Glaube, wir verlieren Luft vorne im Reifen.“ – ich halte an und checke.
  • „Verdammt. Kann doch nicht wahr sein!“

Ich schmeiße mich aufs Rad und schreibe unserer Supporterin Kathi per Facebook: „Pumpe!“, „Platten!“. Sie wollte bei km70 auf uns warten. Dass sie noch antwortet und die Pumpe einpackt, bekomme ich nicht mehr mit. Woher also mitten in der Nacht eine Luftpumpe organisieren? Kein Feuerwehrmann hat etwas parat. Noch ist ein wenig Luft auf dem Reifen. Kurz vor km60 fragt Henrik weiter verzweifelt jeden einzelnen, der an der Strecke ist. Und das waren zu dem Zeitpunkt nur sehr Wenige. Dann endlich scheint er Erfolg zu haben. Ich laufe schon vor und sehne die erlösende Nachricht herbei. Es zieht sich. Mir kommt das Streckenfahrzeug entgegen. Der Herr fragt, wo denn mein Kollege sei (er hatte mittlerweile von vorne eine Pumpe organisiert!). Ich werfe ihm nur „er kommt gleich“ entgegen. Es keimt wieder Hoffnung auf. Plötzlich kriege ich einen Bärenhunger. Es bleibt nix erspart. Ich muss die erste Gehpause einlegen, kann dann aber weiterlaufen. Und Henrik sollte doch gleich aufschlagen mit unserer reichhaltigen Verpflegung!

Ich höre nach einer endlos erscheinenden Zeit die Radgeräusche hinter mir. Auch die nächste Konversation bleibt dauerhaft in meiner Erinnerung:

  • „Stell‘ jetzt bitte keine Fragen, wir haben ein anderes Rad.“
  • „Wie meinst du das, ein anderes Rad?“ (ich sehe jetzt erst den anderen Drahtesel, den Henrik bei einer Dame eingetauscht hat).
  • „Ich habe Riesenhunger. Wo ist unser Essen?“
  • „Alles dagelassen. Wir haben nix mehr jetzt. Was sollte ich machen?“ (das Rad ist ein älteres Rennrad, das nicht mal eine Flaschenhalterung besitzt)
  • „Ich muss etwas essen. Sonst ist hier und jetzt Feierabend!“

Henrik zieht noch ein Gel aus der Jacke und überlässt es mir. Besser als nix. Und es hilft tatsächlich. Eine Trinkflasche hat er noch in der Hand, auch das tut gut nach dem langen Intervall. Dann geht es in den Wald. Der Sattel des Rades ist so übel eingestellt, dass ein vernünftiges Fahren nicht machbar ist. Auch die Wege werden schlechter. Nun wollen wir beide nur noch laufen. Das geht erstaunlicherweise recht passabel. Ich wuchte das Rad über die sandigen Pisten, sehe die Querspuren unserer Vorderleute. Hier wurde hart gekämpft! Und dann geht es raus aus dem Wald. Fast unbemerkt ist es mittlerweile hell geworden.

IMG_9876Wir übersehen fast Kathi bei km65. Der erste Blick haftet am Auto, die linke Vorderseite ist demoliert. „Ein Reh war das.“ Ungläubig wechseln wir die Blicke, ziehen uns aber dann mit vollem Genuss den heißen Tee rein. Zu essen hat sie leider nichts dabei, wo wir doch mittlerweile jede Banane mit Kusshand nehmen würden. Wir stehen ca. 10min bei ihr. Platz 6 überholt uns. Weitermachen? Aufhören? Wir kühlen so schnell aus, ohne es zu merken. Noch einmal mobilisieren wir alle Kräfte und ich renne los. Kathi fährt nun ein paar Meter voraus, hat uns fest im Rückspiegel im Blick. Das Laufen geht erstaunlich gut. Nur Henrik wird immer kälter auf dem Rad.

Km68, direkt vor dem Eingang des Campingplatzes. Kathi wartet auf uns. Henrik kann kaum mehr treten, die Kälte ist trotz der 4 Lagen und den Handschuhen unerbittlich. Wir sprechen nur kurz miteinander. Die Entscheidung ist einstimmig: aus und vorbei. Das Risiko wäre zu groß. Kathi bietet uns noch ihren Hoodie an. Doch nochmal los? Nein, auch Henriks Kopf kann sich nicht mehr umentscheiden. Mit letzter Kraft bauen wir das Rad auseinander, setzen uns ins warme Auto und nehmen Kurs Neuzelle.

Im Ziel wollen wir erst in die Turnhalle. Die warmen Sachen aus dem Auto können wir nicht holen – mein Autoschlüssel war noch in der Fahrradtasche! Wir kommen am DRK-Wagen vorbei und fragen nach Decken. Die beiden Sanis suchen eine Ewigkeit und wir frieren entsetzlich. Dann kommt Silvana und nimmt die Sache in die Hand. Wir beobachten respektvoll aus dem Wagen, wie David und Tim mit 06:24 einlaufen. Tobias und Partner kommen zehn Minuten später, Thomas und Stefan laufen 06:39. Als ich dann in der warmen Morgensonne auf Henrik und Gregor warte (die das Rad aus Groß Lindow von Stefans Frau holen wollen!), kommen Thomas und Stefan vorbei. „Haben schon gehört von Euch. Bei uns lief es auch nicht!“ So kann man es natürlich auch sehen!?. Aber auf die Medaillen blicke ich schon neidisch. Das Gefühl, ohne Medaille abzureisen, liegt mir schwer im Magen.

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Was nehmen wir mit aus dieser Nacht?

Selbstkritisch genug sind wir, um das Ergebnis richtig einzuordnen. Das war ein ordentlicher Schuss vor den Bug dieser bisher so guten Saison. Das DNF hätten wir uns natürlich an anderer Stelle gewünscht. Viele kleine auch taktische Fehler (keine Luftpumpe, keine Wechsel geprobt, zu kalt angezogen, zu schnell losgelaufen, keinen Plan B) haben wir gemacht und somit das Resultat selbst verschuldet. Hinzu kommt ein gewisses Maß an Selbstüberschätzung, dass wir das Ergebnis von vor zwei Jahren locker schaffen könnten. Doch damals hatten wir viel, viel Anfängerglück. Das war dann wohl aufgebraucht. Das DNF nur mit den Materialproblemen zu erklären, wäre zu einfach. „Ist der Lauf nicht dein Freund, ist er dein Lehrer.“ Selten hat etwas besser gepasst zu dieser Nacht. DUMM gelaufen.

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Davon hatte ich schon immer geträumt: einsam in strömendem Regen gemischt mit fiesem Gegenwind durch Kuhkaffs im Outback von München zu laufen. Das klingt eigentlich grausam, aber im Rahmen des Wings for Life World Runs am vergangenen Sonntag war das eine Riesengaudi. Der wohl größte Charity-Lauf der Welt, 35 zeitgleich gestartete Läufe in 33 Ländern auf dem ganzen Globus – ein schier unermesslicher Organisationsaufwand für eine große Idee: 100% der Startgelder (in Deutschland 36 bis 54 EUR) fließen in die Stiftung „Wings for Life“, die sich für Forschung zur Heilung von Querschnittslähmung engagiert. Der bekannte Grazer Energiedrinkhersteller ließ seine Marketingmuskeln spielen und stellte das Event auf die Beine. Live-Übertragung auf dem eigenen Fernsehsender inklusive mit der „Global Race Control“ an der Rennstrecke in Spielberg. Der Clou am WFLWR: es gibt keine Ziellinie, man läuft soweit, bis das WFLWR_3Catcher Car überholt. Das verfügt über mobile Transpondererfassungstechnik und erfasst beim Überholen den Zeitnahmechip des Läufers. Da das Catcher Car mit einer definierten Geschwindigkeit fährt und eine halbe Stunde nach Startschuss (weltweit einheitlich 11:00 Uhr UTC) losbraust, kann man sehr genau planen, wie weit man laufen möchte. Im letzten Jahr gastierte der WFLWR in Deutschland nur in Darmstadt, und da für 2015 ein zweiter Deutschland-Lauf mit Start in München ins Programm genommen wurde, wollte ich da unbedingt teilnehmen.

IMG_9753Das Münchner Wetter am Sonntag war aber unerbittlich: dunkle Wolken mit ergiebigem Dauerregen, aber immerhin 15 Grad – es gibt schlimmere Bedingungen, um zu laufen. Besser als Hitze! Trainerin Bianca und ich wollten mit ca. 4:30 min/Km starten, diese Pace würde für einen Marathon reichen, wenn man sie konstant durchliefe. Das war nach 200 Metern bereits Utopie, so schnell flogen wir am Olympiasee vorbei. Wir blieben an der führenden Frau Ingalena Heuck dran, die heute Großes vorhatte. Das Tempo führt zu 41:30 min auf die 10 Kilometer. Das Feld war hier schon sehr auseinandergezogen. Für mich viel zu schnell, also ließ ich Bianca und den Tross um Leni wegziehen. Vereinzelt standen sogar Zuschauer an der Strecke und jubelten den nassen Läufern zu. Die Stimmung unter den Läufern war prächtig, so wirklich volle Pulle liefen nur wenige. Ich musste das Tempo schon ab Km 15 deutlich reduzieren, schon jetzt war klar, dass der Marathon heute nicht erreichbar ist. Ich wollte mich angesichts der wichtigeren Wettkämpfe in den nächsten beiden Wochen auch nicht abschießen. Und so traf ich immer wieder auf bekannte Gesichter und konnte einen Plausch halten, mal gehend, mal laufend, aber immer guter Dinge. Der Regen zermürbte mit der Zeit doch ganz schön und die Umgebung wurde nicht reizvoller, ganz im Gegenteil. Ab Km 32 kamen noch nette Anstiege dazu. Die Oberschenkelrückseiten waren erstaunlich angegriffen und so lief ich zur Entlastung sogar 1-2 Km rückwärts und freute mich auch auf das Catcher Car. Das ließ sich dann noch bis Km 34,x Zeit. Eine ganze Kolonne zog in Überacker vorbei. Für die meisten Läufer eine wahre Erlösung.

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Der Rückweg folgte zunächst walkend zum VP bei Km 35 und dann mit einem Bus-Shuttle. Erst 4,5 Stunden nach dem Startschuss waren wir wieder im Olympiapark. Das war ein irres Event mit hohem Unterhaltungswert, ein Riesen-Kompliment an die Organisation. Marek hat als Selfie-Runner mit der App in Berlin am Lauf teilgenommen und hat sich erst nach 37,1 Kilometern vom virtuellen Catcher Car einholen lassen. Damit holt er immerhin weltweit Platz 3 der Selfie-Runner-Wertung. Ich bin mit meiner Leistung ganz zufrieden, im nächsten Jahr muss der Marathon mit einer besseren Renneinteilung aber fallen. Wir freuen uns auf den Wings for Life World Run am 8.5.2016! Und wenn es so sein soll, auch wieder im Dauerregen durch die Kuhkaffs.

von Gastautor Philipp am 29. April 2015 · 6 Kommentare · Kategorien: Ausrüstung

Unser Gastautor Philipp hat sich eine GPS-Uhr zugelegt. Er hat viel recherchiert und ist schließlich bei der adidas miCoach smart run hängengeblieben. Lest in seinem Gastbeitrag über die Erfahrungen mit der Uhr.

Foto: adidas

Foto: adidas

Zieh mich an und starte durch“ – der Slogan allein reichte zunächst nicht, mich zu überzeugen, eine Smartrun von adidas für stolze 400 Euro zu kaufen. Zu mir persönlich: ich bin Gelegenheitsläufer und bislang mit einem iPhone am Arm und Musik unterwegs. Genutzt wurden verschiedene Running-Apps wie Nike+ und Runtastic. Insbesondere die letzte App hatte mich immer zufrieden gestellt. Die Funktionsvielfalt auf dem Papier ist super. Warum also weg von einer Handy-App? Die Bedienung am Arm während des Laufens ist unbequem und bedarf viel Konzentration. Die Verkabelung der Kopfhörer kostet Zeit und man hat nie die richtige Kabellänge, so dass die Kopfhörer Halt haben und bequem sitzen.
 
 

Mit der Smartrun habe ich als Musikliebhaber die ideale Lösung gefunden. So dachte ich jedenfalls. Musik am Handgelenk mit allen Funktionen, die man sich so vorstellen kann. Darüber hinaus kann die Uhr ohne jegliches Zubehör den Puls direkt am Handgelenk messen. Ich hatte oft überlegt, einen Pulsgurt zu kaufen. Nun habe ich ja alles in einem. Die Uhr bringt einen farbigen Touchscreen und Einknopf-Bedienung mit. WLAN zur Laufdaten- und Musiksynchronisierung und zum Download von adidas Trainingsplänen ist ebenso an Bord wie eine Bluetooth-Schnittstelle zur Kopfhörerkopplung (aber kein Kopfhörereingang). Der Funktionsumfang überzeugte mich, das Geld für so ein Sport-Tool aufzubringen. Zugegeben, die UVP von adidas kann man um 100 Euro unterbieten, wenn man einen Blick bei Amazon oder eBay wagt. Also gekauft.

Für meine geliebte Musik bedurfte es nun noch neuer Bluetooth-Kopfhörer. Zugegebenermaßen bin ich sehr verwöhnt, was guten Klang angeht mit Bose Soundsystem im Auto usw.. Ich entschied mich für die Beats Solo 2 Wireless. Der Klang über die miCoach ist hervorragend. Eine Wohltat für die Ohren. Egal welches Musikformat, ob Flac, MP3, MP4, AAC – sie spielt alles ab. Auch die Bedienung super. Alben, Interpreten, Playlists oder Random-Mix, an der Uhr einfach zum gewünschten Titel/Playlist „wischen“. Um erst einmal Musik aufspielen zu können, kommt man jedoch nicht daran vorbei, seine miCoach bei adidas zu registrieren und sich ein (kostenloses) Benutzerkonto einzurichten. Die WLAN-Einrichtung ist eigentlich simpel, jedoch bei Eingabe eines langen Schlüssels nur mit viel Fingerspitzengefühl zu bewältigen. Überhaupt: für große Finger ist die Uhr grundsätzlich ungeeignet. So ist es praktisch unmöglich, jemals die richtige Auswahltaste zu treffen, da diese sehr schmal gehalten sind. Ein Tablet-Stift kann Abhilfe schaffen.

Foto: adidas

Foto: adidas

Aber nun auf zum Laufen. Ich liebe es, in Hamburg um die Alster zu laufen. Für mich die schönsten 7,68 Km Deutschlands. Schnellstart ausgewählt. Kopfhörer haben sich in wenigen Sekunden mit der Uhr verbunden und wenige Sekunden später sagt mir die Sprachsteuerung, dass mein Pulsmesser aktiv ist. Ruhepuls bei 70 – kommt hin. Man wähle nun aus einer langen Liste die Trainingsart aus (Running, Walking, Skating, Biking – alles vertreten). Die Uhr ist das erste Mal im Laufbetrieb. Es vergehen 2 Minuten, 5 Minuten. Ich frage mich, ob ich etwas falsch gemacht habe? 10 Minuten vergehen und ich mag es kaum glauben, dass der Coach mir bekannt gibt, dass GPS gefunden wurde und ich das Training durch nochmaliges Drücken der Starttaste beginnen kann. Erstaunt muss ich feststellen, dass das Display nicht die Darstellung auf der Verpackung der Uhr aufweist. Die 7,68 Km wurden exakt gemessen, das Training gespeichert und beendet. Man kann sich sein Training unmittelbar auf der Uhr anschauen (Höhen, Tiefen) und auch mit möglichen bisherigen Trainingseinheiten vergleichen. Toll! Zuhause angekommen, sucht die miCoach das WLAN und synchronisiert sich eigenständig mit der miCoach-Website.

Erster Eindruck: sie macht, was sie soll. Visuell konnte ich bei diesem Training keine aktuelle oder durchschnittliche Pace sehen. Akustisch wurde mir die Pace im 1 Km-Takt (individuell anpassbar) jedoch durchgegeben. Ein Studieren der Enzyklopädie (Anleitung wäre das falsche Wort für dieses umfangreiche Dokument) hat mich zu der Erkenntnis gebracht, dass das Display auf der Website angepasst werden kann. Gemacht, getan. Das war sehr simpel, wenn man weiß wo.

Foto: adidas

Foto: adidas

Das nächste Training steht an. Zusammen mit meiner Schwester, die zufrieden mit Ihrer Garmin Forerunner 910 XT unterwegs ist. Für eine Triathletin aus ihrer Sicht ein hervorragendes Trainingsgerät. Wenn es nach der Garmin geht: es kann losgehen. Meine miCoach sieht das anders. Pulserkennung ist aktiv. GPS, der Satellit wird geortet. Es vergehen 5 Minuten. Uns wird kalt. Ungelogen, nach knapp 10 Minuten kann es dann endlich losgehen. Die Freude über die vier zuvor am Mac neu programmierten Displayvarianten vertreibt den Frust über die lange Wartezeit bei diesem Training. Der Switch zwischen verschiedenen Displays während des Trainings ist technisch zwar möglich, jedoch mit nur leicht feuchten Hemden zum Scheitern verurteilt. Nach Trainingsende sind die Distanzen laut Garmin und adidas nahezu identisch.

Viele Trainingseinheiten sind mittlerweile vergangen. Und die Uhr hat vom Profil her alles, was sich zumindest mein Läuferherz wünscht. Aber die Umsetzung hapert gewaltig. Außer Pulsmessen konnte sie keine Funktion für mich zufriedenstellend erfüllen:

Musik
Regelmäßig verliert die Uhr die Verbindung zum Kopfhörer. Während dessen laufenden Trainings die beiden Geräte zu verbinden ist praktisch unmöglich. Das bedeutet, Training abbrechen oder ohne Musik weiterlaufen.

Akkulaufzeit
Nach einem Training rund um die Alster muss die Uhr an den Strom. Sie 24 Stunden später wieder zu verwenden, ohne sie vorher geladen zu haben, ist i.d.R. nur noch im sog. Marathonmodus möglich (ohne Musik, ohne Displaybeleuchtung, ohne Sprachcoach). Für Langstreckler mit Sicherheit ein K.O.-Kriterium. Für mich ist dieser Punkt nachrangig zu betrachten. Mein iPhone sucht nach einem Lauf um die Alster auch die Steckdose auf.

Bedienung
Ist grundsätzlich intuitiv. Auch der Menüaufbau ist logisch und verständlich. Den Ansatz mit dem Touchscreen halte ich jedoch für fragwürdig. Man braucht wirklich zierliche Frauenhände, um die richtigen Auswahlfelder zu treffen. Während eines Laufs ist es unmöglich, den nächsten Musiktitel auszuwählen oder gar eine andere Playlist. Feuchtigkeit verhindert die Bedienung der miCoach. Das bedeutet, dass man vor dem Lauf alles programmiert haben muss. Nur was macht man, wenn es dunkel ist und man feuchte Hände hat? Da hilft nur der Sprachcoach. Eine permanente Displaybeleuchtung ließ sich nicht aktivieren (obwohl diese Funktion in den Einstellungen zur Verfügung steht und aktiviert wurde). Da hat das Display meines iPhones gerade im Zusammenspiel mit Feuchtigkeit um Welten besser reagiert.

GPS
Das ist der Punkt, der mich am meisten enttäuscht hat. Im Schnitt länger als fünf Minuten auf GPS zu warten, das ist für mich nicht tragbar. Oft habe ich die Uhr beim Warmup schon in den Startmodus geschickt, damit die GPS-Suche losgehen kann. Die Weinberge Baden Württembergs sind der miCoach offensichtlich noch weniger wohl gesonnen. Hier habe ich selten überhaupt einmal ein GPS-Signal bekommen oder es ist während des Laufs schnell wieder verloren gegangen. Mein iPhone findet hier auf Anhieb GPS.

Software
Je mehr Trainingseinheiten zurückgelegt wurden, desto träger wurde die Software. Die letzten Trainingseinheiten konnten nicht mehr absolviert werden, da die Uhr immer und immer wieder abgestürzt ist (Einfrieren des Bildschirms, Neustarten durch sehr langes Drücken der einzigen Taste). Ein Zurücksetzen der Uhr auf Werkseinstellung und einer Wiedereinrichtung (WLAN-Schlüssel und Benutzerkonto erneut eingeben, Download der Vorkonfiguration von der Website) schafft Abhilfe für kurze Zeit.

Fazit
Nun ging ich davon aus, dass eventuell nur meine Uhr „buggy“ ist. Der adidas-Experte auf der Marathon-Messe in Hamburg konnte zu meiner Verwunderung keine Bugs feststellen. Ein Austausch auf Kulanz ist auch nicht erfolgt. Das rundete den Gesamteindruck ab. Mein Urteil: enttäuschend. Absolut keine Kaufempfehlung. 400 Euro sind in andere Sportuhren mit weniger Funktionen und höherer Zuverlässigkeit besser investiert.

von Running Twin Marek am 21. April 2015 · 7 Kommentare · Kategorien: Kurioses, Wettkampfbericht

20150419_170104Das letzte Wochenende war geprägt von einem Experiment mit ungewissem Ausgang. Zwei Wettkämpfe innerhalb von 24h, der Halbe am Samstag und der Ganze am Sonntag – die „Läuferkrone“ des Spreewaldmarathons hatte ich kurz vor Weihnachten für mich entdeckt und mich spontan angemeldet. Groß Gedanken hatte ich mir zu dem Zeitpunkt gar nicht gemacht, lief es doch Ende des Jahres richtig gut. Als ich am Samstag bei kühlen aber sonnigem Wetter am Start am Marktplatz in Lübbenau stand, war ich mir meiner Sache schon nicht mehr so sicher. Erstaunlich viele hatten eine der niedrigen Startnummern, die den Startern in dieser Sonderwertung vorbehalten waren. Ich machte mich mit André auf den Weg durch das Biosphärenreservat, wir kannten uns von der Berliner Winterlaufserie im Januar. Dort war er vor mir und gewann souverän die M40.

IMG_5772Ich weiß nicht, wie oft wir beide gesagt haben, dass wir „viel zu schnell“ sind. Aber irgendwie klappt es mit dem Temporausnehmen nicht so wirklich, wenn man zusammen unterwegs ist. Und so kassierten wir schon bis zur 10km-Marke einige, die noch viel schneller losgelaufen sind als wir. Drei oder vier Brücken über die Kanäle waren bis dahin zu überwinden. Der Rhythmus ist danach erstmal weg. Zu dem Zeitpunkt hätte ich nicht für möglich gehalten, dass ganz vorne noch zwei Läufer waren, die im Kampf um die Krone ordentlich Druck machten. Nach 10km in 39min! und einem Abstecher auf die Marathonstrecke lies ich André dann ziehen. Die Natur ist sehenswert auf der Runde – der Belag mit den alten Platten aus DDR-Zeiten ist es sicher nicht. Aufgrund der Löcher und Unebenheiten ist oberste Vorsicht geboten. Erst im letzten Drittel der 22km-Runde geht es wieder an den Kanälen entlang – natürlich gespickt mit einigen Brücken. Nachdem ich kurz die Orientierung verliere und mir zurufen lassen muss, wo es dann langgeht, setzt obendrein noch ein Hagelschauer ein. Warm ist anders! Platz 9 (ich) und 10 tauschen kurz vor Schluß noch ihre Plätze. Ich laufe relativ entspannt mit 01:26 in Lübbenau ein und verzichte lieber auf den obligatorischen Endspurt. „Kontrollierte Offensive“ würde einer (Otto Rehagel) meinen. Zu dem Zeitpunkt bilde ich mir ein, dass ich nicht alle Kräfte eingesetzt habe und mir zumindest ein paar Körner für den Marathon aufbewahrt habe. Aber sicher bin ich mir überhaupt nicht. Nach dem Halben bin ich auf Platz 4 der Sonderwertung. André ist knapp 2min vor mir, die anderen beiden nochmal schneller mit 01:22 und 01:23. Und auch hinter mir geht es sehr eng zu. Das, was ich schon zum Start geahnt habe, bewahrheitete sich: ein Klassefeld ist dabei, das um Längen besser ist als bei der Premiere der Läuferkrone 2014. Ich fahre im Anschluß nach Lübben, um Britta im Ziel ihrer Radtour zu empfangen.

IMG-20150419-WA0003Die Beine fühlen sich Sonntag früh, am Tag des Marathons in Burg, erstaunlich locker an. Große Nachwirkungen des Halben kann ich nicht entdecken. Oder ist der Wunsch nur Vater des Gedanken? Die Anreise und das Drumherum vor dem Start in Burg sind wesentlich stressbehafteter als in Lübbenau. Der Parkplatz ist weit weg, ein ziemliches Gewusel herrscht im Start-Ziel-Bereich und nur wenige Klos sind vorhanden. Auf das Warmmachen muss ich aus Zeitgründen elegant verzichten. Wenigstens das Wetter spielt super mit: Sonne pur und ein paar Grad wärmer als am Samstag. Alle bekannten Gesichter vom Halbmarathon reihen sich ganz vorne ein, ich stehe mit André zwei Reihen dahinter. Er hat vier Flaschen mit am Gürtel und ich: nichts. Nichtmal ein Gel kann ich aufbieten. Vor lauter Aufregung hatte ich auch noch vergessen, etwas vorher zu trinken. Nun ist es zu spät. Das Rennen läuft, wir kommen gut weg. Die 10km-Läufer verabschieden sich schnell, von da an geht es für die Halbmarathonis und die Marathonis auf die große Runde quer durch den Spreewald. Ich nehme schon am Anfang wirklich jeden Verpflegungspunkt mit, habe ich doch schnell ordentlich Durst. Nur richtig trinken klappt einfach nicht beim Rennen. André schließt nach 7km auf und wir bringen die erste Runde relativ ereignisarm hinter uns. Das gleiche Spiel wie am Samstag: ständig das Gejammere über das Tempo, aber keiner bekommt es auf die Reihe, langsamer zu laufen. „Luxusprobleme“ haben wir anscheinend. Aber schon vor km20 merke ich, dass es mit dem Tempo um die 04:10/km nicht mehr lange weiter gehen wird.

20150418_090417Andrés Trainer schaut von nun an öfters mit dem Rad vorbei und gibt erste Tips zur Lage der Marathon-Nation. Kurz hinter der (einzigen) Brücke bei km20 halte ich erstmal an und trinke alles, was ich kriegen kann. Die Lücke ist schnell da, aber mir war es auch nicht ganz unrecht. Ich nahm Tempo raus und versuchte, wenigstens etwas die Kräfte zu schonen. Ich realisierte ja längst, dass es noch verdammt hart werden würde auf der zweiten Runde. Einen Schub bekomme ich, als mir berichtet wird, dass einer der beiden Führenden rausgehen musste. Plötzlich ist sie wieder da, die Chance aufs Podium! Aber ich baue zu schnell ab. Kilometer um die 04:45 bei der 25km-Marke verheißen nichts Gutes für den Rest. War der Lauf gestern doch so kräfteraubend? Ich versuche, ein paar klare Gedanken zu fassen und entscheide mich, das Tempo nicht weiter zu forcieren. Die Angst vor der ersten Gehpause war zu groß. Wenigstens km28 (da war doch was vor 3 Jahren!) überstehe ich noch laufend. Jeder Verpflegungspunkt ist ein Highlight in meinem einsetzenden Marathon-Delyrium. Cola, Iso, Wasser – ich schütte alles in mich rein, was zur Verfügung steht. Fürs Kuchenessen bleibt leider keine Zeit mehr. Ein wenig erinnert das Ganze an den Médoc – nur ohne Alkohol. Oder gabs da etwa auch Bier? Es muss aber noch vor km30 gewesen sein, als ich das erste Mal walke. Erstaunlicherweise nehme ich es fast mit Humor. Was habe ich denn erwartet? Bei einem Marathon wünscht man sich, dass die Schmerzen erst ganz spät kommen. Möglichst kurz vor dem Ziel. Wenn die Zuschauer einen nach vorne klatschen. Wenn der Punkt greifbar nahe ist, an dem man die Uhr anhalten kann. Wenn die Familie einem zujubelt und die Kids sich freuen. Nur bin ich noch weit weg vom Ziel. 12km können unendlich lang sein. Die einzigen Menschen auf und an der Strecke sind die Kanuten, die gelegentlich Beifall klatschen. Und natürlich die Verpflegungspunkte. Meine Rettungsanker im stetig sinkenden Spreewald-Kahn.

zielHier nimmt man wohlwollend zur Kenntnis, dass ich gestern schon unterwegs war und die Natur in ihrer Schönheit bestaunt habe. „Du bist schnell unterwegs.“ Oh, schön zu hören. Mir kommt es schon lange nicht mehr so vor. „Aber die Konkurrenz vor dir ist noch ein bißchen schneller.“ Eine schöne Motivationsspritze! Ich schlürfe weiter durch die Landschaft. Phillip fliegt förmlich an mir vorbei. Es muss schon ein wenig ungleich ausgesehen haben. Kimetto gegen Calmund. Ich habe NICHTS entgegenzusetzen. Da er nachgemeldet hat, realisiere ich zu dem Zeitpunkt nicht komplett, dass er auch die Läuferkrone angeht. Aber ich ahne es bereits. Von Punkt zu Punkt denken. Schritt für Schritt. Laufen wechselt sich mit Gehen ab. Kurioserweise kann ich mich genau an meine Gehpausen von vor drei Jahren erinnern. Und lege jedesmal wieder eine ein. Auch die Strecke hätte ich ohne Probleme ablaufen können, zu gut war sie noch in meinem Kopf drin. Viel tut sich nicht mehr bis km38, wo mich die beiden Herren mit Fernglas und Mikro versuchen zu verorten. Die Nr. 12 finden sie aber nicht auf ihrem Zettel. Bis sie doch noch realisieren, dass ich Wiederholungstäter bin. Sie „peitschen“ mich förmlich weiter. Im Hintergrund sagen sie den nächsten Läufer an und ich realisiere sofort, dass der Dietmar, ein direkter Konkurrent, mir im Nacken sitzt. Kurz vor km40 geht er vorbei. SiegerehrungIch muss auch ihn ziehen lassen. Plötzlich taucht Steffen von den Profilläufern auf dem Bike vor mir auf. „Marek – du hier?“ Ja ist richtig. Mehr als ein „Na sch… Marathon“ kriege ich nicht raus. Entsprach aber voll und ganz der Wahrheit. Dietmar kommt schon von der letzten Wendeschleife zurück und läuft mir entgegen. Wir klatschen uns ab. Groß ist der Respekt trotz aller Konkurrenz. Eine letzte Gehpause genehmige ich mir noch, dann sammele ich alle Kräfte und laufe den letzten Kilometer auf dem sandigen Weg in Richtung Ziel. Es wird eifrig applaudiert und gerufen. Zumindest mein Zieleinlauf hatte noch etwas mit Laufen zu tun. Die Familie herzt mich nach über 3h Wartezeit in der Sonne. Schneller ging es leider nicht. Am Ende wird es in der Gesamtwertung der Läuferkrone der 4. Platz werden. Ralf gewinnt sogar noch den Marathon. André holt souverän Platz 2 mit einem 3h-Marathon und auch Phillip überzeugt mit einem richtig guten Lauf am 2.Tag.

IMG-20150419-WA0008Was bleibt von dem Experiment „Läuferkrone“? Natürlich hätte ich mir einen schnelleren Marathon gewünscht. Aber ich habe alles gegeben und bin deshalb mit dem Wochenende auch zufrieden. Eine silberne und eine goldene Spreewaldgurke bekommen einen Ehrenplatz zuhause. Platz 4 erscheint auf den ersten Blick unglücklich. Nur war der Abstand zu Ralf, André und Phillip zu groß, um darüber enttäuscht zu sein. Die Jungs waren um Längen besser an dem Wochenende und das habe ich zu respektieren. Ich bin dankbar, dass ich mit André einen erfahrenen Läufer an meiner Seite hatte, der das Experiment einfach besser gemeistert hat als ich und von dem ich mir noch Einiges abschauen kann. Nächstes Jahr wieder? Die Frage stellt man sich zwangsläufig, aber eine Antwort muss erstmal ausbleiben. Sobald alles verarbeitet ist, denke ich in Ruhe darüber nach. Eines ist sicher: die Krone wird auch 2016 wieder vergeben.